Les Misérables

 

Drama und Gesang im revoltierenden Paris!

 

 

Es ist eines der bekanntesten und beliebtesten Musicals überhaupt und viele Songs erklingen selbst Genrefremden bekannt im Ohr. Les Misérables hat bereits Millionen Menschen auf der Bühne begeistert zu Tränen gerührt und schafft es nun unter der Regie von Tom Hooper (The King’s Speech) mit Starbesetzung auch auf die große Leinwand. Die bisherigen Besucher aus der ganzen Welt waren hin und hergerissen zwischen Begeisterung für das Musical und dem Zweifel, ob ein solches Werk fürs Kino überhaupt gedacht sein kann. Einige eklatante Besonderheiten machen den Film zu etwas Besonderem, was sicherlich nicht nach jedermanns Geschmack sein dürfte. Folgend also die Analyse des mit acht Oscar-Nominierungen beladenen Films.

 

 

Frankreich 1815: Jean Valjean (Hugh Jackman) ist ein Sträfling, der 19 Jahre Schwerstarbeit unter der Aufsicht des Inspektors Javert (Russell Crowe) leisten musste, da er ein Stück Brot für seine hungernde Schwester stahl. Als er freigelassen wird, beginnt er ein neues Leben und streift seine alte Haut ab, obwohl er dies laut Gesetz als Sträfling nicht darf. Als Bürgermeister eines kleinen Ortes tut er fortan Gutes, was nach 8 Jahren ein jähes Ende erreicht, als Javert sich ihm als neuer Inspektor des Gebiets vorstellt. Währenddessen schuftet sich die junge Mutter Fantine (Anne Hathaway) zu Tode, um ihre kleine Tochter Cosette (Isabelle Allen) ernähren zu können, die sie in der Obhut einer diebischen Wirtsfamilie (Helena Bonham Carter und Sacha Baron Cohen) lassen musste. Als sie ihre Arbeit verliert, sieht sie sich gezwungen ihre Haare und Zähne zu verkaufen und sich zu prostituieren, um die Schulden zu zahlen. In ihrem Elend vollkommen alleine, will Javert sie gefangen setzen, wird jedoch von Valjean abgehalten, der sich der jungen Frau annimmt. Er bringt sie in ein Krankenhaus, wo sie kurz darauf stirbt, jedoch nicht ohne ihn zu bitten, sich um Cosette zu kümmern. Javert hat inzwischen die Identität des Bürgermeisters durchschaut und Valjean sieht sich gezwungen mit dem jungen Mädchen unterzutauchen. Neun Jahre später ist Cosette (Amanda Seyfried) zur jungen Frau herangewachsen, die sich trotz enger Behütung durch Vater Valjean in den Revolutionär Marius (Eddie Redmayne) verliebt. Dieser steht vor der Entscheidung seinen Gefühlen nachzugeben oder sich der aufbrausenden Rebellion der nachnapoleonischen Zeit anzuschließen. Als die Barrikaden schließlich errichtet werden, muss sich jeder Beteiligte entscheiden, welche Rolle die Seinige sein wird. Denn auch Javert hat eine altvergessene Fährte wieder aufgenommen.

 

 

Als Allererstes muss ich an dieser Stelle eine Warnung aussprechen! Wenn in eurem Kinoprogramm „Original mit Untertitel“ dransteht, dann ist das kein Tippfehler. Es ist schlichtweg nicht anders möglich, da in diesem Film durchgehend im originalen Englisch gesungen wird. Das Besondere dabei: Die Schauspieler haben bereits während der Szenen im Dreh live gesungen, anstatt wie üblich die Songs im Nachhinein im Tonstudio aufzunehmen und über die Bilder zu legen. Dadurch entsteht eine sehr starke Atmosphäre, in der die Schauspieler ihr ganzes Potential aufbieten mussten, um überzeugend zu wirken. Für den Zuschauer bedeutet das eine starke Umgewöhnung, da dies zum ersten Mal in einem modernen Kinofilm auf diese Weise geschieht und nicht jeder der englischen Sprache mächtig genug ist, um die Untertitel ignorieren zu können. Ist das Muscial-Genre beim Zuschauer nicht beliebt und er empfindet den Gesang als eher störend und lächerlich, dann ist man schlichtweg im falschen Film. Dies ist kein normaler Kinofilm, sondern ein echtes Musical, mit all seinen überdramatisierten Szenen, dauerhaftem Gesang und klaren Inszenierungen. Mit dem starken Pluspunkt ausgestattet, dass im Kinofilm deutlich größere Szenen möglich sind, als mit den beschränkten Mitteln eines Bühnenbildes, was Tom Hooper erstklassig ausnutzt.

