Oscars 2013 – Zusammenfassung

 

Eine Nacht voller Glamour!

 

 

So lange wie es gedauert hat, bis die Oscars endlich wieder auf dem Plan standen, so schnell war die Award-Nacht auch schon wieder vorbei. Wir sahen den traditionell gewaltigen Auflauf an edel gekleideten Superstars, große Filme, die das Glück einholte oder verließ und kleine Fauxpas, die uns zum Schmunzeln brachten. Die Oscars sollten in diesem Jahr nicht enttäuschen, selbst wenn sie keine großen Überraschungen brachten, die den Filmfan vom Hocker reißen konnten. Stattdessen erlebten wir eine gewohnt hochklassige Show, die zum Schmunzeln und Mitfiebern einlud und den Standard-Zuschauer mit einem guten Gefühl in den neuen Tag starten ließ. Warum Filmkenner ein klein wenig enttäuscht sein müssen, erfahrt ihr hier bei uns. Aber schauen wir doch erst einmal, wie der Verlauf dieses Events sich mit all seinen Highlights gestaltete.

 

 

Die Academy of Motion Picture and Arts hat sich in diesem Jahr einem ganzen besonderen, aber notwendigen Risiko ausgesetzt: Sie engagierten Seth MacFarlane als ihren Host für die Oscars. Im letzten Jahr sprang kurzfristig Billy Crystal zum wiederholten Male ein, um auf klassische und zähe Weise durch einen langweiligen Abend zu geleiten. Das wollten die Produzenten ändern und haben mit MacFarlane, der dafür bekannt ist, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, den richtigen Griff getan. Er wirkte stilsicher und souverän, seine Witze waren zumeist unterhaltsam und lustig und er bewies sogar eine gute Singstimme. Natürlich konnte er sich den einen oder anderen bösartigen Witz nicht verkneifen, als er beispielsweise das frequentierte Benutzen des N-Wortes in Django Unchained als eine Kopie der Voicemail von Mel Gibson bezeichnete. Als das Publikum nach Luft schnappte, konterte er geschickt: „So you’re on his side?“ Auch der berühmte Eröffnungsmonolog gelang ihm überraschend geschickt. Gerade als man sich fragte, ob er diesen langweiligen Witzestil beibehalten wolle, schwebte eine Leinwand herunter, zeigte William Shattner als Captain Kirk verkleidet und nahm die Show auf die Schippe: brillant! Ein überraschend gutes Händchen der Academy, was durchaus wiederholt werden kann.

 

 

In diesem Jahr wurde die Show zum ersten Mal unter ein Motto gestellt, sie sollte sich am Thema Musik und Musical orientieren, was allerdings im Gesamtbild eher unterging. Einige schöne Stücke aus vergangenen Musicalfilmen wurden vorgetragen, z.B. aus Chicago, Dreamgirls oder Les Misérables, dazu kamen gelegentliche Songeinlagen der nominierten Lieder und solche, die aus speziellen Anlässen erklangen (50 Jahre James Bond z.B.). Alles in allem jedoch war es ein wenig zu viel des musikalisch Guten, schließlich interessierte eher die Verleihung der Goldstatuen und die Show wirkte auch so schon zu lang. Doch genug vom ganzen Drumherum, schauen wir uns lieber die Gewinner im Detail an.

 

Eine komplette Übersicht der Erfolge findet ihr hier.

 

Wie immer gibt es natürlich keine wirklichen Verlierer bei den Oscars und schon gar keine langen Gesichter, schließlich befinden wir uns im Herzen des Schauspiels. In diesem Jahr gab es allerdings auch keinen wirklich großen Gewinnerfilm, stattdessen verteilen sich gerade in den wichtigen Kategorien die Sieger immer auf unterschiedliche Filme, so etwas geschieht nur sehr selten. Die finalen Gewinner bei den Darstellern waren leicht zu bestimmen, allzu viele überraschende Momente konnten uns nicht erwarten. Anne Hathaway nahm ihren Oscar für Les Misérables souverän und gerührt entgegen und spulte eine lange Liste unbekannter Namen herunter, bevor sie sich wieder zu ihrem Platz begab. Bester Nebendarsteller Christoph Waltz setzte erneut seinen Regisseur Quentin Tarantino ins Rampenlicht, der später selbst auch hinauf durfte, um die Trophäe für das beste originale Drehbuch für Django Unchained entgegenzunehmen. Er bedankte sich bei den Autoren der Konkurrenz und bezeichnete 2012 als ein exzellentes Jahr im Bereich der Drehbücher, womit er völlig richtig liegt. Bester Hauptdarsteller wurde erwartungsgemäß Lincoln-Darsteller Daniel Day-Lewis, der eine sehr intelligente und warmherzige Rede hielt, in der er sogar Sinn für Humor bewies. Daniel Day-Lewis ist ein normaler Mensch, wer hätte es bei seiner Rollenauswahl und seinem Talent gedacht! Zudem stellte er einen neuen Rekord auf, niemals zuvor hat ein einziger Schauspieler drei Trophäen für den besten Hauptdarsteller gewonnen. Den spannendsten Kampf lieferten sich die Damen im Bereich der besten Hauptdarstellerin. Schließlich setzte sich Jennifer Lawrence gegen Jessica Chastain durch und war so überwältigt, dass sie auf der Treppe zur Bühne ausrutschte und hinfiel. Es war aber nichts weiter passiert, sie machte kurz darauf in ihrer charmanten Rede alles wieder wett.

