Jahresrückblick 2012

 

Große Filme und noch größere Enttäuschungen!

 

Jedes Kinojahr hat seine besonderen Merkmale, die es für den Zuschauer interessant oder furchtbar langweilig gestaltet haben. Seien es technische Dinge, wie die Einführung des 3D Kinos mit dem Vorreiter Avatar 2009, oder die Renaissance des Gangster Films mit Scorseses The Departed 2006.  Im folgenden Artikel werden wir gemeinsam versuchen, einen Überblick über die Trends des Jahres 2012 zu gewinnen und ihre Tops und Flops einzuordnen. Zum Abschluss stellen wir euch ganz kurz unsere persönlichen Highlights des Jahres vor, auch wenn ihr euch sicherlich denken könnte, in welche Richtung es tendieren wird. Ich werde die erwähnten Filme mit IMDB Links versehen, so dass ihr euch in Ruhe ein Bild vom jeweiligen Werk machen könnt.

 

 

Eigentlich begann das Jahr sehr vielversprechend, erreichten uns im Januar nicht nur der französische Top Hit Ziemlich beste Freunde, sondern auch die ersten beiden Oscar Favoriten mit dem Familiendrama  The Descendants und dem schwarz-weiß Film The Artist. Letzterer sollte bei den Oscars mächtig abräumen, was nicht zuletzt an der Anlehnung an die alten Stummfilmklassiker lag. Im Februar kamen dann Hugo Cabret, Gefährten, Extrem laut und unglaublich nah dazu, um den Oscars mehr Würze zu verleihen. Diese Filme hatten aber, wie für Oscar Filme beinahe traditionell, eines gemeinsam: sie liefen ordentlich im Kino, haben aber keine Meilensteine gelegt. Trotzdem waren sie die Lichtblicke in einem sehr wackeligen Frühjahr, das einen Trend starten sollte, den Hollywood gar nicht gebrauchen konnte: Misserfolg. Allerdings sollte dieses Jahr nicht die kleinen Filme mit schlechten Einnahmen bestrafen, sondern eher die richtig großen und teuren Produktionen. Es gab einige Ausnahmen, die Zahlen jenseits aller Hoffnungen produzierten, doch ein Großteil der Megaproduktionen sahen sich mit tiefroten Zahlen konfrontiert.

 

Nachdem Die Tribute von Panem noch einen starken Erfolg bieten konnte, begann das Drama des vergangenen Jahres mit dem Film John Carter aus dem Hause Disney. Bei einem Budget von knapp $250Mio. versagte der Film in ganzer Linie im heimischen Publikum und brachte Disney in Schwierigkeiten. Folgen hatte das beispielsweise für den Pixar Hit Merida – Legende der Highlands, der trotz eines sehr guten Einspielergebnisses eher kritisch gesehen wurde. Weitere dieser problematischen Blockbuster folgten auf dem Fuß: Battleship, Zorn der Titanen, Total Recall, Dark Shadows, The Bourne Legacy, Snow White and the Huntsman. Allesamt unglaublich teuer und so erfolglos, dass sie teilweise von Filmen wie Step Up 4 überholt wurden. Gründe sind zahlreich, seien es mangelnde Qualität, herzloses Filmdesign, schlechtes Marketing oder wie im Fall von Dark Shadows einfach nur schlechtes Release Timing. Der Zuschauer schien genug zu haben von solch lieblosen Filmen und widmete sich lieber sicheren Hits und qualitativ hochwertigerem Material ausführlicher.

 

Diese wenigen, sehr erfolgreichen Filme übestrahlten den Rest ohne größere Schwierigkeiten und fuhren enorme Zahlen ein. Dazu zählen natürlich The Avengers (knapp $1,5Mrd. weltweit), The Amazing Spiderman ($752Mio.), The Dark Knight Rises ($1,1Mrd.), Skyfall ($1,1Mrd.), Der Hobbit ($825Mio. und steigend), Ted ($500Mio.) und einige mehr. Die Kinozuschauer belohnten diese sehr starken Filme mit ihrer Anwesenheit und zeigten Hollywoods Produzenten, dass es nicht nur das Geld und die Effekte sind, die einen Film ausmachen. Vielmehr braucht es Komponenten, die in keiner Zahlenkolonne zu finden sind, sondern sich in den Herzen und Gedanken der Regisseure, Autoren und Darsteller abspielen müssen. Natürlich gab es erneut einige Fortsetzungen von Filmen, die immer funktionieren, selbst wenn sie qualitativ schlecht sind: Twilight Breaking Dawn 2, Ice Age 4, Madagascar 3, Men in Black 3 stehen an der Spitze dieser Sequel Liste und haben ihren Teil eingespielt. Mitten zwischen dieses Extremen liegt Ridley Scotts Prometheus, das die Geister der Kinowelt spaltete. Einige sind von den Effekten und der Atmosphäre begeistert gewesen, andere wiederum suchten verzweifelt nach Sinn und Zusammenhängen in der Handlung. Dass man auch ohne große Kosten sehr gute Filme drehen kann, hat uns Steven Soderbergh zum erneuten Male bewiesen, der mit Haywire ($23Mio. Kosten) und Magic Mike ($7 Mio. Kosten) zwei erfolgreiche, starbesetzte Filme an den Start bringen konnte. Die Liste der finanziellen Erfolge des Jahres findet ihr HIER.