 

 

Ein Freund und Kenner von Musicals wird seine helle Freude an diesem Film kaum verbergen können. Die Settings und die Atmosphäre sind von allerhöchster Qualität, vor allem der Hintergrund der nachnapoleonischen Revolte fügt sich großartig in das Gesamtbild ein. Die zeitliche Entwicklung wird ebenfalls routiniert eingebettet, so dass der Handlungsfaden stets klar und deutlich bleibt und man sich kaum in der Fülle an Geschehnissen und Charakteren verlieren kann. Diese ist nämlich traditionell beachtlich hoch, vor allem da unheimlich viele kleine Nebencharaktere das Stück bereichern. Das Grundthema der „Elenden“ könnte noch etwas deutlicher hervorkommen, stattdessen liegt der Fokus mehr auf den einzelnen Charakteren und ihrem individuellen Leiden. Diese Qualen werden sehr stark herausgestellt und würden in jedem anderen Zusammenhang zu Augenrollen führen. Doch vor dem Hintergrund des Genres und der Geschichte von Les Misérables (Die Elenden) wirkt das Drama unheimlich bewegend und rührt mehr als einmal zu Tränen.

 

 

Den Hauptanteil daran haben neben der großartigen Inszenierung natürlich die herausragenden Schauspieler. Allen voran gehen Hugh Jackman und Anne Hathaway, die beide für den Oscar nominiert sind. Jackman spielt eine der größten Rollen seines Lebens und meistert sie beeindruckend. Die Angst und das Leiden von Valjean zu Beginn wirkt enorm einnehmend, was sich in eine Mischung aus Sorge, Verfolgungsangst und Liebe wandelt, bis er schließlich Frieden mit seinen Identitäten findet. Ohne Zweifel trägt uns Jackman mit seiner Figur durch die Handlung und schafft es den roten Faden zu halten, auch wenn es kleine schwache Momente im Gesang gibt. Anne Hathaway spielt Fantine, die sich von allen Charakteren am Meisten ins Elend ziehen muss. Es spiegelt sich eine unglaubliche Verzweiflung in ihrem Gesicht, in ihrer Stimme und im Gesang so deutlich wieder, dass ihre schiere Anwesenheit bereits zu Tränen rühren kann. Wer bei ihrer Darbietung von „I dreamed a dream“ nüchtern dasitzt, dem ist nicht mehr zu helfen. Nie zuvor hat mich eine filmische Szene derart bewegt und erschüttert, sie ist bereits jetzt Kinogeschichte. Die Kamera bleibt in diesen dramatischen Szenen ohne Schnitt auf dem Singenden, was die schauspielerische Leistung nochmal eine Stufe anhebt. Hathaway sollte den Oscar in diesem Jahr ohne Probleme entgegen nehmen dürfen, alles andere wäre eine herbe Enttäuschung.

 

 

Russell Crowe verblasst und enttäuscht neben diesen beiden ein wenig, da seine Singstimme nicht so stark ist, wie erwartet. Er bemüht sich redlich überzeugend rüberzukommen, was an mancher Stelle gut gelingt, doch in einem ausschließlich aus Gesang bestehenden Film, fehlt ihm die überzeugende Stimme. Etwas, das selbst sein gesangserfahrener Kollege Hugh Jackman nur mit Mühe meistert, so dass man es Crowe nachsehen kann. Der Rest des Ensembles ist hingegen überzeugend, allen voran Newcomer Eddie Redmayne, der nicht nur stimmlich, sondern auch schauspielerisch überzeugt. Samantha Barks (Éponine) und Amanda Seyfried haben nur kleine Rollen, die nicht allzu viel Spielraum bieten, doch an den entscheidenden Stellen gut passen. Für die Lacher sind Sacha Baron Cohen und Helena Bonham Carter zuständig, wobei man sich bei der sonstigen Modewahl von Frau Carter fragen muss, ob sie sich überhaupt verkleiden musste. Wie dem auch sei, bringen die beiden ein wenig frischen Wind in das sonst sehr dramatische Geschehen. Alles in allem gibt das Ensemble den Charakteren den Tiefgang, den sie im Original besitzen und der den Zuschauer begeistern sollte.

