Stirb Langsam 5

 

Die Zerstörung einer Ikone!

 

 

Wenn man Menschen befragt, was für sie ein klassisches Beispiel für einen Actionfilm ist, dann bekommt man zumeist die Antwort „Stirb Langsam“. Der Grund dafür waren stets spannende Geschichten, atemberaubende Action, charismatische Bösewichte und nicht zuletzt ein knallharter Cop, der es alleine mit einer ganzen Horde Verbrecher aufnahm und dabei noch coole Sprüche zum Besten gab. Bruce Willis hat der Hauptfigur John McClane mit seinem enormen Charisma zu großer Berühmtheit verholfen und damit eine ganze Ära der Actionfilme geprägt. Jetzt ist der lang ersehnte fünfte Teil der Kultreihe erschienen und stellt die komplette Serie auf den Kopf. Leider nicht zum Guten, kaum ein wichtiges Element der Serie hat es bis in unser Jahr überlebt. Stattdessen penetriert Regisseur John Moore den Zuschauer mit Klischees und Substanzlosigkeit, derer wir in der kommenden Analyse auf den Grund gehen wollen.

 

 

John McClane (Bruce Willis) sorgt sich um seinen Sohn Jack (Jai Courtney), der in Russland wegen Mordes auf der Anklagebank sitzt. Jack behauptet zudem im Besitz brisanter Informationen zu sein, die den Uranhändler Kamarov (Sebastian Koch) schwer belasten würden. In Wirklichkeit arbeitet Jack allerdings für den CIA und versucht Kamarov aus seiner misslichen Lage zu befreien, um mit ihm zusammen die Amtseinführung des neuen Verteidigungsministers Chagarin (Sergei Kolesnikov) zu verhindern. John weiß nichts von diesen Plänen und fliegt nach Russland, um seinem Sohn irgendwie zu helfen. Dort angekommen stößt er aber sehr schnell auf einen Attentatsversuch auf Jack und Kamarov, den er zu verhindern weiß. In alter Haudegen Manier ballert er sich durch Russland, begleitet von seinem wenig begeisterten Sohn, der nach wie vor auf der Suche nach den Beweisen gegen Chagarin ist. Doch schon bald müssen sich die beiden McClanes zusammenraufen, um es mit Handlanger Alik (Radivoje Bukvic) und Kamarovs korrupter Tochter Irina (Yuliya Snigir) aufnehmen zu können. Denn nichts ist mal wieder so, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint, wenn John McClane seinen Beitrag zum Weltfrieden leistet.

 

 

Ich werde zunächst mit den positiven Seiten des Streifens beginnen, da dieses Kapitel sehr schnell abgehandelt werden kann. Genau genommen sind dies zwei Punkte, die in etwa so schwer zu verstehen sind, das „Konzept“ dieses Films. Zum einen ist die Action nicht die Schlechteste, es sieht schon spektakulär aus, wenn Moskau augenscheinlich dem Erdboden gleichgemacht wird und die McClanes ohne Schwierigkeiten durch unfassbare Kugelhagel hechten. Der zweite Pluspunkt des Films ist seine Länge! Nachdem die ersten vier Teile jeweils mehr als zwei Stunden liefen, kommt Teil fünf nur auf 97 Minuten inklusive Abspann, was beinahe schon zu viel der Qual darstellt. Dieses Schundwerk darf keine Minute länger dauern, wenn man nicht vorzeitig das Kino verlassen möchte! Viel zu schmerzhaft ist es, mitansehen zu müssen, wie eine der größten Actionfilm-Serien unserer Zeit zu Grunde gerichtet wird.

 

 

