Castle (Season 1-3)

 

Scharfsinn und Humor führen zum Mörder

 

 

Das Fernsehprogramm der USA umfasst eine unglaubliche Bandbreite an TV Serien, die untereinander um die Vorherrschaft buhlen. Gerade im Bereich der Krimiserien ist dieser Wettkampf gnadenlos, da der Mensch unheimlich gerne Geheimnisse enträtselt und das am liebsten mit Charakteren, die ihm sympathisch sind. „Castle“ gehört zu den erfolgreichsten Krimiformaten, weil es einige entscheidende Dinge anders macht, als die Konkurrenz und sich damit vom Einheitsbrei der Marke „CSI“ abhebt. Bei uns in Deutschland wird die Serie leider nur als Geheimtipp gesehen, was nicht der Qualität und Aufmerksamkeit entspricht, die sie eigentlich verdient hat. Daher wird es Zeit das Konzept dieser Krimidarstellung aufzurollen und zu zeigen, dass mehr hinter „Castle“ steckt, als nur eine weitere „Law & Order“ Kopie.

 

Richard Castle (Nathan Fillion) ist ein Bestseller Krimiautor, der das schöne und reiche Leben in vollen Zügen genießt. Gemeinsam mit seiner bodenständigen Tochter Alexis (Molly Quinn) und seiner exzentrischen Mutter Martha (Susan Sullivan) lebt er in einem Luxusapartment in New Yorks bester Gegend, von wo aus er einen Reißer nach dem anderen an das amerikanische Literaturpublikum weitergibt. Eines Tages wird er Teil einer Mordermittlung, als mehrere Menschen genau auf die Art getötet werden, wie er sie in seinen Büchern beschrieben hat. Geleitet wird die Ermittlung von Detective Kate Beckett (Stana Katic), einer hübschen und engagierten Polizistin, die sich von Castles Charme nicht im Geringsten beeindruckt zeigt. Castle ist so hingerissen von der kühlen Schönheit und ihrer hartnäckigen und intelligenten Art den Polizeijob zu erledigen, dass er kurzerhand seine Verbindungen nutzt, um sich als beratendes Element in Becketts Team einsetzen zu lassen. Dass diese Idee nicht auf Gegenliebe stößt, wird schnell klar, doch bald entpuppt sich der quer denkende Krimiautor als unschätzbares Mitglied des Ermittlungsteams. Vervollständigt wird jenes durch die helfenden Hände der Detectives Esposito (Jon Huertas) und Ryan (Seamus Dever), dem gutherzigen Cpt. Montgomery (Ruben Santiago-Hudson) und der unverblümten Gerichtsmedizinerin Lanie (Tamala Jones). Gemeinsam beginnen sie selbst die verwinkeltsten und verrücktesten Fälle aufzuklären, was nicht zuletzt auf die knisternde Chemie zwischen Castle und Beckett zurückzuführen ist, die sich nicht nur auf beruflicher Ebene zu entwickeln scheint.

 

Von Anfang an stellt sich einem potentiellen Zuschauer eine entscheidende Frage:  Was unterscheidet „Castle“ von all den anderen erfolgreichen Krimiserien, unter denen man auswählen kann. Das Konzept ist dem von „The Mentalist“ beispielsweise sehr ähnlich, doch besitzt Castle eine Leichtigkeit in sich, die es erfrischend macht, dem Treiben auf dem Bildschirm zu folgen. Es ist unabdingbar, dass sich diese Serie grundlegend selbst nicht zu ernst nimmt, mit einigen wenigen Ausnahmen. Dadurch wird es erst ermöglicht, dass eine schillernde Person wie Richard Castle einen Sinn in einem solchen Zusammenhang  bekommt, schließlich geht es immer noch um brutale Mordfälle. „Castle“ schafft es dabei niemals respektlos gegenüber den Verstorbenen rüberzukommen, sondern nimmt die Fälle sehr ernst, auch wenn das Gesamtkonzept einen lockeren Ton besitzt. Prinzipiell kann man es auf drei entscheidende Faktoren herunterbrechen, die das Geschehen erst zu dem Genuss machen, den wir vor uns finden.

 

1.  Die Fälle

Jedes Mal, wenn man als Zuschauer der Meinung ist, die Struktur der Kriminalfälle entschlüsselt zu haben, wird man erneut überrascht. Natürlich gibt es ein System hinter all dem, das man anwenden kann, um relativ schnell auf die Lösung zu kommen, jedoch sind die Motive und Hintergründe der Taten häufig sehr vielschichtig, so dass man die meiste Zeit eher im Dunkeln tappt. Die Schreiber der Serie haben sich viel Mühe gegeben, dem Zuschauer eine extrem ausgefallene Mixtur aus Mordtaten zu liefern, so dass es das eine oder andere Mal beinahe gar ins Bizarre ausartet. Doch auch das ist ein wichtiger Teil des Ganzen, sonst wären ein Querdenker wie Castle und eine intelligente Ermittlerin wie Beckett vollkommen glanzlos und unterfordert. Der Betrachter wird geschickt anhand von Hinweisen und Informationsschnipseln durch die Fälle manövriert, die die Charaktere zusammensetzen. Vielfach haben wir es gar mit ganz außergewöhnlichen Wendungen zu tun, wenn z.B. aus einem möglichen Mord zwischen zwei rivalisierenden Vogelbeobachtern plötzlich eine Kindesentführung mit Lösegeldforderung wird. Man wird dadurch durchgehend während der Folgen auf Trab gehalten und nur selten mit Offensichtlichkeiten belangt.

