American Pie – Das Klassentreffen

 

Würdiger Nachfolger oder doch bloß lauwarmer Apfelkuchen ?

 

Eine wichtige Frage stellt sich unweigerlich, wenn eine erfolgreiche Filmserie sich anschickt „Reunion“ zu feiern: ist es bloß der Versuch Hollywoods alten Apfelkuchen noch einmal aufzuwärmen oder wird dem Zuschauer ein Innovatives Sequel geboten ? Lehrt uns die Filmgeschichte doch anhand mehrerer Beispiele aus jüngster Zeit (Scream 4), dass Reboots, Reunions und späte Sequels nur selten wirklich gut und erfolgreich sind. Der vierte Teil knüpft eng an die inhaltlichen Zusammenhänge aller „American Pie“ Filme an, wobei die nur mäßig erfolgreichen Nebenableger der Serie ignoriert werden,  so dass vor einem Kinobesuch das Anschauen der ersten drei Filme notwendig ist. Auf die dummen, aber meist witzigen Sprüche von High-School Macho und selbsternanntem Frauenheld Steve Stifler, der sich auch selbst „der Stifmeister“ nennt, muss der Zuschauer aber sicherlich nicht verzichten.

 

Kenner der ersten drei Teile dürfen auch im Sequel keine Handlungswunder erwarten, ist sie doch sehr einfach gestrickt. Dreizehn Jahre sind eine lange Zeit, und so beschließen die Jungs und Mädels der „East Great Falls“ High-School Abschlussklasse 99‘ ihr erstes Klassentreffen zu veranstalten. Die Protagonisten sind scheinbar alle erwachsen geworden und haben sich in ihren alltäglichen Leben eingefunden.  So sind Jim (Jason Biggs) und Michelle (Alyson Hannigan) nach Ihrer Hochzeit vollends mit der Erziehung Ihres kleinen Sohns beschäftigt und Chris (Chris Klein), der Sportreporter geworden ist, führt ein Leben als B-Promi an der Seite von Freundin und Model Mia. Paul Finch (Eddie Kay Thomas) kann nun scheinbar auch auswärts auf die Toilette gehen, denn er präsentiert sich als harter Draufgänger, der die Welt erkundet  und viel herumgekommen ist. Kevin (Thomas Ian Nicholas) hingegen führt ein ruhiges Leben, arbeitet als Architekt von zu Hause aus und verbringt seine Abende mit Frau Ally und seichter Fernsehunterhaltung. Und zu guter Letzt ist da noch Steve Stifler (Seann William Scott), der als Handlanger eines unfreundlichen und exzentrischen Vorgesetzten in einer Investment Firma festsitzt.

 

Jim,  Chris, Kevin und Paul beschließen  ein paar Tage vor dem Klassentreffen in ihrer alten Heimatstadt Wiedersehen zu feiern. Der Versuch Stifler auszuschließen, erweist sich aber schon am ersten Abend, an welchem die vier ihm in einer Bar über den Weg laufen, als unmögliches Unterfangen.  Was dann folgt, ist das altbewährte Konzept aus peinlichen Gesprächen, niveaulosen Sprüchen und dem üblichen Humor, den man schon in den anderen Teilen der American Pie Serie serviert bekam. Nach einem Wiedersehen mit Heather (Mena Suvari) und Vicky (Tara Reid) besucht die Clique eine High-School Party wo die Ereignisse im American Pie typischen Stil ihren Lauf nehmen.

 

Jim etwa, bei dem im ehelichen Schlafzimmer tote Hose herrscht, bekommt Ärger mit seiner Frau Michelle, nachdem er in die ein oder andere prekäre Situation  mit der hübschen Nachbarstochter geraten ist. Chris trifft auf seine Jugendliebe Heather, die allerdings wieder liiert ist, und wird prompt in ein Gefühlschaos gestürzt. Und Kevin findet sich morgens nach der Party halb nackt mit Vicky in einem Bett wieder. Auch Paul Finch kommt nicht ungeschoren davon, seine Fassade eines aufregenden Lebens beginnt schon bald zu bröckeln, was zu Konflikten mit seinem neuen Schwarm und  ehemaligen Mitschülerin Selena (Dania Ramirez) führt. Trotz aller Vorkommnisse, peinlicher Situationen und Konflikten überrascht es wohl keinen, dass „American Pie 4“ letztlich doch mit einem Happy End aufwartet. Wie in „American Pie“ üblich, lösen sich Konflikte auf, alte Liebe wird neu entfacht, neue Liebe entflammt und Versöhnung wird  mit gutem altmodischem Sex auf einem Schreibtisch gefeiert. American Pie war 1999 ein Überraschungserfolg und brachte mit seinem eigenen frivolen Humor Millionen  Kinozuschauer zum Lachen. Nach zwei nicht minder erfolgreichen Fortsetzungen, bietet das Konzept des Klassentreffens eine Möglichkeit, die Originalbesetzung wieder zusammenzubringen.