An Stirb Langsam 5 findet selbst der geneigteste Zuschauer keine Punkte, die ihn auch nur ansatzweise an die Genialität der vergangenen Serienteile zurückblicken lässt oder in irgendeiner Form angespannt an die Leinwand fesseln. Die Story, wenn man sie denn so nennen möchte, ist einfach nur ein kruder Brei, den nicht nur jeder schonmal irgendwo gesehen hat, sondern der auch noch mies aufbereitet worden ist. Die zusammenhanglosen Elemente ächzen vor sich hin, jedes für sich bemüht, die Aufmerksamkeit des Betrachters durch noch mehr Krach auf sich zu lenken. Denn etwas anderes gibt es in diesem Film nicht, da die Dialoge sich auf klischeehafte Sprüche beschränken, die weder lustig noch interessant sind und absolut nichtssagend daherkommen. Zusammengehalten wird der Schinken lediglich durch Schlüsselbegriffe wie „waffenfähiges Uran“ in Verbindung mit „böser russischer Wissenschaftler“, was das wohl größte Klischee der modernen Agentenfilme darstellt. Ein Stirb Langsam Film hat es niemals nötig solche Dummheiten auf den Plan zu rufen und so billige Stellungen aufzufahren. Es kommt nicht eine einzige Figur mit modernem Gedankengut daher, das nicht aus dem kalten Krieg stammt. Jeder einfache Filmstudent hätte problemlos Charaktere einbauen können, die Vater und Sohn unterstützen und gleichzeitig das Wohl Russlands im Auge haben. Aber nichts derart Ausgleichendes kommt vor, so dass wir stattdessen diese ekelhafte Defamierung eines Volkes erleben müssen. Es gibt im korrupten, brutalen Russland keinen einzigen „guten Russen“ außer einem singenden Taxifahrer, das scheint die abartige Moral der Story zu sein.

 

 

Als wäre das nicht genug, bringt sich die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Vater und Sohn als einer der zentralen Punkte mit ein. Ich versuche das zusammenzufassen: John will Jack helfen, Jack will ihn nicht hierhaben, sie finden Waffen und Bösewichte und raufen sich zusammen, alles ist gut, Abspann. Kein Tiefgang, keine einzige intelligente Dialogzeile, die sich ansatzweise rund in das Durcheinander fügt. Stattdessen erleben wir zusammenhanglose Szenen, die sich kompromisslos zwischen die Actionelemente drängen und dem Zuschauer ein hilfloses Seufzen entringen. Nicht einmal die beiden Darsteller passen in irgendeiner Form zusammen, sie wirken wie Fremde auf der Suche nach dem Sinn ihrer Maschinengewehre. Selbst in dieser einfachsten aller Aufgaben, nämlich Vater und Sohn sinnvoll zu vereinen, scheitert der Film an seinen Logiklücken, die sich durch den ganzen Film ziehen. Es entsteht kaum eine Szene, ohne dass man nach der Logik oder den Hintergründen fragen muss, da sie vollkommen sinnfrei auf den Plan treten. Wobei natürlich nicht ganz sinnfrei, denn schließlich braucht man immer eine Einleitung, um die nächste halbe Stunde Dauerfeuer beginnen zu können. Zu mehr ist keine einzige Dialogszene gedacht! Da wir gerade von der Action reden, so ist diese an mancher Stelle gar spektakulär, jedoch gleichzeitig so dumm gemacht, dass es schmerzt. Stirb Langsam ist seit jeher an bodenständige Action gewöhnt, der man zumindest ein Mindestmaß an Realismus zutraut. John McClane ist ein harter Brocken, der keine Special Effects braucht, sondern im Dreck seine Hände schmutzig machen muss! Das fällt komplett weg und wird durch unfassbar überzogene, durch Tiefenunschärfe „verfeinerte“ Szenen ersetzt, die ohne Sinn und Verstand an uns vorbeirauschen. Da passt es doch perfekt, wenn angeschossene oder schwer verletzte Menschen spätestens fünf Minuten später wieder voll einsatzfähig sind. Eingefangen wird das Ganze von der wackeligsten Kamera seit Menschen Gedenken. Wie soll man selbst die stupideste Verfolgungsjagd genießen, wenn man sie kaum sehen kann oder davon seekrank wird?

 

 

