James Bond 007 – Skyfall

 

James Bond feiert seine Wiederauferstehung!

 

 

Beinahe wäre der 23te James Bond Film niemals in die Kinos gekommen, da die Inhaber der Rechte „Metro Goldwyn Mayer“ (MGM) insolvent gingen und nur über Zweitfinanzierungen gerettet werden konnten. Ein ähnliches Schicksal blühte auch „The Hobbit“, dessen Rechte ebenfalls bei MGM liegen. Nachdem „Sony/Time Warner“ einen Großteil der Finanzierung übernommen hatte, konnten die Dreharbeiten beginnen und der berühmteste Agent der Welt kehrt zurück auf Leinwand. Im Regiestuhl nahm diesmal Sam Mendes (American Beauty, Road to Perdition) Platz, der eine ganze Reihe neuer Stars für die geplante Wiederbelebung verpflichten konnte. Würde es ihm gelingen der Serie neues Leben einhauchen, nachdem der Vorgängerfilm Quantum of Solace als einer der schlechtesten Bonds aller Zeit angesehen wird? Die Antwort ist so simpel wie deutlich: JA!

 

 

Der MI:6 steckt in einer tiefen Krise. James Bond (Daniel Craig) und seine Kollegin Eve (Naomie Harris) haben es verpasst, eine brisante Liste mit den Identitäten aller Geheimagenten der Welt, die sich im Undercover Einsatz befinden, wiederzubeschaffen. Bond bleibt nach dem Einsatz verschollen und wird für Tod erklärt. M (Judi Dench) muss für den Vorfall gerade stehen, wird aber schnell selbst zum Ziel eines Terroranschlages. Der Geheimdienst muss sein Hauptquartier in den Untergrund verlegen, wo M mit Hilfe des Sicherheitsbeauftragten Gareth Mallory (Ralph Fiennes) und dem Wissenschaftler Q  (Ben Whishaw) versucht, die Identität der Terrorgruppe aufdecken. Bond kehrt, mehr tot als lebendig, zurück in den Einsatz und muss die Dinge in die Hand nehmen. Schnell identifiziert er mit Hilfe der schönen Severine (Bérénice Marlohe) den Urheber allen Übels, den ehemaligen Geheimagenten Silva (Javier Bardem), der noch eine persönliche Rechnung mit M offen hat. Jetzt muss er schnell handeln, um seine Mentorin zu beschützen und gleichzeitig der Bedrohung Herr zu werden.

 

Die größte Kritik, die die letzten beiden Bond-Filme mit Daniel Craig begleitet hatte, war der mangelnde Bezug zum charmanten Lebemann, den seine Vorgänger noch repräsentiert hatten. Stattdessen wird uns ein harter, kaltschnäuziger Draufgänger dargestellt, der ohne Gewissen seine Aufgaben erledigt. Daran mussten sich die Kenner der alten Filme erst einmal gewöhnen und viele haben vor vorneherein mit dieser Umstellung nicht leben können. Das Bild des neuen Bond war für die neue Generation von Kinogängern entworfen worden, die es mit Freuden annahmen und die Kinos stürmten. Skyfall ist der Mittelweg der Serie, auf den jeder gewartet hat. Er verbindet gute alte Agentenmanier, die James Bond immer ausgemacht hat, mit der neuen Kaltschnäuzigkeit, die Daniel Craig so hervorragend darstellt. Der Film ist die Kurve, die so lange angestrebt und mit den beiden Vorgängern vorbereitet worden war, um am Ende genau an der Stelle zu sein, an der Sean Connery, Roger Moore oder Pierce Brosnan damals angefangen haben.

 

Die Besetzung ist erwartungsgemäß großartig, so dass man sich schauspielerisch in keiner Form beschweren kann. Daniel Craig wirkt gewohnt lässig mit einer großen Prise Unruhe in den Augen. Dennoch kann man ihm, im Gegensatz zum letzten Film, deutlich besser seine Prioritäten und Zuneigungen anmerken. Er zieht damit eine Parallelität zu seiner neuen Waffe:

 

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Q:  „Weniger eine willkürliche Mordmaschine, mehr ein persönliches Statement.“

 

Auch die Zahl der Bond-Girls scheint in jedem Film weiter zu wachsen. In diesem Fall haben wir Naomie Harris, die einen Hauch Exotik mit ins Spiel bringt und die Französin Bérénice Marlohe, die für den Hauptanteil an Sexappeal zuständig ist. Beide Rollen zeichnen sich durch gelegentliche, wenn auch im Vorgänger-Vergleich deutlich geringere, Präsenz aus, besitzen aber keinerlei schwerwiegenden Einfluss. Ganz im Gegensatz dazu ist dieses Mal die Rolle der M sehr viel wichtiger und tragender, so dass man sie, auf rein platonischer Ebene natürlich, fast schon als drittes Bond-Girl ansehen kann. Judi Dench besitzt sehr viel Leinwandzeit und muss sich ihrer Haut erwehren, was sie mit ihrer alleinigen Präsenz problemlos schafft. Zeitweise hat man gar das Gefühl, dass Bond nur eine Nebenfigur darstellt. Die beiden neuen Figuren in den Reihen des MI:6 werden von dem allseits bekannten Ralph Fiennes und dem Newcomer Ben Whishaw (Das Parfüm, Cloud Atlas) bestens präsentiert. Mit dem neuen Aspekt des Cyber-Terrorismus, der nun auch endlich Einzug in die Bond Welt hält, bekommt der Tüftler Q eine völlig neue, tragende Seite. Weniger Spielzeug, mehr direkte Unterstützung, was sich als gelungene Erweiterung gut ins Spiel bringt.