 

 

Fazit:

Für einen normalen Kinogänger hängt die Begeisterung für Les Misérables am seidenen Faden. Kommt man damit klar, dass es keinerlei Dialoge gibt, sondern dauerhafter Gesang erschallt? Sind die dramatische Inszenierung und die klassischen Längen zu viel des Guten für den Zuschauer ohne Musical Vorbildung? Es steht zu befürchten, dass sich viele deutsche Besucher verwirrt abwenden werden, auch wenn dieser großartige Film das nicht verdient hat. Die Inszenierung ist atemberaubend, die Darsteller mit kleinen Abstrichen äußerst bewegend und das Thema von Victor Hugos Roman perfekt eingefangen. Ein Kinogang will reiflich überlegt sein, man muss Geduld und Disziplin mitbringen, sonst wird man keine Freude beim Anschauen verspüren. Hat man diese Hürde aber einmal überwunden und kann sich darauf einlassen, wird man jede Minute zu schätzen wissen und sich bewegt und begeistert auf den Heimweg machen.

 

Persönliche Meinung:

Muscials waren für mich immer ein zweischneidiges Schwert, manche sind begeisternd, manche zu träge und langweilig. Durch private Gegebenheiten bin ich ein wenig involvierter, als es der normale Mensch sein mag, so dass ich zumindest etwas Einblick besitze. Mich hat der Film auf dieser Ebene sehr begeistert, besonders die Szenenbilder und schauspielerischen Darstellungen. Anne Hathaway hat mich mit einer einzigen Szene vollkommen eingenommen und erschüttert! Auf der anderen Seite habe ich manchmal meine Probleme mit überdramatisierten, in die Länge gezogenen Szenen, da ich eher pragmatisch veranlagt bin. Ich würde gerne darauf pochen, dass man die Handlung hätte straffen müssen, doch da sich Tom Hooper stark an das Original gehalten hat, kann man ihm schwerlich Vorwürfe machen. Für Musical-Fans ist der Film ein absolutes Muss und wird sicherlich problemlos begeistern, so wie er auch mich ergriffen hat. Ich befürchte allerdings sehr, dass nur wenige Menschen in einem Kinofilm so viel Geduld besitzen, sich auf die ungewöhnliche Inszenierung einzulassen.

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

 

Fakten:

Regie:  Tom Hooper

Darsteller:  Hugh Jackman, Russell Crowe, Anne Hathaway, Eddie Redmayne, Amanda Seyfried, Samantha Barks, Sacha Baron Cohen, Helena Bonham Carter

Spieldauer:  158 Minuten 

Budget:  $61 Mio.

Deutscher Kinostart:  21. Februar 2013

 

 

Quellen:  Internet Movie Database, Box Office Mojo, wikipedia.de

 

GD Star Rating
loading...
Les Misérables, 8.0 out of 10 based on 1 rating


Hinterlasse einen Kommentar, oder nutze den trackback auf deiner Homepage.

Eine Antwort to “Les Misérables”

  1. Verena sagt:

    Wer sich diesen Film anschaut, muss wissen, dass es sich um ein Musical handelt.
    Die Geschichte wurde schon arg gestrafft, zwei Teile hätte man mit dem Stoff mindestens füllen können. Aber ich bin beeindruckt, wie bedacht die Inszenierung trotz extremer Kürzung zusammengefügt wurde.
    Ich persönlich verstehe nicht, was alle gegen Russell Crowe haben. Singen kann er, vielleicht ist er nicht der emotionalste Sänger, aber Töne treffen war kein Problem.
    Vielmehr ging mir Eddie Redmayne auf den Keks, der bei jedem Ton so dermaßen mit dem Kopf wackeln musste, dass dabei jegliche Atmosphäre verloren ging.
    Anne Hathaway hat einen großartigen Job gemacht, da geb ich dir in jedem Punkt Recht.
    Das eigentlich emotionalste Lied „Bring him home“ wurde leider nicht für Hugh Jackman geschrieben, obwohl er die Rolle gut verkörpern konnte. Da muss ich ihm gesanglich aber leider ein paar Abstriche machen, so schwierig die Rolle auch zu singen ist.
    Insgesamt hab ich mir den Film sehr gerne angesehen, die Musik packt mich durchgehend. Aber ich wusste auch, worauf ich mich einlasse!!!

    GD Star Rating
    loading...

Hinterlasse einen Kommentar

Du musst dich einloggen, um einen Kommentar hinterlassen zu können.