Oscars 2013 – Der Vorbericht

 

Die 85. Academy Awards!

 

 

In der Nacht vom 24. auf den 25. Februar 2013 ist es endlich wieder soweit: die 85. Academy Award Verleihungen finden im Dolby Theatre in Hollywood statt. Jeder große Name, der in Hollywood etwas auf sich hält, wird über den roten Teppich schreiten und den Glamour dieser Veranstaltung in die Höhe treiben. In Hollywood zählen Trends, Fashion und Auftreten bei dieser Verleihung fast schon mehr, als die eigentliche Vergabe der Goldjungen! Uns Filmfans interessiert das ganze Drumherum allerdings weniger, so dass wir uns stattdessen lieber auf die Nominierungen konzentrieren und gespannt sind, ob uns die Academy in diesem Jahr Überraschungen liefern mag. Die nominierten Filme und Darsteller sind nicht nur äußerst vielseitig, sondern auch vergleichsweise zuschauer-freundlich  Hatte sich doch seit jeher ein Trend breit gemacht, dass primär Filme geehrt wurden, die eher einem Fachpublikum vorbehalten waren, so ist das in diesem Jahr beinahe gänzlich anders. Mit viel Freude und Spannung kann man den Nominierungen entgegensehen und sie gar im Kino ohne Probleme oder Hemmungen anschauen, ein willkommener Wandel. Seit den Nominierungen haben die Oscar-Filme in den Kinos eine neue Rekordsumme an den Kinokassen eingespielt und somit den Rekord von 1997 gebrochen.

 

 

Im Folgenden werden wir uns die wichtigsten Kategorien ansehen, eine detaillierte Übersicht liefern und Prognosen abgeben. Dabei werden wir sowohl den potentiellen Favoriten herausstellen, als auch die Lieblinge/Favoriten der Redaktion für euch präsentieren. Zu Grunde liegen hier alle Informationen, die wir im Laufe der letzten Monate zu den Filmen und Darstellern sammeln konnten, sowie natürlich die Prognosen von Scott Feinberg und Todd McCarthy, zwei der wichtigsten Insider der Branche. Hinzu kommt der Artikel eines anonymen Regisseurs, der seine Stimmenabgabe mit Begründungen auf THR veröffentlichte. Einen ausführlichen Nachbericht wird es selbstverständlich auch geben. Aber fangen wir zunächst einmal damit an, die Übersicht zur größten Ehrung der Filmbranche zu erstellen, natürlich alle wichtigen Filme mit Links für mehr Informationen versehen. HIER findet ihr die komplette, übersichtliche Liste aller Nominierungen.

 

 

Bester Film:

 

Zero Dark Thirty

Argo

Beasts of the Southern Wild

Amour

Django Unchained

Lincoln

Silver Linings Playbook

Les Misérables

Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger

 

Die Königsklasse der Kategorien wartet dieses Jahr mit neun von zehn möglichen Nominierungen der Extraklasse auf. Ein paar Filme scheinen übergangen worden zu sein (Skyfall, Der Hobbit, The Dark Knight Rises), doch trotzdem erscheint diese Liste exquisiter Filme genau passend zu sein. Argo gewann so ziemlich jeden Award der gesamten Award Season (Dez-Feb) und dürfte problemlos zum Favoriten dieser Kategorie erklärt werden. Das einzige Gegenargument ist die Nichtnominierung von Ben Affleck als bestem Regisseur, was in der Oscar Geschichte eher selten vorkommt. Es wirkte wie eine Entschuldigung Hollywoods an den Regisseur, so dass die Oscarchancen durchaus etwas gemindert werden. Selbiges gilt ebenso für Kathryn Bigelows Zero Dark Thirty, der immer noch gute Chancen wahren kann, jedoch durch den Oscar für The Hurt Locker 2009 zurückgehalten werden könnte. Den größten Konkurrenten für Argo stellt das Historienepos Lincoln dar, das meisterlich von Steven Spielberg in Szene gesetzt wurde. Auch wenn es sich um einen eher langweiligen Film handelt, so ist er klasse inszeniert und Hollywood tendierte schon immer in Richtung Historie und Wichtigkeit. Knapp hinter diesem Trio reihen sich Life of Pi und Silver Lings Playbook ein, deren Chancen mit jeder Woche mehr sinken. Die restlichen Filme spielen keinerlei Rolle bei der Vergabe, es sei denn die Academy weitet ihre Begeisterung für den österreichischen Film Amour über die Grenzen des besten ausländischen Films aus, was sehr unwahrscheinlich sein dürfte trotz ihrer Vorliebe für Depressionen.

