Der Hobbit – Eine unerwartete Reise

 

Rückkehr nach Mittelerde!

 

 

Endlich ist es soweit, das Ereignis, auf das alle Fantasy Fans sehnlichst gewartet haben, ist eingetreten: Der erste Teil der Hobbit Saga hat die Kinos erreicht. Es war ein langer Kampf bis dahin, angefangen von Geldproblemen bis hin zum kurzfristigen Wechsel des Regisseurs. Doch letztlich setzte sich das Verlangen nach einer weiteren Reise in die phantastische Welt von Mittelerde durch und die Kinobesucher dürfen sich auf eine weitere Trilogie unter der Regie von Peter Jackson freuen. Die Trilogie ist dabei nicht nur in 3D gefilmt, sondern besitzt noch eine weitere Neuerung im Bereich der Technik, die sogenannte HFR (High Frame Rate), auf die ich später noch einmal genauer eingehen werde. Bleibt eigentlich nur noch die Frage, ob Der Hobbit mit seiner 10 Jahre alten Konkurrenz mithalten kann, oder um Gleichstellung ringen muss.

 

 

Bilbo Beutlin (Martin Freeman) ist durch und durch ein echter Hobbit. Ihm steht weder der Sinn nach Veränderung, noch nach Abenteuern, wenn er doch stattdessen auf seiner Lieblingsbank seine Pfeife rauchen kann. Das ändert sich allerdings schlagartig, als der Zauberer Gandalf (Ian McKellen) vor seinem Lieblingsplatz auftaucht und am Abend dreizehn unangemeldete und sehr hungrige Zwerge vor seiner Tür stehen, die ihm die Haare vom Kopf fressen. Die Zwerge haben es sich zur Mission gemacht ihre Heimat, den uralten Berg Erebor, zurückzuerobern, der vor vielen Jahrzehnten von dem Drachen Smaug angegriffen und eingenommen wurde. Das Zwergenvolk war seiner Heimat beraubt worden und die unermesslichen Schätze des Reiches blieben die Beute des Drachen. Anführer der Truppe ist der charismatische Zwerg Thorin Eichenschild (Richard Armitage), Thronerbe der Zwerge. Bilbo meint sich verhört zu haben, als Gandalf ihn zum vierzehnten Mitglied der Expedition machen will und die Zwerge ihm einen Vertrag unter die Nase halten. Als schließlich sein Entdeckerinstinkt siegt und er nach langer Weigerung einwilligt, weiß er selbst nicht, welche Rolle er in der ganzen Sache spielen soll. Doch die Mission der Zwerge bleibt nicht unentdeckt und bald schon sind ihnen Orks und Trolle auf den Fersen, um sie aufzuhalten. In Mittelerde regt sich aber noch eine weitere Macht und die Gefährten können die aufziehende Dunkelheit bereits spüren. Tief in den Stollen des Nebelgebirges schließlich, als Bilbo von seinen Freunden getrennt vor sich hin irrt, geschieht das Ereignis, das alles verändern sollte.

 

Peter Jacksons Aufgabe mit dem ersten Teil des Hobbits war es, einen Weg zu finden, unwissende Zuschauer aufzuklären, alten Hasen Wiedererkennungswerte zu schaffen und gleichzeitig etwas Neues und Interessantes zu bieten, das sich so nah wie möglich am Buch orientiert. Diese Mission ist ihm hervorragend gelungen, um das direkt vorweg zu nehmen, aber er zahlt er dafür einen Preis. Der Film lässt sich unglaublich viel Zeit mit der Exposition und kommt zunächst nur sehr schleppend in Schwung. Für Fanatsy Fans ist dieser Part ein Hochgenuss, für Liebhaber opulenter Action ist es einfach langweilig. Gleichzeitig dient dieser sehr lange Vorspann aber auch dazu, den Zuschauer für die neue Technik zu sensibilisieren, die sich sehr gewöhnungsbedürftig darbietet. Von daher ist es ein zweischneidiges Schwert, das jeder für sich selbst drehen muss. Der Hobbit ist als Ganzes eine große Einleitung für die kommenden beiden Filme, die die verschiedenen Stränge zu einem großen Erlebnis zusammenkommen lassen werden. Es werden Grundlagen gelegt, die unerlässlich sind, auch wenn sie bisweilen etwas unsinnig vorkommen, da sie keinerlei wichtige Rolle im aktuellen Film spielen. Immer wieder beehren uns Rückblicke auf die Geschichte der Zwerge, die verbunden werden mit aktuellen Geschehnissen, die wiederum auf die Handlung des Herrn der Ringe hinauslaufen werden. Kenner der Filme oder Bücher werden sich wie zu Hause fühlen, alle anderen könnten etwas im Regen stehen, da sie viele der Zusammenhänge schlicht verpassen. Kein Mensch weiß, was eine Morgulklinge oder der Hexenkönig von Angmar sind, um zwei Beispiele zu nennen, da es nicht weiter erklärt und erst im Herrn der Ringe interessant wird.

