Game of Thrones (Season 1)

 

Analyse einer Faszination

 

 

Weltweit gibt es nur eine Handvoll TV Serien, die von sich behaupten können, dass sich Kritiker und Fans einig über ihre Qualität sind. Die magnetische Anziehungskraft, die jede dieser Folgen begleitet und es dem Zuschauer unmöglich macht wegzuschauen, sucht in diesen seltenen Fällen ihresgleichen. „Game of Thrones“ ist ohne Zweifel eine solche Serie. Basierend auf der Fantasy Romanserie „Das Lied von Eis und Feuer“ von Bestsellerautor George R.R. Martin, entstand unter ungeheurem Produktionsaufwand diese Welt voller Machtgelüste, Intrigen, Gewalt und Ehre. Im Folgenden wird anhand der ersten Staffel analysiert werden, welche Besonderheiten die Serie mit sich führt und warum sie die Menschen auf solch immersive Weise an den Bildschirm fesselt.

 

Das mystische Land Westeros ist der zentrale Handlungsort, in dem sich sieben Familien um Macht und Ansehen streiten. Dieses mittelalterlich anmutende Land ist in sieben Königreiche aufgeteilt, die von einem einzigen Großkönig aus der Hauptstadt King’s Landing regiert werden. Hoch im Norden herrscht Lord Eddard Stark (Sean Bean) mit seiner Familie über Winterfell, einem äußerst kalten und unwirtlichen Land. Zwei weitere der großen Häuser sind das des Großkönigs Robert Baratheon (Mark Addy) und dessen Frau Cersei Lannister (Lena Headey), die mit ihrem Zwillingsbruder Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) bei Hofe wohnt und von dort ihre Fäden zieht. Oberhaupt der machtbesessenen Lannister Familie ist Lord Tywin Lannister (Charles Dance), der seine eigenen Probleme mit seinem kleinwüchsigen Sohn Tyrion (Peter Dinklage) ausfechten muss. Die übrigen vier Häuser sind eher klein und nicht von großer Bedeutung, da sich die Handlung in großen Teilen nur zwischen den großen Kontrahenten abspielt. Ein wichtiger Nebenschauplatz ist das ferne Land hinter der Narrow Sea, wohin sich die letzten beiden verbliebenen Mitglieder der Familie Targaryan geflüchtet haben, nachdem ihr Vater, der vorherige König von Westeros, von den Lannisters ermordet worden war.  Viserys Targaryan (Harry Lord) versucht dort seine Schwester Daenerys (Emilia Clark) als Ehepfand bei dem barbarischen Clan der Dothraki und dessen Oberhaupt Khal Drogo (Jason Momoa) einzutauschen, damit dieser ihn mit einer Armee dabei unterstützt den eisernen Thron von Westeros für sich zurückzuerobern.

Die Handlung wird in Gang gesetzt, als der Großkönig überraschend am Hofe von Winterfell erscheint, um seinen alten Freund Lord Stark darum zu bitten seine rechte Hand in King’s Landing zu werden. Ned gefällt die Vorstellung nicht seine Familie alleine lassen zu müssen, um sich den Ränkespielen bei Hofe zu stellen, doch fügt er sich dem Willen seines Königs. Dadurch werden Ereignisse in die Wege geleitet, die das Schicksal aller Familien und des gesamten Landes in diesem Ränkespiel um die Macht in den sieben Königreichen, verändern werden. Die Figuren positionieren sich neu im Machtgefüge, um den entscheidenden Moment nicht zu verpassen, die eigene Position in diesem Spiel auszuweiten und die Konkurrenten zu schwächen, egal mit welchen Mitteln. Doch keines der Häuser ist sich der Gefahr bewusst, die sich nördlich von Winterfell zusammenbraut. Dort befindet sich die große Mauer, an der die Nachtwache rund um Ned Starks unehelichem Sohn Jon (Kit Harrington) auf Castle Black stationiert ist. Jenseits der Mauer regieren eisige Kälte und wilde Stämme und eine heraufkommende Gefahr nähert sich Westeros, die seit Tausenden von Jahren gebannt schien.

 

 

 

 

 

 Joffrey:  „Mutter, wie erkenne ich unsere Feinde?“

 Cersei:  „Alle, die nicht zu uns gehören, sind Feinde.“

 

 

 

 

 

Es ist ein gewagtes Unterfangen die grobe Handlung von „Game of Thrones“ beschreiben zu wollen, ohne es vollkommen unverständlich darzustellen oder zu viel zu verraten. Dies ist auch gleich der erste Punkt, der die Serie auf so verschachtelte Weise fesselnd macht. Es gibt keine Szene, keinen Charakter, keinen Handlungsstrang, die nicht wichtig und entscheidend für den weiteren Verlauf der Entwicklungen sind. Jede Szene scheint ein genau ausgeklügeltes Element einer Rahmenhandlung zu sein, die zusammen genommen eine Einheit bilden. Der Zuschauer benötigt größtmögliche Aufmerksamkeit, um entscheidende Wendungen nicht zu verpassen, die ihm in jeder Folge dutzendfach vorgeführt werden. Der große Vorteil war hierbei die Romanvorlage, an die sich die Drehbuchautoren sehr kleinlich gehalten haben. Die bereits vorgefertigten Charaktere erleichterten es den Produzenten, sich mehr auf die Darstellung der Welt und die Zusammenführung der Schauplätze zu konzentrieren.