 

Überhaupt war es das Jahr von Top Star Channing Tatum. Gleich drei seiner Filme (Magic Mike, The Vow, 21 Jump Street) konnten starke Zahlen schreiben und haben den Marktwert des Schauspielers drastisch nach oben gesetzt. Kein Wunder also, dass sein Film GI Joe 2 auf das kommende Jahr verschoben wurde, um das auch ordentlich auszunutzen. Ebenso auffällig war das Jahr von Tom Hardy (The Dark Knight Rises, Lawless), der uns als Bane das Fürchten lehrte und in der kommenden Zeit zwei enorme Titelrollen an Land gezogen hat (Mad Max Remake, Splinter Cell Verfilmung). Kaum ein Weg ging auch an Youngstar Jennifer Lawrence 2012 vorbei, die nach ihrer 2010er Oscar Nominierung (Winter’s Bone) für Silver Linings Playbook die heißeste Anwärterin für den 2013er Goldjungen ist. Nebenbei hat sie mit Die Tribute von Panem ein qualitativ hochwertiges Pendent zu Twilight geliefert hat, das absolut nötig war. Zwei weitere Schauspielerinnen, die in diesem Jahr einen weiteren großen Sprung gemacht haben, sind Anne Hathatway (The Dark Knight Rises, Les Misérables), die als Hauptkonkurrentin zu Jennifer Lawrence Oscar Ambitionen gilt und Anna Kendrick (50/50, End of Watch, Pitch Perfect), die nach ihrer Oscar Nominierung 2009 (Up in the Air) vor allem durch Nebenrollen auf sich aufmerksam gemacht hat und einen Erfolg nach dem anderen landet.

 

Ein weiterer Trend darf nicht unerwähnt bleiben, der nach einer sehr kurzen Hochphase scheinbar wieder schnell aus der Traumfabrik zu verschwinden scheint. Die Rede ist von 3D Remakes, also ältere Filme, die im 3D Modell überarbeitet noch einmal ins Kino gebracht werden. Der König der Löwen hatte im letzten Jahr einen erfolgreichen Anfang gemacht, den Titanic 3D vor allem durch den chinesischen Markt noch übertreffen konnte. Weitere Ambitionen in dieser Richtung scheiterten allerdings kläglich. Weder Star Wars Episode 1 3D, noch Findet Nemo oder Die Schöne und das Biest konnten auch nur im Ansatz die Erwartungen erfüllen. Ob wir weitere Unternehmungen dieser Art erwarten dürfen, bleibt abzuwarten, es ist allerdings sehr unwahrscheinlich. Dieser Trend bestätigt die stetige Normalisierung des 3D Effekts von neuen Filmen. Bei Einführung der Technik wurde sie für jeden noch so ungeeigneten Film genutzt, um die Ticketpreise anzuheben. Inzwischen jedoch macht es in den meisten Fällen tatsächlich Sinn eine Brille mit ins Kino zu nehmen, man nehme den Hobbit mit seiner Bildgewalt als Beispiel. Dass man auch ohne 3D Effekt enorme Gewinne machen kann, hat dieses Jahr definitiv bewiesen. Schließlich war nur ein einziger der drei „Millardenfilme“ mit der Technik ausgestattet, die anderen beiden schafften diesen Schritt auch ohne den 3D Preisaufschlag. Ein guter Trend wie wir finden, der sich auf diese weiterentwickeln sollte.

 

Hollywoods Trend, dass alles größer und teurer werden muss, wird uns auch im nächsten Jahr trotz der diesjährigen Misserfolge weiter verfolgen. Bereits jetzt sind Produktionen im Gange, die locker die $200Mio. Kosten übersteigen. Wir dürfen gespannt sein, ob sich 2013 ein ähnliches Debakel wiederholen wird oder ob endlich einmal die Innovation wieder siegen könnte. Da wir gerade von Innovation sprechen, erinnert sich jemand an den letzten innovativen Film, bei dem man wirklich sicher war, dass das irgendwie neu und interessant war? Schwierig, nicht wahr? 2012 war definitiv mehr vom Bombastischem, als vom Innovativen geprägt, da helfen uns auch keine Filme wie Looper, Drive oder Moonrise Kingdom weiter dieses Bild zu ändern. Alles in allem war 2012 in erster Linie eine Enttäuschung. Das Jahr sah unglaublich vielversprechend aus, doch wenn man näher hinsieht, schrumpft die Zahl der interessanten Filme auf einen Bruchteil zusammen. Wir hoffen sehr, dass 2013 kein ähnliches Bild bieten wird, sondern die wirklich lange Liste der Hoffnungsträger hält, was sie verspricht. Doch kommen wir zu unseren persönlichen Highlights des Jahres, vollkommen subjektiv und aus dem Bauch heraus! Man muss allerdings dazusagen, dass wir weit weniger gesehen haben, als uns lieb war, so dass die Listen deutlich am Mainstream orientiert sind.