 

Das war die Hauptkritik an diesem Film, der ganze Rest wird jetzt eine Lobhuldigung, also bitte festhalten. Man kann eine Analyse dieser Art nicht beginnen, ohne zu Beginn einen Blick auf die vielen verschiedenen Charaktere geworfen zu haben. Die Gemeinsamkeit zur Herr der Ringe Trilogie ist hier unzweifelhaft vorhanden, da erneut ein Hobbit aus dem Auenland aufbricht und seinen Weg über Bruchtal und das Nebelgebirge in Richtung Mordor sucht. Begleitet wird er dabei aber dieses Mal nicht von einer wilden Bande unterschiedlicher Rassen, sondern von Gandalf dem Grauen und dreizehn Zwergen. Da wären die lebenslustigen Kili und Fili, der Haudrauf Dwalin, der weise Kämpfer Balin, der etwas einfältige Bofur, der gefräßige Bombur, der stumme Bifur, der rebellische Gloin und sein heilender Bruder Oin, Künstler Ori, gemeinsam mit seinem treuen Bruder Nori und dem pessimistischen Dori. Es ist sehr wichtig diese unterschiedlichen Persönlichkeiten der Gemeinschaft in den Vordergrund zu stellen, da sie einen gewichtigen Anteil an der Atmosphäre des Films ausmachen. Ob fröhlich, freundlich, schweigsam oder lebhaft, so sind sie stets treu und loyal gegenüber ihrem Anführer und schrecken vor keinem Kampf zurück. Dieses Gefühl ist es, das den Zuschauer zu keinem Zeitpunkt der fast drei Stunden verlässt und fesselt.

 

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Thorin:  „Ich würde jeden einzelnen dieser Zwerge dem mächtigsten Heer vorziehen. Treue, Ehre, ein Kämpferherz, mehr kann ich nicht verlangen.“

 

Jeder Herr der Ringe Fan wird sich aufgrund der Landschaften (Hobbingen, Bruchtal etc) sofort heimisch fühlen und die vielen bekannten Gesichter steigern diesen Effekt noch einmal drastisch. Gandalf in seiner grauen Robe zu sehen hätte ausgereicht, aber Jackson beschenkt uns zusätzlich mit Auftritten des Elbenfürsten Elrond (Hugo Weaving), der Elbenkönigin Galadriel (Cate Blanchett), des Schatzmeisters Gollum (Andy Serkis), Bilbos Neffen Frodo (Elijah Wood), des alte Bilbo (Ian Holm) und dem weißen Zauberer Saruman (Christopher Lee), die man alle aus den alten Filmen kannte und liebte. Zum selben Zeitpunkt erklingen Howard Shores epische Kompositionen aus der Vergangenheit aus den Boxen, die diese Figuren und Orte malerisch zeichnen und sich perfekt mit den neuen Themen des Hobbit verbinden. Mir als Fantasy Fan ist mehr als ein Schauer dabei über den Rücken gejagt, als eines zum anderen kam und sich vor mir ausbreitete wie eine bekannte Welle aus Liebgewonnenem.