 

Aufgrund des immensen Produktionsaufwandes wirken die sieben Königreiche von Westeros unheimlich real, so dass man als Zuschauer in regelmäßigen Abständen daran erinnert werden muss, dass es sich hierbei nicht um eine Kopie unserer mittelalterlichen Vergangenheit handelt. Zu präzise wirken die Gestaltung von Sets und Ausrüstung, die Darstellung von Landschaften und Charakteren und vor allem die fein gearbeitete Leistung in den technischen Bereichen. Das wunderschön gearbeitete Intro, das von der hervorragend arrangierten Filmmusik von Ramin Djawadi begleitet wird, spiegelt bereits ab der ersten Minute die Liebe zum Detail und den Aufwand wieder, die mit der Produktion einhergingen. Alleine die akkurate Arbeit der Schauspieler hätte aber schon ausgereicht, um den Zuschauer vollends in diese beängstigend fremde Welt hinein zu saugen. Die Vielschichtigkeit der Charaktere wird hervorragend von den Darstellern wiedergegeben, allen voran Sean Bean als ehrenhafter Lord des unwirtlichen Winterfell. Auf seinem Gesicht zeichnen sich die endlosen Zweifel und die Sorgen um seine Familie ab, die ihn stets verfolgen. Lena Headey macht uns als ruchlose Königin so viel Angst, dass man sich bei jeder Szene unweigerlich fragen muss, was im Kopf dieser Frau vorgehen mag und mit welcher Schrecklichkeit sie als nächstes aufwartet. Besonders erwähnen muss man natürlich Peter Dinklage, der den kleinwüchsigen Sohn des brutalen Lord Lannister so hervorragend mimt, dass er sowohl mit dem Emmy, als auch dem Golden Globe ausgezeichnet wurde. Tyrion Lannister ist einer der wichtigsten Sympathieträger der Serie, der uns, als Teil seiner hinterlistigen und brutalen Familie, mit Nächstenliebe zwischen seinen vielen Momenten der zynischen Selbsterhaltung begegnet.

 

Die Auswahl der Charaktere, die der Zuschauer als seine möglichen Favoriten herausstellt, ist wirklich bemerkenswert groß. Doch egal für welchen er sich entscheidet, muss er sich einiger wichtiger Dinge bewusst sein, die „Game of Thrones“ erst zu dem machen, was es ist. Es gibt in dieser Serie weder Gut noch Böse, selbst wenn man aus reinem Reflex stets danach sucht, um seine Sympathien verteilen zu können. Die Charaktere tragen diese Serie mit ihrer vielschichtigen Menschlichkeit, was sich stets in einer Grauschicht wiederspiegelt, die nur Tendenzen aufweist, aber niemals ein Extrem erreicht. Jeder hat Schwächen, manche sind größer, andere wiederum schwerwiegender  oder sogar unmöglich zu beurteilen. Man muss sich als Zuschauer damit abfinden, dass Fehler, im Gegensatz zu Charakteren anderer Produktionen aus der Traumfabrik, ein unabdingbarer Faktor jeder einzelnen Figur sind. Und genau hier spielt „Game of Thrones“ seine gesamte Stärke auf, indem es dem Zuschauer vor Augen führt, dass das Zentrum sich nicht in erster Linie um die Aufgaben von Hauptpersonen dreht, z.B. um Selbstverwirklichung, Herrschaft oder andere Themen. Vielmehr handelt es sich um eine konsistente Welt, mit sich stets verändernden Elementen, in der kein einziger Charakter sicher ist vor Bedrohungen, Fehlern oder gar dem Tod. Alles ist eine Frage der Entwicklung und der Faktoren, die mit hineinspielen und sich ständig in eine neue Richtung drehen. Dieses Drehmoment in den Griff zu bekommen war die Herausforderung der Filmemacher, was sie herausragend gut vollbracht haben und was sie zudem nun an den Zuschauer weitertragen, der mit der Entschlüsselung betraut wird.

