Rock of Ages

 

Rock is back!

 

 

Nur selten gelingt es einem Regisseur eine derartige Starpower auf die Leinwand zu bringen, wie es Adam Shankman (Hairspray) bei Rock of Ages vollbringt. Er hat sich eines der enttäuschendsten Broadway Musicals vorgenommen, um daraus mit Hilfe seiner hochkarätigen Darsteller eine echte Offenbarung der Musicalverfilmungen zu schaffen. In den USA ist der Film ein enormer Flop geworden, teilweise wurde er gar verrissen und in Deutschland wurde er von der Fußball EM vollkommen überrollt. Doch hat er das wirklich verdient oder war es einfach nur unglückliche Vorzeichen? Schlüsseln wir gemeinsam die Stärken und Schwächen dieser Adaption auf, um ein klareres Bild vom Fall Rock of Ages zu bekommen.

 

Wir schreiben das Jahr 1987 in Hollywood, die großen Zeiten des Rock scheinen der Vergangenheit anzugehören, wie man am langsamen Verfall des klassischen Rock Clubs „Bourbon Room“ erkennt. Die Bar, geleitet von Besitzer Dennis (Alec Baldwin) und Assistent Lonny (Russell Brand), braucht dringend einen neuen Schub, bevor sie endgültig dem Untergang geweiht ist und vom ultrakonservativen Bürgermeisterkandidat Mike Whitmore (Bryan Cranston) und seiner dominanten Ehefrau Patricia (Catherine Zeta-Jones) vernichtet werden kann. Drew (Diego Boneta) arbeitet ebenfalls im Bourbon Room und steckt voller Pläne und Träume, die er auf der Bühne verwirklichen will. Ebenso Sherrie (Julianne Hough), ein Landei aus Oklahoma, die gerade in L.A. angekommen ist und schnell ihrer Naivität in der Stadt der Träume beraubt wird. In der Bar findet sie Arbeit und entdeckt ihre Liebe zu Barmann Drew, die mehr als eine Probe bestehen muss. Es gibt nur einen einzigen Menschen, der den „Bourbon Room“ jetzt noch retten kann: Stacee Jaxx (Tom Cruise), Frontmann einer der größten Rockbands aller Zeiten. Er soll ein einzigartiges Konzert spielen, doch schnell wird klar, dass Stacee scheinbar jeden Bezug zur Realität verloren hat und nur noch für Alkohol und Sex zu leben scheint, was ihm sein schmieriger Manager Paul (Paul Giamatti) nur zu gerne besorgt. Und so entsteht ein wildes Gewirr aus menschlichen Beziehungen, in die auch noch eine verklemmte Reporterin (Malin Akerman) und eine Striplokal Besitzerin (Mary J. Blige) eingreifen, bis letztlich jeder einen Weg findet, seine Träume zu verwirklichen oder auf der Strecke bleibt.

 

Eines wird gleich von der ersten Szene an klar, wenn Rock of Ages in einer harmlos erscheinen Busszene startet: Man muss Musicals mögen, um mit diesem Film warm zu werden. Es wird sehr viel gesungen und getanzt, die Szenen sind inszenierte Shows, die den Zuschauer entweder mitreißen oder kalt lassen. Man darf diesen Film nicht mit der Prämisse anschauen, einen normalen Kinofilm mit glatter Story und Dialogen zu bekommen. Shankman stellt von der ersten Minute an klar, dass es sich wirklich um ein Musical handelt, mit all seinen Stereotypen, Extremen und bombastischen, szenischen Darstellungen. Wer damit nicht klar kommt, sollte von vorne herein von einem Kinobesuch absehen. Alle anderen werden gleich in der Busszene vom ersten Song gefangen genommen und nur an ganz wenigen Stellen wieder aus den Fängen des Rock entgelassen. Denn genau das ist die große Stärke von Rock of Ages:  großartige, vollkommen überdrehte Atmosphäre, die von Szenerie und Darstellern sehr gut auf den Zuschauer übertragen wird.

 

Bei diesem Ensemble muss man zwangsläufig auf die Charaktere und Darsteller eingehen, die einen Großteil des Charmes ausmachen. Im Zentrum stehen natürlich Sherrie und Drew, deren Liebesgeschichte einen gewichtigen Teil ausmacht. Beide Charaktere sind sehr sympathisch und man gönnt ihnen ihr Glück, trotz einiger seltsamer „Umwege“, was sie aber bei einer Szene sogar selbst wieder ironisieren und somit den Grundton des Films treffen.