 

Es gibt jedoch eine Figur, die man besonders erwähnen muss, da sie vor allem diesen unbedingten Willen der Macher wiederspiegelt, James Bond wieder an alte Konzepte anknüpfen zu lassen. Oscar-Preisträger Javier Bardem spielt Silva, den eiskalten Bösewicht des Films, der mit enormen Hass und Zielstrebigkeit auf die vollkommene Destruktion des MI:6 und Ms hinauswill. Die Geschichte, die hinter Silva steckt und seine Art, erinnern enorm an die Bösewichte vergangener Tage. Sie waren immer mit einer Form von Wahnsinn ausgestattet, den man ihnen schon im Gang oder der allgemeinen Körperbewegung ansehen konnte und der sich in allen möglichen gnadenlosen Ausprägungen zeigt. Das Wortduell zwischen Bond und Silva auf der Ruineninsel gehört mit zu den kultigsten Dialogen der Bondgeschichte. Durch diese Form von Gegner entsteht ein wunderbarer Flair aus vergangener Tradition, dem neu eingeführten Cyberterrorismus und dem, was in unserer Generation einen Geheimagenten ausmacht. Die schauspielerische Darstellung des metrosexuellen Silva ist dabei die Krönung des Ganzen.

 

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James:  „Jeder braucht ein Hobby.“

Silva:  „Und was ist ihr’s?“

James:  „Auferstehung.“

 

 

Bleibt nur noch eine große Frage offen: Gibt es auch Kritikpunkte am neuen Bond? Ja, es gibt sie, aber bleiben sie auf banaler Ebene. An mancher Stelle existieren Logiklücken, bei der so mancher Kinobesucher die Nase rümpfen wird. Auch der Umgang mit den Bond-Girls hat sich in meinen Augen in den Craig-Filmen sehr negativ entwickelt und wird in Skyfall nicht besser. Ansonsten gibt es nicht viel zu bemängeln, die Settings sind wunderschön, die Action gewohnt präzise und die Figuren stimmig. Die Story ist wie in jedem Bond immer etwas gewöhnungsbedürftig, aber letztlich ist sie nicht das Zentrum der Bemühungen. Der Zuschauer möchte einen zielstrebigen Agenten sehen, großartige, spektakuläre Action erleben und einen Hauch James Bond-Flair spüren, was hervorragend gelingt.

 

Fazit:

Die Bond-Reihe wurde erfolgreich wiederbelebt, wobei das eigentlich noch eine Untertreibung ist, da die Steigerung zu seinem Vorgänger enorm ausfällt. Es stimmt nahezu alles an diesem Film, der berühmteste Agent der Welt hat es tatsächlich wieder geschafft seine Spitzenposition einzunehmen. Und das nicht nur im Filmischen, sondern auch im Finanziellen scheint er Jason Bourne auszumanövrieren. James Bond Fans werden in jedem Fall viel Freude an dieser neuen Adaption ihrer Lieblingsreihe haben und auch Action Fanatiker kommen auf ihre Kosten. Denn genau das ist das Schöne an Skyfall:  Es fühlt sich an wie ein Agentenfilm, bietet die Action eines Thrillers und die Wiederentdeckung von Altgeliebtem.

 

Persönliche Meinung:

Ich hatte zweifellos viel Spaß an Skyfall, die Zeit ging schneller herum, als ich wegen der Überlänge vermutet hatte. Es war zwar etwas befremdlich, als James nach erst zwei Filmen im HQ des MI:6 als „altes Eisen“ bezeichnet wird, doch genau das ist gewesen, was mich letztlich von der Qualität überzeugt hat. Der Film spielt mit dem alten Bond-Gedanken und bringt ihn harmonisch in diese neue Agentenwelt ein, die unsere Generation erwartet. Das ist auch das größte Ziel, das der Film erreicht, dadurch setzt er starke Weichen in Richtung zukünftiger Bond-Filme. Alles in allem ein sehr unterhaltsamer, packender Agententhriller, der die verloren geglaubte Reihe wieder aus der Traufe hebt. Ich persönlich war von der Bourne Reihe überzeugter, weil sie eher meiner Vorstellung eines Agentenfilms entspricht, aber man muss Skyfall so oder so großen Respekt zollen. Sehr empfehlenswert für jeden Kinogänger!

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

 

Fakten:

Regie:  Sam Mendes

Darsteller:  Daniel Craig, Judi Dench, Javier Bardem, Naomie Harris, Bérénice Marlohe, Ben Whishaw, Ralph Fiennes

Soundtrack:  Thomas Newman

Budget:  $200Mio.

Deutscher Kinostart:  1. November 2012

 

 

Quellen:  Internet Movie Database, Box Office Mojo, dmoviereview.com

 

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