 

 

Sebis Top Liste 2012:

 

#1  Der Hobbit: Eine unerwartete Reise

Als Herr der Ringe Fan, ein klares Muss und mein persönlicher Favorit für 2012.

#2  The Dark Knight Rises

Ein würdiges Ende der Dark Knight Reihe. An Atmosphäre kaum zu übertreffen.

#3  Die Tribute von Panem: The Hunger Games

Ein Film, der alle meine Erwartungen weit übertroffen hat. Nach dem Trailer war ich zwiegespalten, nach dem Kinobesuch wurde ich zum Fan.

#4  The Amazing Spiderman

Um Längen besser als Tobey Maguire’s Spiderman. Düsterer, Cooler, Spiderman!

#5  The Avengers

Soviele Superhelden unter einem Hut. Kein leichtes Unternehmen und doch ist es gelungen. Das Ergebnis: Bombastische Action und viele Lacher.

#6  50/50 Freunde fürs Überleben

Ein Tipp, den mir Flo gegeben hat. Ein Film der mich wie kaum ein anderer Berührt hat. Joseph Gordon-Levitt und Seth Rogen harmonieren wunderbar zusammen.

#7  21 Jump Street

Ich muss zugeben, ich kenne die Serie kaum. Der Film war allerdings sehr lustig und glänzte mit vielen Andeutungen auf die originale Serie.

#8  Haywire

Überraschung des Jahres. Glänzt vor allem durch Minimalismus.

#9  Für immer Liebe/The Vow

Herzergreifend schön & traurig. Channing Tatum zeigt, dass er mehr drauf hat als Action und Tanzen!

#10 Argo & Skyfall (ungesehen)

Ich bin sicher mindestens einer von beiden ist grandios

 

 

Flos Top Liste 2012:

 

#1  The Dark Knight Rises

Unübertroffene Atmosphäre, großartige Charaktere, ein beeindruckendes Finale von Nolans Batman Reihe, das sogar ein befriedigendes Ende bietet. Mein Highlight des Jahres 2012.

#2  The Avengers

Es war ein langer Kampf um Platz, den letztlich das Superhelden Epos von Marvel gewonnen hat. Zu gefesselt war ich von der Art des Films sich selbst zu inszenieren und nicht in die gleiche Leere zu fallen wie so viele andere teure Filme. Großartig!

#3  Der Hobbit – Eine unerwartete Reise

Als Herr der Ringe Fan ging an Bilbos Reise zum Erebor kein Weg vorbei. Optisch anspruchsvoll, atmosphärisch einzigartig und interessant. Einige kleine Macken haben den Spaß etwas getrübt, deswegen nur Platz 3.

#4  Ziemlich beste Freunde

Ich war extrem skeptisch diesem Film gegenüber, da er von jedem mit bekannten Menschen enorm gehyped wurde. Letztlich war meine Sorge unbegründet, ich habe mich lange von keinem Film mehr so unterhalten gefühlt. Diese Opernszene hat mir die Lachtränen in die Augen gebracht, während selbst der ernste Hintergrund ein gutes Gefühl verbreitet.

#5  The Amazing Spiderman

Es ist ein gutes Gefühl endlich mal einen echten Spiderman zu haben, anstatt diesen Emo Jungen mit dem Ego Problem. Das tat so gut, ich hab den Film gleich zweimal gesehen.

#6  Skyfall

James Bonds Wiederbelebung als echter britischer Agent, der auf englischem Boden seine Heimat verteidigt, ist einer der Hingucker des Jahres gewesen. Ohne Zweifel konnte ich daran nicht vorbeigehen.

#7  Lachsfischen im Jemen

Ich liebe gefühlvolle Filme, die mich nicht 120min mit extremsten Drama überladen, sondern mit Charme und Witz wichtige Geschichten erzählen. Dieser Film war perfekt für mich.

#8  Drive

Ein unglaublich fesselnder Film mit einem stark spielenden Ryan Gosling. Das einzigartige Filmdesign und die kompromisslose Art, wie er den Zuschauer vereinnahmt, haben mich überzeugt.

#9  The Descendants

Bewegend, dramatisch und an so mancher Stelle unweigerlich komisch. Alexander Payne hat uns einen großen Film geschenkt, der mich so manches Mal beinahe zu Tränen gerührt hat.

#10  Der Diktator

Aus Mangel an Alternativen muss ich leider diesen Film erwähnen, weil ich wirklich gut im Kino unterhalten wurde. Das zeigt mir wie schlecht das Kinojahr für mich wirklich gewesen ist.

 

Quellen:  Box Office Mojo, Internet Movie Database, zelluloid.de

 

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