 

Eine Figur jedoch muss ich hervorheben, da sie maßgeblichen Anteil am Zug des Films besitzt und ihn erst vollständig macht: Thorin Eichenschild, der Anführer und Thronerbe der Zwerge. Er versteht nicht viel Spaß, da ihn das Leben und seine bitteren Erfahrungen gezeichnet haben. Allerdings ist er bereits jetzt der Anführer, der Aragorn erst gegen Ende des Herr der Ringe werden sollte. Seine Aura ist unheimlich charismatisch und jeder seiner Blicke strahlt Wissen, Stärke und Autorität aus. Bereits bei seinem ersten Auftritt bemerkt der Zuschauer sofort den ungeheuren Respekt, den die Zwerge vor ihm haben. Jeder weiß von Anfang an, dass sie ihm bis in den Schlund des Drachen folgen würden. Thorin nimmt stets kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Nützlichkeit Bilbos geht, den er mehr als Last empfindet, denn als Hilfe. Als er schließlich Orcrist, das legendäre Elbenschwert findet, ist seine Vormachtstellung in der Gemeinschaft und sein Thronanspruch unterstrichen. Thorins Sturheit und Stolz werden ihn noch zu großen Problemen führen, doch für den Moment sei gesagt, dass er die zentrale Figur neben Gandalf darstellt, die den Film problemlos tragen. Bilbo Beutlin zeigt sich bisher eher von seiner ruhigen, unsicheren Seite, allerdings ist das auch ganz richtig so, schließlich ist sein Weg sich in die Gemeinschaft einzugliedern und zu einem Helden zu werden das zentrale Thema der Trilogie und kann wohl kaum mit einem fertigen Helden beginnen. Ich zeige dieses kleine Detail auf, um klarzumachen welche unheimliche Breite Der Hobbit besitzt, wenn man Mittelerde erfassen möchte. Man hat zu jedem Zeitpunkt das Gefühl, dass diese Welt lebt und sich jederzeit zu einem riesigen Strang aus Phantasie entwickeln kann.

 

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Thorin: „Ich kann nicht für seine Sicherheit garantieren.“

Gandalf:  „Natürlich.“

Thorin:  „Noch bin ich verantwortlich für sein Schicksal.“

Gandalf:  „Einverstanden.“

 

 

Der Hobbit benutzt eine Technik, die bei keinem Blockbuster Film in der Form bisher genutzt worden ist: Die HFR – High Frame Rate. Normale Filme laufen mit 24fps (Frames per second/Bilder pro Sekunde) ab, was uns einen leicht abgehobenen Charakter zur Realität verschaffte. Der Hobbit ist nun in 48fps, was zu gestochen scharfen Bildern führt, die so in noch keinem Kinofilm vorgekommen sind. Es braucht eine gute halbe Stunde, bis man sich an diese flüssige Qualität gewöhnt hat. In den ersten Szenen, in denen Bilbo in Beutelsend herumwuselt, hat man das Gefühl der Kinovorführer hätte auf den „schnell vorspulen“ Knopf gedrückt. Dabei ist es lediglich die höhere Framerate, die unserer Gewohnheit einen Streich spielt. Es ist extrem ungewohnt nicht mehr diesen verwaschenen, leicht unrunden „look“ des normalen Hollywood Films zu haben, sondern stattdessen eines solch realistische Schärfe, dass man das Gefühl bekommt, die Dinge fielen gleich aus der Leinwand. Der 3D Effekt verstärkt dieses Gefühl noch einmal drastisch und verleiht diesem Film einen enorm immersiven Faktor. Gerade Peter Jacksons Mittelerde ist stets dafür bekannt gewesen, einen großen Detailreichtum zu besitzen, was sich mit dieser Technik zu einem unfassbaren Erlebnis entwickelt. Man kann sie sicherlich nicht bei jedem Film nutzen, hier jedoch passt es perfekt ins Bild. Allerdings ist es gut zu verstehen, wenn Zuschauer Probleme damit haben und sich lieber die alte Technik zurückwünschen, die noch eine gewisse Distanz zum Erlebten bewahrt. Ich persönlich möchte bei diesem Film nicht darauf verzichten. Als ich mir danach zu Hause den Trailer zum Film ansah, war ich beinahe erschrocken von dem ruckelnden und unscharfen Charakter der „normalen“ Version.