 

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Castle, Montgomery, Beckett und Ryan stehen zusammen im Revier, Ryan liest das Vorstrafenregister eines Kriminellen vor.

Ryan: „Diebstahl.“

Castle (zieht eine Grimasse): „Iiihhh.“

Ryan: „Körperverletzung.“

Castle: „aaaahhh.“

Ryan: „Dorgenhandel.“

Castle:  „ooohhh.“

Ryan:  „Angriff auf eine Politesse, als sie ihm einen Strafzettel verpassen wollte.“

Castle (plötzlich ernst):  „Das kann ich ihm nicht verübeln.“

Montgomery und Beckett (gleichzeitig):  „Vorsicht! Sachte, Castle!“


 2. Das Privatleben der Charaktere

Dies ist ein Aspekt von „Castle“, der in Staffel eins noch stark vernachlässigt, aber mit jeder weiteren Season immer wichtiger wird. Natürlich ist dabei Richard Castles Leben, mit seinen beiden Frauen zu Hause, im Zentrum des Geschehens. Beide weiblichen Charaktere bilden einen unschätzbaren Faktor an Rückhalt und Stabilität für ihn und zeigen uns einen sehr herzlichen Menschen, den man einfach, trotz seiner manchmal oberflächlichen Makel, lieben muss. Becketts Leben ist für die Serie ebenfalls sehr entscheidend, hier tritt aber eher ihre Vergangenheit in den Vordergrund, da sie über die Staffeln hinweg versucht, den verjährten Mord an ihrer Mutter aufzuklären, den sie noch nicht verwunden hat.  Mit der Zeit entwickelt sich aber auch noch ein viel weiteres Bild, da die Macher jeder einzelnen Figur ein eigenes Privatleben spendiert haben, das wir von Zeit zu Zeit zu Gesicht bekommen. Dadurch gewinnt die Serie sehr viel an Herz und Charme hinzu, da man sich auch gerne mit den Nebencharakteren beschäftigt und sie nicht nur als Informationsquelle hernimmt. Mir persönlich hat es z.B. Detective Ryan angetan, der mit seinem trockenen irischen Humor für so manchen Lacher gut war. Ein Privileg, das sonst nur Beckett und vor allem Castle für sich verbuchen können.

 

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Castle und Alexis sitzen auf dem Sofa. Alexis hat die Wahl zwischen einem Ausflug mit Freundinnen und dem Lernen für eine wichtige Prüfung, sie will beides nicht verpassen.

Castle: „Hast du dich inzwischen entschieden?“

Alexis: „Müsstest du als verantwortungsbewusster Erwachsener nicht darauf bestehen, dass ich hierbleibe und lerne?“

Castle (nachdenklich): „Möchtest du, dass ich das tue?“

Alexis setzt einen bittenden Blick auf, den Castle nicht ignorieren kann.

Castle: „Na schön. Ich verbiete dir hiermit mit deinen Freundinnen loszufahren, die Prüfungen sind wichtiger.“

Alexis fällt ihm um den Hals.

Alexis:  „Danke, Dad. Ich muss schnell Laura anrufen, um abzusagen.“

Castle (deutet auf sich selbst): „Bester Dad, ever!“


3. Die Romanze

Dass es zwischen Castle und Beckett mehr als knistert, merkt man bereits in der ersten Folge. Im Laufe der Staffeln wird dieser Faktor immer weiter getrieben und trägt einen wichtigen Bestandteil dazu bei, das Herz der Serie zu vervollständigen. Die toughe, hübsche Polizistin und der verrückte, charmante Krimiautor als Paar? Auf den ersten Blick ziemlich undenkbar, doch wenn man sich eine Staffel nach der anderen ansieht, wird man feststellen, dass die Chemie zwischen den Figuren einfach stimmig ist, selbst wenn sie es zunächst nicht einmal selbst bemerken. Der einzige Nachteil an dieser Romanze ist die nur sporadisch auftretende Sichtbarkeit außerhalb der Fälle. In manchen Folgen wird großen Wert hierdrauf gelegt, in anderen wiederum recht wenig, was einerseits schade für den Fluss  ist. Anderseits baut die Serie auf diese Spannung zwischen den Charakteren und eine frühe Erlösung wäre für den grundlegenden Leitfaden nicht sinnvoll, selbst wenn es irgendwann anfängt zu nerven, dass die zwei immer noch nicht zusammen sind. Ob und wann dieser Moment kommen mag, sei an dieser Stelle nicht verraten, aber die Weichen sind alle darauf eingestellt und der Freiraum der Drehbuchschreiber wird von Folge zu Folge geringer.