 

Favorit:    Argo

Geheimtipp:    Zero Dark Thirty

Cinematic Circle Favorit:   Zero Dark Thirty

 

 

Bester Hauptdarsteller:

 

Bradley Cooper (Silver Linings Playbook)

Daniel Day-Lewis (Lincoln)

Hugh Jackman (Les Misérables)

Denzel Washington (Flight)

Joaquin Phoenix (The Master)

 

Diese wichtige Kategorie ist bereits jetzt entschieden, da niemand ernsthaft an einem weiteren Oscar für Daniel Day-Lewis zweifelt. Er gewann jeden einzelnen Award in dieser Kategorie in dieser Season und sollte auch bei den Oscars die Konkurrenz hinter sich lassen. Es wäre bereits sein dritter Goldjunge, was definitiv seine herausragende Klasse als Schauspieler wiederspiegelt. Joaquin Phoenix brilliert in The Master, jedoch hat er nicht viel für Award Shows übrig und sie in der Vergangenheit übel beschimpft. Kein gutes Omen, um die Academy zu seinen Gunsten zu bewegen, wenn man nicht Sean Penn heißt. Bradley Cooper spielt in Silver Linings Playbook einen jungen Mann, der an einer bipolaren Störung leider und versucht ins Leben zurückzufinden. Cooper war bisher nicht als der herausragende Schauspieler bekannt, doch zeigt er eine so großartige Leistung in David O. Russells Komödie, dass man ihn mit etwas Gutwillen durchaus als Geheimfavorit zählen kann. Hugh Jackman hat seinen Part in Les Misérables gut gemeistert, wird aber keine Rolle bei der Verleihung spielen, dafür war das Musical zu stark im Gesang verstrickt. Trotzdem ist es schön zu sehen, dass er sich in diesen Reihen bewegen kann. Auch Denzel Washington spricht man keine großen Chancen zu, was nicht weiter schlimm ist, da er genau wie Daniel Day-Lewis schon zwei Oscars im Schrank stehen hat.

 

Favorit:   Daniel Day-Lewis

Geheimtipp:   Joaquin Phoenix

Cinematic Circle Favorit:   Daniel Day-Lewis

 

 

Beste Hauptdarstellerin:

 

Jessica Chastain (Zero Dark Thirty)

Emanuelle Riva (Amour)

Jennifer Lawrence (Silver Linings Playbook)

Naomi Watts (The Impossible)

Quvenzhané Wallis (Beasts of the Southern Wild)

 

Die wohl spannendste Kategorie wird dieses Jahr bei den Hauptdarstellerinnen ausgefochten. Jessica Chastain und Jennifer Lawrence führen den Favoritenkreis Kopf an Kopf an, vermutlich wird eine von ihnen gar das Rennen gewinnen. Chastains Rolle in Zero Dark Thirty war sehr eindringlich angesetzt, sie brilliert durch eine vollendete Darstellung des fanatischen Ehrgeizes und der uneingeschränkten Hingabe ihrer Figur Maya. Lawrence hingegen schafft es ihren Charakter Tiffany in Silver Linings Playbook bis ins kleinste Detail wiederzugeben und beeindruckt mit enormer Tiefe und Vielschichtigkeit, auch wenn die Rolle etwas zu wenig erwachsen angesetzt wirkte. Zudem gilt ihre Kampagne während der letzten Monate als beispiellos, was ihr einen Vorteil bringen könnte. Emanuelle Riva ist die älteste je nominierte Darstellerin und schlug die Konkurrenz völlig überraschend bei den BAFTA Awards, so dass man sie noch nicht von der Liste nehmen sollte. Naomi Watts ist ein bekanntes und sehr beliebtes Gesicht in Hollywood, was in diesem Jahr allerdings nicht für den Oscar reichen wird, selbst wenn ihre Leistung in The Impossible in der ersten Hälfte grandios war. Wir werden aber sicherlich noch viel von ihr auf diesen Listen zu sehen bekommen. Keinerlei Chancen wird die sehr junge Quvenzhané Wallis haben, die es immerhin vollbrachte Marion Cotillard die verdiente Nominierung vor der Nase wegzuschnappen.

