Battleship

 

Blendwerk, Nachahmer oder innovatives Actionfeuerwerk?

 

Das sind die Fragen, die sich unweigerlich stellen, wenn man dem $200Mio. Werk von Peter Berg („Hancock“) seine Aufmerksamkeit schenkt. Ebenso offensichtlich sind die entsprechenden Antworten, schließlich ist Battleship, wie auch die legendären „Transformers“, ein Kind von Spielzeughersteller Hasbro. Battleship präsentiert sich in erwartungsgemäß bombastischem Gewand und bleibt damit dem genretypischen Grundsatz treu, dem Zuschauer atemraubende Unterhaltung bieten zu wollen. Es tritt damit in Fußstapfen, die sich in letzter Zeit im ausufernden Bereich der Alien Invasions Filme abgezeichnet hatten. Ist Battleship in der Lage diesem Genre einen neuen Anstrich zu geben oder gibt es nur mehr vom Guten?

 

Die grundlegende Handlung des Films kann sich jeder Sciene-Fiction Freund bereits im Vorfeld ohne Probleme zusammenreimen. Wissenschaftler schaffen es mit Hilfe eines neuartigen Satelliten ein Signal auf einen fernen Planeten zu senden, auf dem ihrer Meinung nach Leben möglich wäre. Statt einer Antwort, steuern fünf Raumschiffe die Erde an und landen im Pazifik. Dort finden gerade internationale Seemanöver der Marine statt, die spontan zur Untersuchung dieser Landung abberufen werden. Mit an Bord sind Alex Hopper  (Taylor Kitsch „John Carter“), sein Bruder Stone (Alexander Skarsgard „True Blood“), Waffenspezialistin Raikes (Rihanna) und Flottenadmiral Shane (Liam Neeson „Zorn der Titanen“). Als drei Schiffe der Flotte zur näheren Kontaktaufnahme ansetzen, aktivieren die Fremden einen undurchdringlichen Schild, der sie mit den drei Zerstörern und der Insel Hawaii einschließt. Nun liegt es an den wenigen Soldaten herauszufinden, was die Aliens vorhaben und sie aufzuhalten, bevor es zu spät ist.

So simpel die Story klingen mag, sie ist eigentlich noch schwächer. Der Film bemüht sich verzweifelt Zusammenhänge hinter all dem Feuerwerk zu entfachen, scheitert dabei aber kläglich an seinen dumpfen Dialogen und den genretypischen Logiklücken, die mehr Fragen hinterlassen, als beantwortet werden. Mehr als oberflächliche Ideen, um den Film überhaupt fortführen zu können, darf man hier in keinem Fall erwarten. Trotzdem funktioniert das Konzept, das uns die Filmemacher hier präsentieren, sehr gut, da es vollkommen unerheblich ist, wie schwach die Charaktere geschrieben wurden. Zumindest wenn man die ersten 20min überlebt, die doch sehr am Geduldsfaden jedes Actionfans zerren.

 

Die schauspielerische Leistung der fünf zentralen Figurendarsteller ist nicht weiter erwähnenswert. Taylor Kitsch kommt als draufgängerischer Marinesoldat gut rüber, ebenso Alexander Skarsgard, dessen Aura dieselbe dominant faszinierende Art besitzt, wie sie ihn schon in True Blood berühmt gemacht hat. Besonderes Augenmerk gilt Rihanna, die sich in ihrem Kinodebut als toughe Gunnerin Raikes gut schlägt. Immer einen flotten Spruch auf den Lippen, bildet sie einen der wichtigsten Sympathiecharaktere. Der vielbeschäftigte Liam Neeson spielt hier nur eine kleine Nebenrolle und trägt leider kaum etwas zur Definition des Films bei. Hier wäre mehr möglich gewesen, wenn man schon einen solchen Hochkaräter in die Besetzung eingliedern konnte. Ebenso fraglich ist die Besetzung  der Admiralstochter Sam, gespielt von Topmodel Brooklyn Decker. Sicherlich macht sie eine sexy Figur und dem männlichen Zuschauer werden ihre Reize deutlich auffallen, aber mehr als zwei Gesichtsausdrücke wären durchaus von Vorteil gewesen.

 

Wenn der Zuschauer, der sich einen solchen Film ansieht, ehrlich zu sich selbst ist, dann erwartet er auch keine fein gearbeitete Handlung oder tiefgründige Dialoge. Es geht um die brachiale Action und die visuelle Überreizung des Zuschauers, die einen solchen Film auszeichnen. Und hier schlägt sich Battleship absolut fabulös. Die Spezialeffekte sind von höchster Qualität, der Film wirkt stimmig und man hat zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass es sich nur um Tricktechnik handeln könnte. Ein weiteres großes Plus ist die Verwendung von modernen Marineschiffen, was man nur in den allerseltensten Fällen in einem Film sieht. Das Flair, das sich in diesem Zusammenhang aufbaut unterstreicht den patriotischen und auch den heroischen Charakter des Films und wird das männliche Publikum in seinen Bann ziehen. Auch die gelegentlich speziellen Kamerafahrten wirken beeindruckend und vermitteln ein derart deutliches Gefühl von Nähe, das den Zuschauer praktisch mitten an Deck projiziert. Regisseur Peter Berg hat sich sogar die Mühe gemacht die Kenner der Brett- und Computerspiele (zu Deutsch „Schiffe versenken“) mit Kleinigkeiten anzusprechen, in dem er zum einen ein rasterartiges Schlachtfeld entwirft, in dem sich die Schiffe von Quadrant zu Quadrant bewegen. Zum Anderen baut er immer wieder Kameraperspektiven ein, die unheimlich deutlich an derartige Spiele erinnern.