 

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Beckett betritt den Verhörraum, um einen Verdächtigen zu befragen, während Montgomery und Castle hinter der Scheibe zuschauen.

Montgomery:  „Sie ist wie eine Tigerin da drin, ich werde nie müde ihr dabei zuzusehen.“

Castle (mit einem Lächeln auf den Lippen): „Ich auch nicht“

Wenn man diese drei zentralen Elemente von „Castle“ nun zusammenführt, sie mit einer gehörigen Portion Leichtigkeit und sprühendem Humor mixt und die Mengen an Charme und Herz erkennt, dann ist man auf dem richtigen Weg die Serie zu verstehen. Natürlich gibt es auch Schattenseiten, schließlich geht sie keinen innovativen neuen Weg im Genre. So mancher Fall wirkt zudem zu extrem überzeichnet, beispielsweise die Doppelfolge mit der „schmutzigen Bombe“, und will einfach zu viel, anstatt bei der auszeichnenden Bodenständigkeit zu bleiben. Auch die Romanze zwischen Rick und Kate könnte etwas mehr Schwung vertragen, selbst wenn Romantiker wie ich auch schon mit kleinen Momenten zufrieden sind, vor allem da die Schauspieler eine sehr starke Leistung an den Tag legen. Letztlich liegt alles im Auge des Betrachters und seiner Art die Serie anzuschauen. Es gibt eigentlich nur eine Grundvoraussetzung, die man beachten muss: Man darf „Castle“ um Gottes Willen nicht als Wiederspiegelung von Realität oder als todernste Krimiserie betrachten. Hat man sich einmal damit abgefunden und mit der Leichtigkeit der Serie angefreundet, erwartet den Zuschauer reinste Unterhaltung.

 

Fazit:

„Castle“ ist unheimlich witzig und unterhaltsam, manchmal nachdenklich, dramatisch und geheimnisvoll, aber immer voller Leben. Und damit meine ich nicht nur die Serie allgemein, sondern auch ihre Hauptfigur, die den Zuschauer mit seinem jungenhaften Charme in Windeseile um den Finger wickelt. Hat man einmal die Spur der Serie aufgenommen, möchte man nicht mehr aufhören, bevor man genau weiß, was zwischen den Charakteren passiert und wie der nächste verrückte Fall aussieht. Das Fernsehen wird auch so schon genug von Ernsthaftigkeit durchspült, da ist es sehr angenehm mal eine Krimiserie vor sich zu haben, die sich nicht vollständig darauf fixiert, sondern eine grundlegende Leichtigkeit an den Tag legt und mit viel Humor und Charme aufarbeitet. Die sympathischen Charaktere, interessanten Fälle und der sprühende Humor sind es, die Castle vom Rest des Gefolges abheben und zu etwas Besonderem innerhalb eines ausufernden Genres machen. Von daher meine Proklamation:  „Castle“ ist mehr als ein Geheimtipp, solange man die goldene Regel jeder Serie einhält, nämlich niemals quer einzusteigen, sondern immer bei Folge eins der ersten Staffel zu beginnen.

 

Persönliche Meinung:

Wenn man Menschen befragt, welche Berühmtheit aus einem Film sie gerne wären, bekommt man Antworten wie „Indiana Jones“ oder „John McClane“. Nicht so bei mir, ich will Rick Castle sein! Erfolgreicher Autor, eine herzliche Familie und eine der heißesten Polizistinnen, die jemals eine Krimiserie betreten haben, an meiner Seite, was will ich mehr? Ok, ich bin nicht Rick Castle, aber die Art wie er dieser Serie den nötigen Schwung verleiht, vor allem im Zusammenspiel mit seiner kongenialen Partnerin, ist einfach nur erfrischend anders. Ich hatte so viel Spaß daran die ersten drei Staffeln durchzusehen, dass ich es nach dem dramatischen Finale in Staffel 3, kaum erwarten kann, bis die Sommerpause rum ist und die vierte Staffel zu Ende ausgestrahlt wird, damit sie endlich auf DVD erscheint. Bis dahin werde ich einfach die ersten drei Staffeln noch einmal von vorne beginnen, diesmal in der englischen Originalfassung, die noch einmal deutlich besser sein soll. Denn eine Sache kann ich nur schwer vertragen, wenn es um Serien geht, die mir am Herzen liegen: Cliffhanger! Muss…wissen…aaaarghh!

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

 

Fakten:

Schöpfer:  Andrew W. Marlowe

Darsteller:  Nathan Fillion, Stana Katic, Susan Sullivan, Molly Quinn, Seamus Dever, Tamala Jones, Jon Huertas, Ruben Santiago-Hudson

Release:  Staffeln 1-3 auf DVD erhältlich; Staffel 4 läuft derzeit im deutschen Fernsehen (Sommerpause); Staffel 5 ist zur Hälfte in den USA gesendet

 

 

Quellen:  Internet Movie Database, media-screend.com, images.buddytv.com, insanityworkoutdvdset.com, areyouscreening.com, serienfieber.tv

GD Star Rating
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Castle (Season 1-3), 8.0 out of 10 based on 2 ratings


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