 

Überraschungen sucht man im vierten Teil der „American Pie“ Reihe allerdings vergebens, und auch der Humor und die Witze haben sich in den letzten 13 Jahren nicht verändert. Angetrieben wird der Film, der ohne seine Vorgänger gar nicht funktionieren könnte, vor allem durch Nostalgie, was den cleveren Schachzug von Universal unterstreicht, die gesamte Crew erneut zu versammeln. Das beste Beispiel hierfür ist die Wiederverwendung vieler Soundtrackelemente aus den früheren drei Episoden. Man darf sich daher  auch auf einige Kurzauftritte, etwa von Jessica oder dem „Sherminator“, freuen.

Schauspielerisch werden auch hier wieder keine Meilensteine gelegt, aber die Charaktere werden ordentlich dargeboten, so dass man eine Verbindung zu den Vorgängern ziehen kann. Das ist aber auch nicht unbedingt nötig, da der frivole Humor auch große Schauspielkunst funktioniert.

 

Fazit:
American Pie 4 – Das Klassentreffen ist genau das, was man von den Vorgängern kennt. So bedienen sich die Macher der klassischen Elemente:  peinliche Gespräche mit Jims Vater, Stiflers dumme Sprüche, heiße Mädels und so ziemlich jedes anderen Klischees, welches man mit American Pie assoziiert. Allerdings ist es notwendig die ersten drei Teile gesehen zu haben, da der neueste Ableger fast ausschließlich von der Nostalgie lebt.
Fans der Serie die wissen möchte, ob Finch es auch diesmal mit Stiflers Mom treiben wird und über Stevens Sprüche noch lachen können, dürfen sich über gewohnte Standardkost freuen und werden einen Kinobesuch sicher nicht bereuen.

 

Persönliche Meinung:
Ich muss gestehen, ich bin ein Fan von American Pie und vor allem von Seann William Scott. Die Vorgänger, welche die Basis für den vierten Teil bilden,  entlockten mir so manches Mal schallendes Gelächter. Hat man mit „American Pie 3 – Jetzt wird geheiratet“ noch versucht hat den Charakteren zumindest einen Hauch von Tiefe zu geben, fällt man hier wieder in das altbewährte Konzept der ersten beiden Teile zurück. So bleibt etwa vom „neuen Stifler“,  der in Teil 3 Emotionen zeigen konnte, nicht mehr viel übrig und er überschüttet uns wieder mit jeder Menge flacher Sprüche und  frivolem Humor. Ich jedenfalls hatte meinen Spaß und der Film ist nicht schlecht, kommt aber bei Weitem nicht an den dritten Teil heran, der zumindest einige Grundzüge eines reiferen Drehbuchs aufweisen konnte.

Rating: ★★★★★★☆☆☆☆ 

 

Fakten:

Regie:  Jon Hurwitz, Hayden Schlossberg

Darsteller:  Jason Biggs, Seann William Scott, Chris Klein, Thomas Ian Nicholas, Eddie Kay Thomas, Alyson Hannigan, Tara Reid, Mena Suvari, Eugene Levy, Jennifer Coolidge

Drehbuch:  Jon Hurwitz, Hayden Schlossberg

Budget:  $50Mio.

Deutscher Kinostart:  26. April 2012

 

 

Quellen:   Box Office Mojo,  Internet Movie Database

GD Star Rating
loading...
American Pie – Das Klassentreffen, 7.0 out of 10 based on 1 rating


Hinterlasse einen Kommentar, oder nutze den trackback auf deiner Homepage.

Hinterlasse einen Kommentar

Du musst dich einloggen, um einen Kommentar hinterlassen zu können.