Ein weiterer wichtiger Punkt, bei dem alle Filme dieser Art in äußerster Konkurrenz stehen, ist die Darstellung des außerirdischen Feindes. Die Battleship Designer haben sich wirklich große Mühe gegeben die fremdartigen Wesen so cool wie irgend möglich zu entwickeln. Im Vergleich zu den langweiligen Aliens aus „World Invasion: Battle Los Angeles“, wurde hier alles auf den männlichen Zuschauer zugeschnitten, dessen Imagination der Möglichkeiten, die diese Wesen haben, jeden Rahmen sprengen. Insbesondere die Raumschiffe und die Rüstungen sind sehr gelungen und erinnern stark an bekannte Computerspiele wie Crysis. Leider kippt die Umsetzung der Handlung in diesem Bereich von „nicht vorhanden“ zu „desaströs“, mehr dazu im Spoiler Bereich.

 

Spoiler:

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Battleship wirft viele Fragen auf, insbesondere aufgrund der Logiklücken. Die fremdartigen Wesen bieten hier leider die größte Angriffsfläche, was absolut unnötig ist. Der Zuschauer bekommt zu keinem  Zeitpunkt im Film etwas über die Motive der Eindringlinge heraus und wird schlichtweg vor störende Lücken gestellt, die nicht gefüllt werden. Man fragt sich den ganzen Film über wieso die Aliens nur stoisch auf Aggressivität reagieren und selbst dann setzen sie ihre überlegene Technik nur sehr beschränkt ein. Anstatt menschliche Bedrohungen zu vernichten, wenn sie ansteht, wird sie ab der Hälfte des Films ignoriert. Das beste Beispiel ist der Wissenschaftler, der in die feindliche Basis eindringt, um die Kommunikationseinheit zu besorgen. Dort trifft er auf einen Alien, der ihn seltsam ansieht, nicht als Bedrohung erkennt und wieder gehen lässt. Wieso? Das ergibt absolut keinerlei Sinn, wenn man dem Zuschauer gleichzeitig vermitteln möchte, dass eine Invasion der Erde bevorsteht. Haben sich die Drehbuchautoren halbherzig vom Konzept der Borg aus dem Star Trek Universum verleiten lassen? Natürlich sind die Begründungen für all das leicht zu finden: PG13 (Altersfreigabe in den USA durch die MPAA) heißt die eine und heroisches Hollywood Popcorn Kino die andere. In einem solchen Film darf niemals ein Held sterben, ohne dass das Konzept komplett über Bord fällt. Schade ist es trotzdem, es wären andere Wege möglich gewesen, um dies umzusetzen. Auf die Weise, wie es sich uns präsentiert, beleidigt es eher den Intellekt jedes halbwegs denkenden Wesens.

 

Fazit:

Bei aller Kritik an Handlung und schauspielerischer Leistung schafft es der Film unheimlich zu fesseln und die 131 Minuten vergehen nahezu wie im Flug. Zu verdanken hat er das den fantastischen Spezialeffekten und den sympathischen Charakteren, die trotz aller Oberflächlichkeit eine Nähe zum Zuschauer entwickeln, mit der dieser sich identifizieren kann. Und sie haben einen entscheidenden Vorteil im Vergleich zu den geliebten Transformern: sie nerven den Zuschauer nicht mit ihren Kinderkrankheiten. Da lässt man sich auch nervige Klischees und mehr als ausgelutschte Sätze wie „Wir werden alle sterben….aber nicht heute!“ gefallen, denn ernst nehmen kann man einen solchen Film sicherlich nicht. Am Ende bekommt der geneigte Zuschauer genau das wofür er den Kinosaal betreten hat: bombastische Action, bei der er in den Kinosessel gepresst wird.

 

Persönliche Meinung:

Ich habe sehr lange nicht mehr im Kino gesessen und tatsächlich vor Freude die Faust geballt, als die Guten endlich die Oberhand gewannen. Dass sie das tun, ist keine große Überraschung, schließlich zweifelt nicht einmal der aufmerksamkeitsschwächste Zuschauer daran, dass alles gut werden wird. So läuft die Popcorn Maschine nun einmal und genau deswegen schaut man sich einen solchen Film an. Und zu meiner großen Überraschung übertraf Battleship in den meisten Belangen gar meine Erwartungen und kann sich problemlos mit den großen Verwandten („Transformers“, „Independence Day“) messen. Der Film setzt sicherlich keine neuen Maßstäbe, überzeugt aber mit alt bekannten und für gut befundenen Grundlagen. Wer also „Transformers“ mochte und sich auf ein anspruchsloses Feuerwerk der Extraklasse einlassen kann, der wird seine helle Freude an diesem Film haben. All diejenigen, die Tiefgang und Anspruch in einem Film vorziehen, sparen sich lieber das Kinoticket.

Rating: ★★★★★★½☆☆☆ 

 

 

Fakten:

Regie:  Peter Berg

Darsteller:  Taylor Kitsch, Liam Neeson, Rihanna, Brooklyn Decker, Alexander Skarsgard, Hamisch Linklater, Tadanobu Asano

Filmmusik:  Steve Jablonsky

Drehbuch:  Erich Hoeber, John Hoeber

Budget:  $200Mio.

Deutscher Kinostart:  12. April 2012

 

 

Quellen:   Box Office Mojo,  Internet Movie Database

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Battleship, 6.0 out of 10 based on 1 rating


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