 

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Sherrie: „I’m a stripper.“

Drew: „I’m in a boy band.“

Sherrie (nach kurzer Pause): „Ok, you win.“

 

Julianne Hough und Diego Boneta sind die einzigen Namen, die nicht zwingend bekannt vorkommen, wenn man sich die Besetzungsliste vor Augen führt. Trotzdem machen beide eine ordentliche Figur, mit einigen wenigen Abstrichen. Hough ist eigentlich professionelle Tänzerin und kann mit ihrer Stimme nicht wirklich groß punkten, dafür bringt sie viel weiblichen Sex Appeal mit. Boneta hingegen ist stimmlich deutlich stärker, kommt aber etwas gekünstelt rüber und strahlt eher eine Art Bübchencharme aus, als den eines Rockstars. Eine wichtige zentrale Figur ist Barbesitzer Dennis, der nicht nur den „Bourbon Room“ als den Rock Club schlechthin präsentiert, sondern auch den Rock vergangener Tage symbolisiert. Alec Baldwin meistert diese Aufgabe mit viel Ironie und Charme, auch wenn seine Singstimme nicht der Rede wert ist. Ähnliches gilt für den durchgeknallten Russell Brand, der in erster Linie für den Humor des Films sorgt, was ihm vor Allem in der englischen Fassung hervorragend gelingt. Letztlich ist da noch Paul Giamatti als schmieriger Agent, den man von der ersten Sekunde an nicht leiden kann, was sich bis zum Abspann auch nicht mehr groß ändert. Bei so einer großen Runde exklusiver Schauspieler und Figuren muss zwangsläufig Einiges untergehen, sonst wäre der Film viel zu überladen. In diesem Fall sind es Bryan Cranston und Catherine Zeta-Jones als konservatives Paar, die zwar ihre kleinen Momente besitzen, aber letztlich völlig uninteressant erscheinen. Es fehlen einfach der Sinn hinter ihren Figuren und der nachdrückliche Zweck, den sie mit ihrer Kampagne der großen Worte erreichen wollen, um sie sinnvoll in die Geschichte eingliedern zu können. Ähnliches gilt leider auch für Mary J. Blige als Striplokal Besitzerin. Rock of Ages besitzt nicht nur eine Mentorfigur, so wie normale Filme, sondern gleich drei (Barbesitzer Dennis, Stacee Jaxx und eben Charlier), was zwangsläufig zur Ausgrenzung einer der Figuren führen muss.

 

Doch all diese Starpower wird von einer Figur beinahe in den Schatten gestellt: Tom Cruise als Rock Gott Stacee Jaxx. Es ist unglaublich unterhaltsam die Entwicklung des abgewrackten Rockstars zurück zu einer Form von realem Bewusstsein zu erleben. Während des Films hat man des Öfteren große Angst, dass Stacee den Bezug zum Realen nun endgültig verlieren würde und nicht einmal mehr aufstehen könne, doch er schafft es immer wieder und überrascht den Zuschauer.

 

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Stacee Jaxx (zeigt auf seinen Kopf): „I know me better then anyone… because I live here… and nobody else can.“

 

Letztlich wird eines sehr deutlich: Stacee Jaxx hat als einzige Figur in dem ganzen Ensemble tatsächlich den echten Durchblick und steht mehr in der Realität, als jeder andere, so seltsam das klingen mag. Diese vielen Momente, in denen er vollkommen verdreht rüberkommt, sind gleichzeitig auch die seiner größten Weisheiten und Erkenntnisse, wenn man sie richtig zu lesen vermag.

 

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Stacee Jaxx (zu Constance): „Well let me ask you this, have those people even met themselves?“

 

Das einzige Problem bei Stacee Jaxx ist seine Gleichgültigkeit, die er sich geschaffen hat, um den Erlebnissen seiner Vergangenheit entfliehen zu können. Doch selbst diese Schale scheint zu bröckeln, als er Constance Sack kennen lernt und von der verklemmten Reporterin vollkommen fasziniert ist. Malin Akerman erweist sich als würdige Partnerin zu Tom Cruise und sie teilen einige echt verrückte Momente, die uns näher an das Mysterium Stacee Jaxx führen. Wer hätte vor diesem Film gedacht, dass Tom Cruise sich freiwillig zu einem vom Leben gezeichneten, vollkommen zugedröhnten Rockstar herablassen würde und zusätzlich auch noch passabel singen kann? Man mag von ihm als Mensch halten was man möchte, als Schauspieler macht er in Rock of Ages einen grandiosen Job und drückt dem Film seinen persönlichen Stempel auf.

 

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Stacee Jaxx: „You can’t trap the fire phoenix. I mean…. that’d be crazy, right?“

 

Natürlich ist Rock of Ages kein tiefgründiges Meisterwerk, das will es auch gar nicht sein. Die Story ist flach, die Charaktere stereotypisch langweilig, mit der Ausnahme von Stacee und Constance, das Setting gewöhnungsbedürftig, wenn man von den 80er Jahren keine Ahnung hat und man muss mit einigen unnötigen Längen leben, vor allem im Übergang zum dritten Akt. Die gute Nachricht jedoch ist, dass das alles kaum eine Rolle spielt, da der Film einfach nur unheimlich viel Spaß macht. Die Songs sind eingängig, die meisten kann man problemlos mitsingen, ohne das originale Musical jemals gesehen zu haben. Man findet Rock Klassiker wie Wanted Dead or Alive, Rock you like a hurricane, Juke Box Hero, Don’t stop believing uvm. Es geht um den Spaß, die fetzig inszenierten Choreographien, die unterhaltsamen Szenen im „Bourbon Room“, das Tempo der Entwicklungen und um Stacee Jaxx in seiner ganzen satirischen Breite. Und davon kriegt man mehr als genug, um über zwei Stunden lang perfekt unterhalten zu werden.

