Der Diktator

 

Tod dem Tyrannen, lang lebe der Tyrann!

 

 

Provokativ, beleidigend, dreist, ungebührlich, satirisch und ohne Ende lustig, das alles ist „Der Diktator“, solange man mit dem denkbar derbsten Humor der Filmindustrie zurechtkommt. Die Merkmale von Sacha Baron Cohens neuestem Streich „Der Diktator“, der das Lachen der Zuschauer im Halse ersticken lässt, sind allesamt nicht das, was man normalerweise aus Hollywood geliefert bekommt. Mit einer gnadenlosen PR Kampagne, die vor keinem Tabu zurückgeschreckt ist, hat der Entertainer für seinen neusten Film geworben, der ihn nach dem weniger erfolgreichen „Brüno“ wieder in den Vordergrund rücken soll. Ob sich das auch für den Kinozuschauer lohnt, ist nun die große Frage, die hier beantwortet werden soll.

 

 

Admiral General Aladeen (Sacha Baron Cohen) ist der diktatorische Herrscher des fiktiven afrikanischen Staates Wadiya, der mit eiserner Hand, Willkür und offensichtlichem Narzissmus sein Amt ausübt. Eines Tages haben die „Vereinten Nationen“ genug von ihm, als Aladeen öffentlich erklärt, dass er an Atomtests arbeitet und so ziemlich alle anderen Länder der Welt vernichten will. Sie verlangen von ihm eine Erklärung vor dem UN Tribunal in New York, wohin der Diktator mit seinem Hofstaat aufbricht. Dort angekommen gelingt seinem Onkel Tamir (Ben Kingsley) der Coup seinen Neffen mit Hilfe eines Profis (John C. Reilly) entführen und durch einen Doppelgänger ersetzen zu lassen. Doch Aladeen kann sich befreien und irrt nun ohne sein Markenzeichen, dem Vollbart, und hilflos durch New York City. Schließlich findet er Unterschlupf bei der feministischen Veganerin Zoey (Anna Faris), die ihm sogar einen Job in ihrem Ökoladen anbietet, den er widerwillig annimmt, um seine Pläne schmieden zu können. Schon bald muss Aladeen allerdings erkennen, dass er in der wirklichen Welt nicht mit Todesdrohungen und Beleidigungen vorwärts kommt. Vor allem nicht, wenn er verhindern will, dass sein Onkel mit Hilfe der UN eine demokratische Legislatur für sein Land verabschiedet, um die Ölrechte verkaufen zu können. Der ehemalige Machthaber ist nun fest entschlossen seinen Platz an der Spitze seines Landes wieder einzunehmen und ein solches Unrecht zu verhindern.

 

Auch wenn ich gerade eine Inhaltsangabe der groben Handlung gegeben habe, so muss man dazu sagen, dass sie absolut unwichtig ist. Bei den meisten Filmen wäre es ein Unding ohne vordergründig gute Handlung auszukommen, doch „Der Diktator“ ist auch hier, wie in vielen anderen Bereichen, etwas Besonderes und muss auch so behandelt werden. Um diesen Film überhaupt verstehen zu können, muss man sich vollständig von der oberflächlichen Handlung lösen und die Szenen einzeln und das Konzept im Ganzen betrachten. Beides dann in Verbindung zu bringen, ist allerdings entscheidend, sonst könnte man meinen, dass „Der Diktator“ ausschließlich aus dummen Gags ohne Sinn und Verstand bestünde, was dem Film Unrecht täte. Es würde den brutal satirischen Charakter der Grundidee vollkommen ignorieren, der das Herz des Films darstellt.

 

Es sollte schnell klar werden, dass der fiktive Diktatorstaat Wadiya in seiner satirischen Darstellung große Ähnlichkeit mit einer bekannten westlichen Großmacht haben soll, was dem Zuschauer gegen Ende des Films noch einmal sehr deutlich dargelegt wird. Wenn man den Film im Nachhinein mit all seinen schrägen und derben Szenen betrachtet, so kann man zu dem Schluss kommen, dass es sich tatsächlich um eine geschickt verpackte Politsatire handelt. Natürlich ist es genauso möglich, dass der Zuschauer auch einfach nur den provokanten Humor genießen will, ohne sich mit Hintergedanken belasten zu wollen. Der Film funktioniert auf vielfache Weise, solange man sich nicht von der unfassbaren Maßlosigkeit des Humors abschrecken lässt. Dies ist tatsächlich eine ernst gemeinte Warnung: Menschen, die nicht damit leben können, wenn ethnische Gruppen/Minderheiten/Frauen beleidigt, Tabus gebrochen, Regeln des guten Geschmacks aller Art verletzt oder politische Ansichten auf das Schärfste angegriffen werden, selbst wenn es nur satirisch gemeint sein mag, sollten sich den Kinobesuch dringend zweimal überlegen!