 

Ein unheimlich wichtiges Element zur Verdeutlichung dieser geschlossenen Welt, ist die Darstellung dieser extremen Gewebe, die die Charaktere untereinander bauen. Dem Betrachter wird sehr schnell und deutlich klar gemacht in welch brutaler Welt er sich befindet und wie die Regeln von Westeros herrschen. Gleich in der ersten Folge wird man mit Enthauptung, Inzest, Vergewaltigung, Mord, Gewalt, Kindsmord, Prostitution, Sex, Intrigen, Sklaverei, Herrschaft und vielen Dingen mehr, konfrontiert, die man auf diese präsentierte Weise nicht aus anderen Filmen oder Serien kennt. An dieser Stelle trennen sich die unterschiedlichen Lager der Rezipienten. Einige werden sich die vollen 10 Folgen der ersten Staffel ansehen und sich anschließend fragen, wo denn die Logik hinter den Charakteren sei und ob sie ihre Probleme nicht hätten sinnvoller lösen können. Andere wiederum werden versucht haben, sich in die Welt mit seinen harten Regeln hineinzuversetzen und verstehen zu wollen, welche Beweggründe es für bestimmte Handlungen der Charaktere gegeben haben mag. Letzteres ist meiner Ansicht nach die einzige Möglichkeit diese Serie zu betrachten und sie in Gänze zu verstehen. Man muss jede Szene hinterfragen und sie in den Gesamtzusammenhang von Geschichte und Welt setzen, so wie sie präsentiert wird und nicht aus unserer modernen Perspektive. Nur dann ist es möglich, die volle Tragweite der Vielschichtigkeit zu erkennen, die uns mit dieser unnachahmlichen Präzision präsentiert wird.

 

Ist das denn nun das finale Element, das die Faszination von „Game of Thrones“ ausmacht? Letzten Endes ist es ein Zusammenspiel aus allen Faktoren, die uns das Erlebnis beschert, das wir vor uns finden. Seien es der unheimliche Produktionsaufwand, die geschlossene sehr stimmige und eigene Welt von Westeros, die tiefgründigen Charaktere mit ihren Schwächen und Problemen, die verworrene, vielschichtige Handlung oder einfach nur die Inszenierung der Regeln dieser Welt. Alles hat seinen Preis in Form von Aufmerksamkeit verdient, die der Serie gewiss ist. Eines sei allerdings noch gesagt: Zarte Gemüter, die sich von Gewalt und harten Weltvorstellungen abschrecken lassen, ist von dem Einlegen der DVD/Blu-Ray dringend abgeraten! Zum einen aufgrund des möglichen Ekelfaktors, zum anderen würde das Verständnis für die Welt und ihre Zusammenhänge nicht den Effekt haben, den es verdient.

 

Fazit:

„Game of Thrones“ ist auf faszinierende Weise erschreckend gut inszeniert. Wie ein Sog verbreitet sich das Interesse an den Verwicklungen der Welt von Westeros und kann den Zuschauer nicht mehr loslassen, bis alle Folgen gesehen worden sind. Leider sind dies pro Staffel nur 10 Stück zu je 56min Spielzeit. Dennoch hat man das Gefühl, dass hier in der kurzen Zeit deutlich mehr geboten wird, als in manch anderer Serie nach vier kompletten Staffeln. Grund dafür ist die unheimlich präzise Szenenführung durch die Wirren der schwer durchschaubaren Handlung und die vielen Faktoren, die oben mehrfach genannt worden sind. Wenn man es sich also zutraut hintergründig zu denken und man sich von der vielen Härte der Serie nicht abschrecken lässt, so erwartet den Zuschauer ein Serienerlebnis der Extraklasse.

 

Persönliche Meinung:

Ich hatte zwischen den einzelnen Folgen der ersten Staffel mehrfach das Bedürfnis, die jeweils nächste Episode nicht mehr schauen zu wollen. Zu groß war die Angst davor, was den Charakteren, die man teilweise so lieb gewonnen hatte, als nächstes Schreckliches widerfahren mag. Keine der Figuren schien in irgendeiner Form sicher vor Tragödien oder todbringenden Fehlern zu sein, was mich sehr erschrocken hat. Gleichzeitig war dies in Verbindung mit der eindringlichen Darstellung der Welt der Hauptgrund weiterzuschauen. Zu gefesselt war ich von der Perfektion, die in allen Bereichen an den Tag gelegt wird, bis zu dem Punkt, an dem ich irgendwann besessen von dem Wunsch war, selbst eintauchen zu können, um alles gut werden zu lassen. Ich als Gutmensch und Idealist wollte unbedingt mein Happy End und Sicherheit für meine Lieblingscharaktere erzwingen! Aber genau das ist es, was Game of Thrones dem Zuschauer jetzt und auch in folgenden Staffeln nicht bieten wird. Und das ist auch gut so, sonst wäre die Faszination verraucht, bevor sie uns auf die nächste wirre Fahrt der Gefühle schickt.

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

 

Fakten Staffel 1 (2011):

Schöpfer/Drehbuch:  David Benioff, D.B. Weiss, George R.R. Martin

Romanvorlage:  George R.R. Martin

Darsteller:  Sean Bean, Lena Headey, Mark Addy, Emilia Clarke, Michelle Fairley, Kit Harrington, Alfie Allen, Peter Dinklage, Richard Madden, Nikolaj Coster-Waldau, Charles Dance

Releasetermin DVD/Blu Ray:  erhältlich

 

 

 

Quellen:  Internet Movie Database , Cinemagio.ro , theponyremark.com

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