 

 

Viele hatten nicht mit einem Sieg von Ang Lee bei den Regisseuren gerechnet und doch stand der ungewöhnliche Künstler gegen Ende des Abends mit seiner zweiten Statue in der Hand auf der Bühne und genoss die Standing Ovation. Sein Film Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger gewann die meisten Trophäen, genau vier Stück. Dies zeigt erneut, wie stark dieser Jahrgang ins Feld zog und einen sehr hohen Qualitätsgrad erreichte. Zwei Überraschungen gab es dann allerdings doch, denn ganz ohne kann man uns wohl kaum ziehen lassen. Chris Terrio (Argo) gewann den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch, eine Kategorie, in der Tony Kushner (Lincoln) oder David O. Russell (Silver Linings Playbook) als absolut sichere Sieger gehandelt wurden. Überrascht wurde auch Mark Wahlberg, der mit seinem Co-Star aus Ted auf die Bühne trat, ja ganz recht, dem perversen Teddybären, der in erster Linie wissen wollte, wo die Oscar-Orgie später steigen sollte. Der Superstar zog nämlich nicht einen, sondern gleich zwei Filme als Gewinner für den besten Sound-Schnitt aus dem Umschlag. Erstaunt verkündete er das Unentschieden zwischen Zero Dark Thirty und Skyfall und überreichte die Oscars an die Sieger, etwas das erst zum sechsten Mal in der Geschichte der Oscars vorkam.

 

 

Als Highlight des stets unterhaltsamen Abends wurde der Oscar an Argo als bestem Film vergeben. Jack Nicholson betrat dafür die Bühne und hatte ohne Zweifel Spaß dabei, seine Co-Ansagerin anzukündigen. Das war nämlich die niemand Geringeres als die First Lady der Vereinigten Staaten, Michelle Obama, die live aus dem Weißen Haus hinzugeschaltet wurde. Die Produzenten Ben Affleck, George Clooney und Grant Heslov wirkten sichtlich bewegt, was Heslov mit einem lockeren Spruch aufbrach: „I know what you’re thinking, three sexiest producers alive.“ Ben Affleck kämpfte mit den Tränen, als er eine kurze, inspirierende Rede hielt, in der er seiner Frau und dem Iran im selben Atemzug dankte, was ihm selbst komisch vorkam. Der Oscar war für Argo ein unerwarteter Glücksfall, allerdings hatten die Mitglieder der Academy keine wirklich andere Wahl. Sie hatten Ben Affleck als besten Regisseur bei den Nominierungen übergangen, was während der letzten Monate immer wieder zum heiß diskutierten Thema geworden war. Die Auswahl bestand nun darin, Affleck entweder diesen Oscar zu geben oder ihn nach dieser Frechheit auch noch gänzlich leer ausgehen zu lassen. Eine größere Entschuldigung hat es wohl selten in der Geschichte der Academy Awards gegeben. Argo selbst war sicherlich ein guter Film, allerdings keiner, dem man den Oscar bei dieser extrem starken Konkurrenz geben muss. Lincoln oder Zero Dark Thirty konnten als Filme deutlich stärker aufwarten, doch einmal mehr haben andere Umstände das Rennen entschieden. So bleibt ein etwas fahler Nachgeschmack, der nur durch Ben Afflecks ungemein ehrliche Rührung gemildert wird.