 

Favorit:   Jessica Chastain

Geheimtipp:   Emanuelle Riva

Cinematic Circle Favorit:   Jennifer Lawrence

 

 

Beste Regie:

 

David O. Russell  (Silver Linings Playbook)

Ang Lee  (Life of Pi- Schiffbruch mit Tiger)

Steven Spielberg  (Lincoln)

Michael Haneke  (Amour)

Benh Zeitlin  (Beasts of the Southern Wild)

 

Das Raunen im Fachpublikum war deutlich zu vernehmen, als Emma Stone und Seth MacFarlane die Nominierungen in dieser Kategorie bekanntgaben. Und das völlig zu Recht, da drei große Namen auf dieser Liste fehlen, denen man eigentlich die höchsten Chancen zurechnete: Kathryn Bigelow (Zero Dark Thirty), Tom Hooper (Les Misérables) und Ben Affleck (Argo). Affleck gewann ironischerweise für seinen Film Argo so ziemlich jeden anderen Award in der Season, inklusive dem Golden Globe und dem Critics Choice Award. Eine völlig unverständliche Entscheidung ihn nicht für den Oscar zu nominieren, die für sehr viel Aufregung in Hollywood gesorgt hat. Stattdessen kamen völlig unverhofft Benh Zeitlin und Michael Haneke auf diese Liste, die vermutlich beide keine große Rolle bei der Verleihung spielen werden. Die Academy scheint sich in Amour im wahrsten Sinne des Wortes verliebt zu haben, dennoch sind Hanekes Chancen eher gering. Steven Spielberg gilt als einer der mächtigsten Männer der Traumfabrik und manches deutete bei den Nominierungen gar darauf hin, dass sie extra für ihn den Weg zum nächsten Sieg bereitet haben. Jedoch hielt die Begeisterung für Lincoln nicht ewig an, selbst wenn es sich um einen sehr guten, wenn auch zähen,  Film handelt. Stattdessen scheinen nun David O. Russell und Ang Lee die Top Favoriten zu sein, wobei die Chancen für Ang Lee größer sein dürften durch Russells Nominierung im Bereich des Drehbuchs.

 

Favorit:   Ang Lee

Geheimtipp:   Michael Haneke

Cinematic Circle Favorit:   David O. Russell (Flo) und Steven Spielberg (Sebi)

 

 

Bester Nebendarsteller:

 

Tommy Lee Jones  (Lincoln)

Christoph Waltz  (Django Unchained)

Alan Arkin  (Argo)

Robert de Niro  (Silver Linings Playbook)

Philip Seymour Hoffman  (The Master)

 

Still und heimlich entwickelte sich Christoph Waltz gegen Ende letzten Jahres von einem möglichen Kandidaten in dieser Kategorie hin zum Favoriten. Spätestens nach seinem Sieg bei den Golden Globes ist es durchaus möglich, dass er in diesem Jahr seinen zweiten Oscar erhält. Überhaupt gibt es in dieser Kategorie keinen einzigen Nominierten, der noch keinen Oscar zu Hause stehen hat! Das ist ein wenig schade, da vor allem Leonardo DiCaprio (Django Unchained) eine Nominierung verdient gehabt hätte, wenn nicht gar die Statue selbst. Die Hauptkonkurrenz für Waltz besteht aus Philip Seymour Hoffman, der erneut eine brillante Performance in The Master hinlegte und einmal mehr bewies, welch begnadeter Schauspieler er ist. Alan Arkin und Robert de Niro dürften sich über ihre Nominierungen gefreut haben, werden aber bei der Vergabe nur Randfiguren bleiben. Bei Tommy Lee Jones ist das nicht ganz so einfach, da er während des Lincoln-Hypes hoch gehandelt wurde und somit sicherlich noch Außenseiterchancen bestehen. Alles in allem eine langweilige Kategorie, die an Überraschungen vermissen lässt, wo die Academy hätte welche gebrauchen können.

