Wir kaufen einen Zoo

 

Ein echter Wildpark oder nur die Atmosphäre eines Streichelzoos?

 

 

Lange hatte man nichts mehr von Regisseur und Drehbuchautor Cameron Crowe („Jerry Maguire“) gehört. Doch nun ist er nach knapp sieben Jahren mit einem neuen Film zurück, der sich deutlich von seinen bisherigen Werken abhebt. „Wir kaufen einen Zoo“ ist eine Familienkomödie, die versucht dramatische Elemente unterzumischen und dabei das amerikanische Grundprinzip des Selbstverwirklichens von Träumen in den Vordergrund hebt. Eine interessante Mischung, die gut funktionieren kann, wenn man in der Lage ist, sich darauf einzulassen.

 

 

Seit Autor Benjamin Mee (Matt Damon) vor sechs Monaten seine Frau verlor, ist sein Leben das absolute Chaos. Sein vierzehnjähriger Sohn Dylan (Colin Ford) verliert den Halt und rebelliert gegen jede Regel, während die siebenjährige Rosie (Maggie Elisabeth Jones) Verantwortungen im Haushalt übernimmt. Als Dylan schließlich von der Schule fliegt, beschließt Benjamin einen Neuanfang zu wagen. Sein Bruder Duncan (Thomas Haden Church) gibt ihm einige Lebensweisheiten mit auf den Weg, doch Benjamin hat seinen eigenen Kopf und kauft ein großes Anwesen einige Meilen auswärts der Stadt. Doch das traumhafte Grundstück hat einen großen Nachteil, da sich darauf ein Wildtierpark mit vielen Dutzend seltener, teils bedrohter Tierarten befindet, den es zu unterhalten gilt. Die wenigen verbliebenen Angestellten, darunter Tierpflegerin Kelly (Scarlett Johansson), kümmern sich zwar rührend um die Tiere, doch ist der Zoo äußerst renovierungsbedürftig und strotzt nur so vor Problemen. Benjamin investiert sein ganzes Geld in diesen neuen Traum und will für sich und seine Kinder ein neues zu Hause erschaffen. Ob ihm dies trotz finanzieller Probleme, Reibereien mit Sohn und Personal und dem noch nicht verarbeiteten Verlust seiner Frau, gelingen wird, darf der geneigte Zuschauer selbst erfahren.

 

„Wir kaufen einen Zoo“ unterscheidet sich sehr stark von bisherigen Projekten des Kultregisseurs Cameron Crowe. Wo „Jerry Maguire“ oder „Almost Famous“ noch große Probleme aufgeworfen und menschliche Abgründe in die Perspektive rückten, ist sein neues Werkt eher ein „Feel good movie“. Natürlich geht es auch hier darum entstandene Konflikte zu lösen, doch ist das alles äußerst vorhersehbar und man bekommt zu keinem Zeitpunkt des Films das Gefühl, dass letztlich etwas schief gehen könnte. Überraschungen sind entsprechend ebenso fehl am Platz wie eine vielschichtige Auswahl tiefgründiger Charaktere. Die drei Mitglieder der Familie Mee sind die einzigen, die tiefere Einblicke in Seelenqualen oder Charakterstärken gewähren.

 

Allen voran geht Matt Damon, der den verzweifelten Vater am Rande des Nervenzusammenbruchs hervorragend darstellt. Man kann ihm den tiefen Schock über den Tod seiner Frau, an dem er immer noch extrem leidet, deutlich anmerken. Die Probleme, die mit dieser Haltlosigkeit innerhalb der eigenen Familie einhergehen, sind sehr stark herausgearbeitet. Dies ist auch den beiden guten Jungdarstellern Colin Ford (Dylan) und der süßen Maggie Elisabeth Jones (Rosie) zu verdanken. Scarlett Johansson bildet in diesem Gebilde eigentlich nur noch die Krönung, da ihre Figur zwar nicht unwichtig ist, aber auch keinen tragenden Einfluss besitzt. Trotzdem ist es schön zu sehen, dass die Schauspielerin sich für diesen Charakter entschieden hat, um den Rollen der zwielichtigen „femme fatale“ ein wenig zu entkommen. Erwähnenswert ist zudem die Darstellung von Elle Fanning als kleiner Cousine von Kelly Foster, für die der Zoo einen Lebensinhalt darstellt und besonders Dylan Mee ins Herz schließt. Die beiden jungen Schauspieler wirken sehr vertraut miteinander und geben dem Film noch mehr Charme.