 

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Bei einer Frau setzen mitten im Ökoladen die Wehen ein, Aladeen muss die Geburt einleiten. Es folgt eine geschmacklose Szene, in der sich vieles um das innere des weiblichen Geschlechts dreht. Doch schließlich zieht er das Baby hinaus.

Aladeen: „Es ist ein Wunder!“

Er zieht das Kind weit hoch, die Nabelschnur spannt sich soweit, dass er die Mutter mitzieht. Diese beschwert sich, er kommt wieder zu ihr und wird plötzlich aber ganz still und ernst.

Aladeen: „Oh nein….ich habe schlechte Neuigkeiten“

Mutter panisch: „Was? Was ist denn?“

Aladeen: „Es ist ein Mädchen.“

Er sieht sich fragend um.

Aladeen: „Wo ist der Mülleimer?“

 

 

„Der Diktator“ ist ein Film, wie ihn die heutige Kinogeneration braucht, um durchgerüttelt zu werden. Ohne sich selbst oberflächlich ernst zu nehmen, schafft er es nicht nur extrem gut zu unterhalten, sondern auch noch einen politsatirischen Charakter zu schaffen, der erstaunlicherweise sehr gut funktioniert. Durch die überdrehten Szenen und Figuren und einer unnachahmlichen Schamlosigkeit wird dem Zuschauer eine Form von Chaos zugemutet, die zwischen regelbrechendem Humor und Nachdenklichkeit schwankt. Es gibt sicherlich Menschen, die ihn mit stumpfsinnigen Filmen wie „Scary Movie“ vergleichen möchten, da er scheinbar sinnlosen Humor zelebriert. Ich kann nur inständig darum bitten, dies nicht zu tun. „Der Diktator“ hat nicht nur deutlich mehr zu bieten, sondern bewegt sich in einer völlig anderen Liga des Humors, schließlich möchte er trotz allen Klamauks auf hintergründige Weise letztlich doch ernst genommen werden.

 

Fazit:

Ich würde gerne sehr viel mehr über den Film schreiben, doch ist das nahezu unmöglich, da er inhaltlich nicht so viel zu bieten hat. Stattdessen muss man ihn erleben, um sich überhaupt einen Eindruck von diesem Filmstil machen zu können. Die Gags sind unter jeder Gürtellinie, die Szenen abgedrehter als man es sich vorstellen kann und die Message hinter dem Ganzen fast ein wenig erschreckend, wenn man es schafft hinter diesen Klamauk zu blicken. Sacha Baron Cohen gelingt es uns erneut mit seiner Form von Humor zu begeistern und das schamloser als je zuvor. Vielleicht erreicht „Der Diktator“ nicht das Niveau von „Borat“, aber er ist dennoch ein urkomischer Film, der jedem zu empfehlen ist, der nicht schon beim ersten Witz in Ohnmacht fällt.

 

Persönliche Meinung:

Als das erste Bild auftauchte und ich das Plakat eines asiatischen Mannes vor mir sah, unter dem die Schrift „In stillem Gedenken an Kim Jong Il“ auftauchte, da war mir klar, worauf ich mich eingelassen hatte. Während des Films schließlich habe ich mich köstlich amüsiert und konnte beinahe bei jeder Szene laut auflachen. Das hat leider nur kaum jemand gehört, da ich mir in der Regel die Hand vor den Mund gehalten habe vor Schock, dass es jemand wagt solche Gags zu bringen. Man ist hin- und hergerissen zwischen dem unglaublichen Drang laut loslachen zu müssen und der gleichzeitigen Zurückhaltung, weil man über solche Szenen in keinem Fall lachen sollte. Hinzu kommt auch noch das Gefühl, dass hinter dem Ganzen noch mehr steckt, was man nicht verpassen sollte und einem das Lachen im Hals stecken bleiben lässt. Viel länger als 90min hätte der Film allerdings nicht gehen dürfen, mir taten die Wangen vom vielen Gelächter einfach zu weh. Liebhaber von derbem Humor, die auch gerne mal ein wenig hinter das System eines solchen Films blicken, sind hier absolut perfekt aufgehoben.

Rating: ★★★★★★★½☆☆ 

 

Fakten:

Regie:  Larry Charles

Darsteller:  Sacha Baron Cohen, Anna Faris, Ben Kingsley, John C. Reilly, Megan Fox

Drehbuch:  Sacha Baron Cohen, Alec Berg, David Mandel, Jeff Schaffer

Deutscher Kinostart:  17. Mai 2012

 

 

Quellen:  Box Office Mojo,  Internet Movie Database, The Hollywood Reporter, hd-wallpapers.com

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