 

 

Fazit:

Ich könnte stundenlang weiterschreiben, aber da es sich hier nur um eine Rezension handelt, komme ich für euch auch mal zum Punkt. Der Film ist fantastisch! Er kann vielleicht nicht mit dem sehr runden Charakter von Die Gefährten mithalten und besitzt manch überflüssiges Element, doch das Gesamtbild ist einfach klasse. Die Atmosphäre von Mittelerde quillt aus der Leinwand hervor und nimmt den Zuschauer gefangen. Klar definierte Charaktere, ein beeindruckender Detailreichtum, malerische Landschaftsaufnahmen, gigantische Fantasyatmosphäre und eine neue Technik, bei der einem die Spucke wegbleibt. Bald hat man das Gefühl, dass die Wirklichkeit vor einem gespiegelt wird! Wenn die beiden folgenden Filme diesen epischen Charakter fortsetzen, der Geschichte endlich eine runde Form geben und vielleicht die eine oder andere abgedroschene Phrase weglassen, bin ich endgültig zufrieden. Für jeden Fantasy Fan oder Kenner der Herr der Ringe Filme/Bücher ist dieser Film ein absolutes Muss und die Krönung dieses Filmjahres.

 

Persönliche Meinung:

Für mich ist Der Hobbit auf persönlicher Ebene noch etwas Besonderes, da ich mit ihm aufgewachsen bin. Mein erstes Stofftier vor fast drei Dekaden wurde Thorin Eichenschild benannt (ein Hase) und Der kleine Hobbit war eines der ersten Bücher, aus denen mein Vater mir vorlas. Entsprechend waren meine Erwartungen gigantisch hoch und wurden Gott sei Dank fast vollständig erfüllt. Ich saß mitunter wie gebannt im Sitz und bestaunte den Detailreichtum, den HFR, 3D und CGI mir entgegen wuchteten. Man konnte das Fell der Wargen beinahe mit der Hand greifen und die Zähne wirkten so spitz, dass es beängstigend war. Sie hatten nicht mehr viel gemein mit den hyänenartigen Wesen aus Herr der Ringe, vor diesen hier hatte man WIRKLICH Angst. Es kommt mir fast wie ein Wunder vor, dass Peter Jackson es geschafft hat, all die hoch gesteckten Vorgaben zu erfüllen, wenn man mal von einigen kleineren Handlungsbrüchen und komischen Dialogzeilen absieht. Ich hätte diese Rezension stundenlang weiterführen können, schließlich war ich nur grob auf Handlung und Atmosphäre eingegangen, doch das würde den Rahmen zu enorm sprengen. Ich zitiere mal einen Youtube Kommentar, der es gut auf den Punkt bringt: „Wer hier noch meckert, hat definitv Probleme oder einfach nur von Natur aus schlechte Laune.“

 

Eine Anmerkung noch am Rande für alle Kritiker, die das Buch mehr in den Vordergrund gestellt sehen möchten. Der kleine Hobbit ist ein sehr dünnes Buch, das nicht einmal ein Drittel des Inhalts des Herrn der Ringe besitzt. Jackson hat nicht alles 1zu1 nach dem Buch übertragen, sondern variiert an einigen Stellen, um den Fluss aufrecht zu erhalten. Zudem muss man bedenken, dass er versucht auch Nebenstorys einzubauen, die in anderen, kleineren Tolkien Büchern vorkommen. Also wundert euch bitte nicht, wenn ihr nicht jede Buchzeile einzeln mitlesen könnt und nehmt das Werk so an, wie es ist.

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

 

Fakten:

Regie:  Peter Jackson

Darsteller:  Martin Freeman, Ian McKellen, Richard Armitage, Andy Serkis, Hugo Weaving, Cate Blanchett und 12 weitere Zwerge

Soundtrack:  Howard Shore

Deutscher Kinostart:  13. Dezember 2012

 

 

Quellen:  Internet Movie Database, Box Office Mojo2.bp.blogspot.com

 

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