 

Eine weitere wichtige Rolle spielen die Tiere des „Rosemoor Animal Park“, da sie nicht nur der Grund für die vielen neuen Probleme der Familie sind, sondern auch den eigentlichen Mittelpunkt allen Geschehens darstellen. Da der Film auf einer wahren Begebenheit beruht, waren die Gehege und Sets an den Originalschauplätzen angelegt, was dem Film einen sehr authentischen Charakter verleiht. In einer Szene sind sogar die echten Kinder der Familie Mee zu sehen. Trotzdem kommen die Tiere zu knapp weg, da der Fokus ganz klar auf die menschlichen Problemen angelegt ist. Einige wenige Kameraschüsse reichen nicht, um die Faszination und Liebe, die die Mitarbeiter mit dem Park verbinden, so zu verdeutlichen, wie es augenscheinlich beabsichtigt war. Bei so vielen exotischen und faszinierenden Tieren, erscheint es fast als verschwendete Chance, sie nicht auch prägnanter in Szene zu setzen. Trotz dieses Problems kann man die Hingabe spüren, die die Filmemacher an diesen Ort gelegt haben, es wirkt einfach harmonisch. Das ist auch gleichzeitig das Hauptgefühl, das der Film an den Zuschauer heranträgt. Man kann einfach spüren, dass hier an allen Stellen mit viel Herz gearbeitet wurde, was dem Film sehr gut getan hat und ihm eine Seele verleiht, die man mit nach Hause nehmen möchte.

 

Eines ist „Wir kaufen einen Zoo“ leider nicht: Das tiefschürfende Drama, das es gerne wäre. Sicherlich besitzt der Film rührende Momente, in denen sensible Gemüter die eine oder andere Träne verdrücken werden, doch letztlich ist der Film sehr vorhersehbar. Die Darstellung der Traumverwirklichung einer amerikanischen Familie wirkt sehr klassisch nach Hollywood Prinzip und es ist schon fast erschreckend wie idealisiert die zweite Hälfte des Films hervorsticht. Er ist zudem recht ausschweifend, so dass man sich als Zuschauer gelegentlich etwas verloren fühlt, da der standardisierte Aufbau einer Komödie fehlt. Man muss sich an die Aneinanderreihung der Szenen gewöhnen, was über Teile des Films verwirrend ist, so dass unnötige Längen entstehen.

 

Fazit:

„Wir kaufen einen Zoo“ ist eine herzerwärmende Familienkomödie, die immer unterhaltsam und lustig ist, gelegentlich rührend und sogar ein Stück weit inspirierend. Aber auch nur, wenn man sich auf diesen idealisierenden Grundton des Films einlassen kann und einige Längen in Kauf nimmt. Die Darsteller wirken alle sehr sympathisch und harmonisch, die Tiere sind, wenn sie gezeigt werden, ebenfalls ein echter Hingucker. Auf DVD ist dieser Film sicherlich mehr als einen Blick wert, im Kino ist er primär für Leute gedacht, die gerne von einem anderen Leben träumen und sehr viel Herz besitzen.

 

Persönliche Meinung:

Ich bin ein klassischer Tagträumer, so dass der Film sehr gut für mich funktioniert hat. Zu sehen wie die Figuren ihre Probleme und Klüfte überwanden und zueinander fanden, hat mir viel Spaß gemacht und bei den rührenden Momenten hatte ich gar einen Kloß im Hals. Von daher hat er für mich viel richtig gemacht und ich werde ihn mir sicherlich auf DVD noch einmal ansehen. Eigentlich bin ich auch ein sehr positiver Mensch, doch selbst mir war die Idealisierung, die vor allem das letzte Vierteil des Films geprägt hat, zu viel des Guten. Wer also nach dem Anschauen des Films loszieht, um einen Zoo kaufen zugehen, der mag sich daran erinnern, dass ich ihn mit folgenden Worten hier und jetzt warne: So fantastisch perfekt wie in diesem Film geht nichts im echten Leben aus! Trotzdem ist es schön von Abenteuern, Liebe, Herz und Perfektion träumen zu können und das funktioniert mit diesem Film nahezu grenzenlos.

Rating: ★★★★★★★☆☆☆ 

 

Fakten:

Regie:  Cameron Crowe

Darsteller:  Matt Damon, Scarlett Johansson, Thomas Haden Church, Colin Ford, Maggie Elisabeth Jones, Elle Fanning, John Michael Higgins

Drehbuch/Story:  Cameron Crowe, Aline Brosh McKenna, Benjamin Mee

Deutscher Kinostart:  3. Mai 2012

 

 

Quellen:  Internet Movie Database , Box Office Mojo

 

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