 

Fazit: 

Es macht einfach Spaß Rock of Ages anzuschauen! Es gibt kein wichtigeres Kriterium für eine Musical Adaption, die Wert darauf legt, den Menschen das Genre noch näher zu bringen. Der Film ist nämlich nicht nur eine Hommage an die Musicals der Neuzeit, sondern auch gleichzeitig eine handfeste Satire, die die standardisierten Extreme noch weiter treibt und sie uns bloßlegt. Mindestens zwei der folgenden drei Fakten müssen erfüllt sein, um an Rock of Ages Spaß zu haben:  Musicalfan, kein Problem mit Singen und Tanzen in Filmen und Rock der 80er Jahre. Genau das ist aber auch, was den Film so unberechenbar auf dem Kinomarkt gemacht hat und schließlich floppen ließ. Entweder man liebt Rock of Ages oder man kann es nicht ausstehen, es gibt keinen Mittelweg. Jeder der sich allerdings auf lockere und unterhaltsame zwei Stunden einlassen kann, in denen er einfach nur mal abschalten möchte und in eine skurrile Welt eintauchen kann, der ist hier genau richtig aufgehoben.

 

Persönliche Meinung:

Stacee Jaxx war für mich das Highlight des Films, da ich mir seine Szenen auf zwei verschiedenen Ebenen anschauen musste, um ihn durchschauen zu können, vor allem, da sie im starken Kontrast zum restlichen eindimensionalen Film stehen. Insgesamt bewegt sich der Film auf einem gefährlichen Grat zwischen überdrehten, extremen und unnötigen Elementen, die eher stören und in die Länge ziehen. Für mich hat er eindeutig im positiven Sinne gewonnen, was nicht nur Tom Cruise zu verdanken ist, sondern auch dem Thema des Rock, der Musik, den schön arrangierten Songs und den meisten der restlichen Darsteller. Russell Brand und Malin Akerman gehörten zu meinen weiteren Favoriten, über die ich mich hervorragend amüsieren konnte. Und natürlich darf „Hey man“ nicht unerwähnt bleiben, Stacees frei laufender Pavian, der ihn nicht nur mit Alkohol versorgt, sondern auch eine Art Bodyguard mimt, was einfach nur urkomisch ist. Meine persönliche Lieblingsszene ist die letzte Zusammenkunft von Paul mit Stacee und „Hey man“, die unerwarteterweise nicht mit einem Weinregen endet, sondern mit Scotch „begossen“ wird. Einfach nur köstlich! Man muss sich öffnen und den Film auf sich wirken lassen, wenn man ihn mögen möchte, aber das ist genau die Art wie ich Filme schaue, so dass Rock of Ages für mich hervorragend funktioniert hat. Aber es ist gut verständlich, wenn Menschen das Kino verlassen und wenig begeistert waren, schließlich spaltet diese Adaption das Publikum, genau wie es Filme der Extreme und der Satire immer tun. Wenn ihr die Chance habt, dann schaut euch den Film bitte auf Englisch an, die deutsche Version verliert unglaublich an Atmosphäre und Flair!

Rating: ★★★★★★★☆☆☆ 

 

Fakten:

Regie:   Adam Shankman

Darsteller:  Julianne Hough, Diego Boneta, Tom Cruise, Alec Baldwin, Russell Brand, Malin Akerman, Mary J. Blige, Catherine Zeta-Jones, Bryan Cranston, Paul Giamatti

Budget:  $75Mio.

Deutscher Kinostart:  14. Juni 2012

 

 

Quellen:  Box Office Mojo, Internet Movie Database, Warnerbros.com

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Rock of Ages, 7.5 out of 10 based on 2 ratings


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Eine Antwort to “Rock of Ages”

  1. Verena sagt:

    Diesen Film kann ich mir unzählige Male anschauen, ohne ihn langweilig zu finden. Die Geschichte ist nicht tiefschürfend, die Musik dafür ist legendär.
    Ich habe mich im Kino unfassbar gut amüsiert, Stacee Jaxx ist der Knaller.
    Mein persönlicher Lieblingscharakter allerdings war die Rolle des „Lonnie“, gespielt von Russell Brand. Durch den britischen Akzent wirkte er noch bekloppter, herrlich!!
    Der Film verbreitet Ohrwürmer und gute Laune und viel mehr braucht es meiner Meinung auch nicht, um ihn gut zu finden!!

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