Und was ist mit den alten Stirb Langsam Elementen, die wir so liebten? Bitte sag uns, dass einige davon noch existieren! Es tut mir Leid, liebe Leser, aber das kann ich nicht tun, da sie allesamt im Sperrfeuer vernichtet worden sind. Es gibt keinen charismatischen Bösewicht in diesem Film, keine ausweglose Situation, in die John McClane einfach so reinstolpert, keine spektakuläre, hintergründige Handlung, bei der man vor Spannung am liebsten in die Leinwand kriechen würde. Nichts ist übrig geblieben von dem alten Charme, der die Serie berühmt gemacht hat und der im vierten Teil auf so großartige Weise neu entfacht worden ist. Und jetzt kommt der absolut schlimmste Part, den man diesem Film überhaupt antun konnte: Bruce Willis ist überflüssig! Er könnte problemlos durch einen anderen 08/15 hirntoten Affen ersetzt werden, es würde keinerlei Unterschied machen. Seine legendären Sprüche sind nicht existent und er stellt eigentlich nur eine lächerliche Witzfigur dar, die hilflos durch das dümmste Durcheinander in der Geschichte der Actionfilme stolpert. Das Ganze wirkt irgendwann so peinlich, dass man nur hilflos den Kopf schütteln kann, wenn John McClane versucht in irgendeiner Form Sinn zu ergeben oder witzig zu sein. Er durfte nicht einmal seinen markantesten Spruch in Gänze von sich geben. Wie kann man einer solchen Kultfigur auf diese Weise Gewalt antun? Eines muss man ihm immer noch lassen: er ist so ein harter Bursche, dass selbst Radioaktivität ihm nichts antun kann. Wenn andere Schutzanzüge und Atemmasken tragen, reicht ihm eine Lederjacke vollkommen aus!

 

 

Fazit:

Um Gottes Willen, bitte meidet das Kino, wenn ihr es bisher noch nicht gewagt haben solltet, Stirb Langsam 5 anzuschauen!  Was ihr hier erlebt, ist die pure Dekonstruktion einer Kultreihe und das auf die übelste und dümmste Weise, die man sich vorstellen kann. Nichts ist mehr übrig von dem, was Stirb Langsam einst berühmt gemacht hat. Die Macher haben es nicht einmal geschafft, die einfachsten wichtigen Elemente (echte und vor allem mehr Charaktere, eine hintergründige dritte Partei, einfachste LOGIK…) hineinzubringen, die einfach unerlässlich gewesen wären, um dem Film ansatzweise so etwas wie Substanz zu verleihen. 97 Minuten lang muss man sich quälen, bis das Herumdümpeln endlich vorbei ist und ein ganzer Kinosaal peinlich berührt den Ausgang anstrebt. Vollkommenes Vermissen von kleinsten Substanzhäppchen, Dummheit und Logiklücken an allen Ecken und Enden, keinerlei Zusammenhänge, da sich nur eine überzogene Actionszene an die nächste reiht und schließlich abgedroschene, ekelhafte Klischees der Marke „Kalter Krieg ist heute“, das ist es was euch hier erwartet. Spart euch das Geld selbst für die DVD, es tut einfach nur weh diesen lächerlichen Schund mitansehen zu müssen.

 

Persönliche Meinung:

Grundgütiger bin ich entsetzt von diesem Streifen! Meine Erwartungen waren nach einigen vernichtenden Kritiken nicht einmal sehr hoch geschraubt, aber dass es sich hierbei um den größten Schrott des neuen Jahrtausends handelt, hatte ich echt nicht erwartet. Ich bin immer noch so erschrocken, wie man es schaffen kann, eine so leichte Aufgabe wie einen guten fünften Stirb Langsam Teil zu drehen, in den Sand setzen kann. Wir Fans wären mit allem Möglichen zufrieden gewesen! Stattdessen bekam für mich das „Fremdschämen“ eine völlig neue Bedeutung, wie ich sie bisher nicht kannte. Ich habe diese Serie so sehr geliebt, besonders die Teile 3 und 4, und nun stehe ich vor dem Scherbenhaufen, der sich da Sequel nennt und schüttele nur den Kopf. Einfach nur unfassbar schlecht! Jeder Filmstudent hätte diesen Film besser geschrieben und gedreht! Ich wünschte, ich würde in irgendeiner Form übertreiben, doch die traurige Wahrheit ist, dass der Kinobesucher hier mit purer Dummheit und Dreistigkeit belagert wird. Ich bin raus, mir wird schlecht, wenn ich dran denke.

Rating: ★★★☆☆☆☆☆☆☆ 

 

Fakten:

Regie:  John Moore

Darsteller:  Bruce Willis, Jai Courtney, Sebastian Koch, Yuliya Snigir

Budget:  $92 Mio.

Deutscher Kinostart: 14. Februar 2013

 

 

Quellen:  Internet Movie Database, Box Office Mojo, moviehdwallpapers.com

 

 

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