 

Favorit:   Christoph Waltz

Geheimtipp:   Philip Seymour Hoffman

Cinematic Circle Favorit:   Christoph Waltz

 

 

Beste Nebendarstellerin:

 

Jacki Weaver  (Silver Linings Playbook)

Sally Field  (Lincoln)

Anne Hathaway  (Les Misérables)

Amy Adams  (The Master)

Helen Hunt  (The Sessions)

 

Jacki Weaver rundet mit dieser Nominierung das Quartett aus Silver LiningsPlaybook ab, was das erste Mal seit 1987 ist, dass ein Film in allen vier Darstellerkategorien nominiert ist. Gewinnen wird sie den Oscar sicherlich, aber es erhöht die Chancen für Jennifer Lawrence, da die Academy sicherlich einen der vier ehren möchte. Klare Favoritin ist Anne Hathaway, die in der Award Season eine der großen Abräumer gewesen ist. Ihre Darstellung in Les Misérables war einzigartig und herzergreifend und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit belohnt werden. Für Amy Adams auf der anderen Seite ist dies bereits die vierte Nominierung und die Academy tendiert sehr häufig dazu, den Award in die Hände Desjenigen zu geben. Damit wäre diese Kategorie auch schon fertig, da die anderen zwei Nominierten mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls keine Rolle spielen werden, trotz ihrer ordentlichen Darbietungen. Sally Field war zu dramatisch und zu alt für die Rolle und Helen Hunt zu unauffällig, da sie eher eine „Leading Lady“ sein sollte.

 

Favoritin:   Anne Hathaway

Geheimtipp:   Amy Adams

Cinematic Circle Favorit:   Anne Hathaway

 

 

Die restlichen Kategorien werden nun in Kurzform mit den Favoriten dargestellt, da es sonst den Rahmen sprengen würde. Die komplette Liste aller Nominierungen findet ihr in der Übersicht auf IMDB, die ich zu Beginn verlinkt habe.

 

 

Die Favoriten:

 

Bestes Original Drehbuch:  Quentin Tarantino  –  Django Unchained  (Konkurrenz:  Zero Dark Thirty)

Bestes adaptiertes Drehbuch:  David O. Russell  –  Silver Linings Playbook  (Konkurrenz:  Lincoln)

Bester animierter Film:  Ralph reicht’s  (Geheimtipp:  Brave)

Bester ausländischer Film:  Amour (Österreich)

Beste Kamera:  Les Misérables

Bester Schnitt:  Zero Dark Thirty

Bestes Production Design:  Life of Pi  –  Schiffbruch mit Tiger

Beste Kostüme:  Les Misérables

Bestes Make-Up und Haare:  Les Misérables

Beste Original Musik:  Life of Pi  –  Schiffbruch mit Tiger

Bester Song:  Adele – Skyfall

Bestes Sound Mixing:  Life of Pi  –  Schiffbruch mit Tiger

Bester Sound Schnitt:  Zero Dark Thirty

Beste Visual Effects:  Life of Pi  –  Schiffbruch mit Tiger

Bester Dokumentarfilm:  Searching for Sugar Man

Beste Kurz-Dokumentation:  Inocente

Bester animierter Kurzfilm:  Paperman

Bester Kurzfilm:  Curfew

 

Quellen:  Internet Movie Database, Box Office Mojo, The Hollywood Reporter

 

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Eine Antwort to “Oscars 2013 – Der Vorbericht”

  1. abert sagt:

    Jetzt gilt es!
    Wie gut kennt Ihr das Genre?
    Wie gut könnt Ihr die Jury einschätzen?
    24 Kategorien – 24 x richtig?
    Ich bin sehr gespannt.

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