 

 

Was uns nach alle dem Trubel in Erinnerung bleibt, ist eine tolle Awardshow, die mit einigen kleineren Problemen aufwarten musste, die aber allesamt der Rede nicht wert waren. Von der Überschwemmung in der Damentoilette haben wir ja schließlich vor dem Fernseher nichts mitbekommen. Seth MacFarlane entpuppte sich als großartiger Host, die Musik-Nummern liefen problemlos und es gab so gut wie keine Kleiderpannen, wenn man von einer Oscar-Gewinnerin im Bereich Make-Up absieht, die in knallpinken Leggings auf die Bühne trat. Alles in allem eine unspektakuläre, aber sehr unterhaltsame und stilsichere Show, die uns Freude aufs kommende Jahr bereitet. Für uns persönlich bleibt noch stolz festzuhalten, dass wir deutlich mehr als Hälfte der Gewinner richtig getippt hatten und nur an einer einzigen Stelle wirklich peinlich versagten, aber das dürfte nur den Wenigsten aufgefallen sein. Oh und beinahe hätten wir die wichtigste Kategorie vergessen, auf die Hollywood mit Adleraugen schaut. Der Award für das schönste Kleid geht an: Jennifer Lawrence (mit starker Konkurrenz durch Jessica Chastain, Kerry Washington und Charlize Theron). Wir freuen uns auf 2014!

 

Quellen:  Internet Movie Database, The Hollywood Reporter, E!-Online

 

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2 Antworten to “Oscars 2013 – Zusammenfassung”

  1. abert sagt:

    Dem Bericht ist kaum etwas hinzuzufügen, die Stimmung des Abends wurde bestens wiedergegeben.
    Ein paar Anmerkungen trotzdem:

    Blödeste Ankündigung eines Oscars:
    Kristen Stewart! Diese Dame agierte nur peinlich, konnte ihren Text nicht, wirkte unglaublich gelangweilt. Die kürzeste,peinlichste und ärgerlichste Ansage des Abends!

    Langweiligste und dämlichste Dankrede:
    Die Herren, die den Oscar für „Beste Visual Effects“ erhalten haben. Der Typ ( Life of Pi) quatschte selbst dann noch unglaubliche Mengen von Namen, als die Musik ihn schon zu bremsen versuchte ( Der weiße Hai).
    Der erwähnte wahrscheinlich sogar noch die Klofrau und den Pizzaboten.
    dank schön und gut, aber ein bißchen mehr Phantasie, wenn ich schon nominiert wurde.

    Zu Euren Vorhersagen:
    Im Grunde habt Ihr bei den wichtigsten Kategorien richtig gelegen. Da habt Ihr sehr geschickt zwischen „Favorit“ und Eurer Meinung unterschieden. „Argo“ betreffend wurde ja im Text die Begründung für den Oscar an Ben(jamin) Affleck gegeben.Wenn ich davon ausgehe, lagt Ihr bei den Kategorien „Bester Film“ und „Beste Regie “ persönlich daneben.

    Ganz falsch waren ja nur „Beste Kostüme“ , „Beste Kamera“ und natürlich „Bestes adaptiertes Drehbuch“

    Und so komme ich bei den 24 Kategorien zu folgendem Schlussstand:

    16 : 8 (richtig:falsch)

    Vielleicht könnt Ihr fürs nächste Jahr allen Euren Bloglesern die Möglichkeit einer Abstimmung einräumen ( evtl. mit Preis : Kinoeintrittskarten o.ä.). Das wäre doch eine Anregung!

    P.S.: Zu den Kleidern :
    Ich fand auch das Kleid von Halle Berry schön, und obwohl ich Helen Hunt nicht so mag, war ihre Ehrlichkeit, dass ihr Kleid von H&M stammte erfrischend. bei den vielen Interviews auf CNN war der Ausstatter des Kleides die häufigste Frage.

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  2. Flo sagt:

    Man muss Miss Stewart zu Gute halten, dass sie verletzt war und so ungeschickt auf der Bühne stakste, weil sie ihre Krücken nicht mitnahm. Trotzdem wirkte sie wie immer etwas deplaziert, es kann doch nicht so schwer sein einen Prompter abzulesen.

    Unsere persönlichen Favoriten waren natürlich keine echten Vorhersagen, sondern eher ein „es wäre schön wenn“ gepaart mit „könnte klappen“, von daher daher sind die echten „Favoriten“ natürlich ausschlaggebend gewesen. Kostüme und Kamera waren etwas vorschnell geurteilt von mir, das hätten wir auch hinkriegen können. *g*

    Die Idee mit der Abstimmung gefällt mir gut, wir lassen uns was zum nächsten Jahr einfallen. Die Kleiderfrage ist selbstverständlich Tradition und spiegelt den etwas oberflächlichen Touch der ganzen Geschichte wieder. Die Oscars laufen übrigens auf ABC, nicht auf CNN. 😉

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