Hänsel und Gretel: Hexenjäger

 

Die etwas andere Märcheninterpretation!

 

 

Dass Hollywood sich nicht scheut aus klassischen Geschichten oder gar historischen Zusammenhängen eine von der Realität vollkommen differente Version zu erstellen, kennen wir Kinozuschauer allerspätestens aus Abraham Lincoln: Vampirjäger. Die Gebrüder Grimm wurden ebenfalls des Öfteren schon Ziel einer Verfilmung, meistens jedoch handelte es sich dabei um Wiedergaben ihrer Werke oder Verwendungen so mancher Grundthemen, wie beispielsweise dem Aschenputtel. Tommy Wirkola, ein bisher unbekannter Regisseur, schrieb und drehte nun eine Fassung des klassischen Märchens, die nicht mehr mit dem Original gemein hat, als die Namen der Figuren und dem Grundthema der Hexen. Denn bei Hänsel und Gretel: Hexenjäger handelt es sich um einen Splatter-Actionfilm, der sich nicht scheut ganz klar zu machen, in welche Richtung diese „Interpretation“ gehen soll. Solche Versuche gehen meistens sehr schnell nach hinten los, bleibt also die Frage im Raum, ob Wirkola etwas Sehenswertes geschaffen hat oder wir uns erneut mit Schund begnügen müssen.

 

 

Hänsel und Gretel wurden als Kinder von ihren Eltern im Wald ausgesetzt und entdeckten beim Herumirren im Dunkeln ein Häuschen ganz aus Süßigkeiten bestehend. Hungrig und alleine beginnen sie am Haus zu knabbern und werden schließlich von einer Hexe gefangen und gequält. Doch statt ängstlich im Kochtopf zu enden, wehren sich die Kinder und verbrennen die Hexe in ihrem eigenen Ofen. Von da an machten es sich die Zwillinge zur Aufgabe die Welt von den Hexen zu befreien und streiften durch die Lande, immer auf der Jagd. Als in einer deutschen Stadt schließlich mehrere Kinder verschwinden, werden die beiden erwachsenen Jäger (Jeremy Renner und Gemma Arterton) gebeten, sich des Problems anzunehmen. Schnell entdecken sie die Drahtzieherin hinter all dem Bösen, die Oberhexe Muriel (Famke Janssen). Ihre finsteren Pläne würden die Welt in ein Chaos stürzen und so nehmen Hänsel und Gretel mit Schrotflinte und Armbrust den Kampf auf, nichtsahnend, dass ihre eigene Vergangenheit eine ebenso große Rolle spielt.

 

 

Hänsel und Gretel: Hexenjäger ist genau das, was man von ihm erwartet: Splatter-Action ohne Tiefgang oder Verstand. Das ist auch völlig in Ordnung so, kann der Film an einigen Stellen punkten, die ihn zu einem durchaus unterhaltsamen Kinovergnügen machen. Das wichtigste Kriterium des ganzen Filmes ist die Tatsache, dass er sich selbst nicht ernst nimmt. Auf andere Weise könnte er auch niemals funktionieren, da sich zu viele Verrücktheiten, und auch Unzulänglichkeiten, abspielen, die sonst keinen Spaß machen würden. Der Zuschauer darf während des Films zu keinem Zeitpunkt irgendeine Form von Logik hinterfragen oder geplante Zusammenhänge erwarten! Wenn man das schafft, kann man an der Action viel Spaß haben, andernfalls artet das Ganze in eine kaum enden wollende Peinlichkeit aus. Also tief durchatmen, bevor man den Kinosaal betritt und das Licht ausgeht und sich einfach treiben lassen, anders erträgt man die Probleme des Films nicht.

 

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Hänsel (beim Anblick des vergammelten Knusperhauses): „Hier habe ich eine Sache gelernt: Don’t eat the fuckin‘ candy!“

 

 

Die Strukturen des Films sind  beinahe gänzlich uninteressant und stören eher beim Schauen. Selten habe ich einen Film erlebt, der für so viele unfreiwillige Lacher sorgte, die sich durch das ganze Publikum zogen. Angefangen bei einem zuckerkranken Hänsel, bis hin zur Wiederbelebung per Elektroschocker. Das konnte der Autor unmöglich ernst gemeint haben, wenn er sich nicht vollkommen lächerlich machen wollte. Auch die Dialoge passen in dieses Bild und rahmen den Film in ein seltsam anmutendes Gebilde aus Schmunzeln und Kopfschütteln. Man weiß genau, dass das Präsentierte unglaublich dämlich und billig ist, aber gleichzeitig macht es einfach Spaß hinzuschauen. Letzten Endes muss jeder Besucher für sich selbst entscheiden, ob ihm die unfreiwillige Komik, die schwachen Dialoge und die schräge Handlungsführung zu viel sind oder ob er sich darauf einlassen kann. Zumindest kann am Ende der Vorstellung niemand behaupten, es wäre zu wenig Action oder Coolness vorhanden gewesen.

 

 

Umso verwunderlicher ist es, dass sich einige Stars für diesen Film verpflichten ließen, die sonst eigentlich in eher anspruchsvolleren Filmen zu finden sind. Jeremy Renner kann bereits zwei Oscar-Nominierungen für sich verbuchen und muss sich nicht sonderlich anstrengen, um Hänsel zu „portraitieren“. Während des Films stellt sich mehr als einmal die Frage, ob er gemerkt hat, welchen Schwachsinn er da teilweise von sich geben muss. Die Vermutung liegt allerdings recht nahe, denn sowohl er, als auch Gemma Arterton wirken zwar cool und unnahbar, aber immer irgendwie unfreiwillig komisch. Wenn die beiden sich durch alle möglichen ausweglosen Situationen kämpfen, mindestens fünf Schädelbasisbrüche über sich ergehen lassen und eigentlich keinen heilen Knochen mehr im Leib haben sollten, stellt sich Hänsel vor seine Schwester, zeigt wütend auf einen kleinen Kratzer an ihrem Kopf und fragt mit steinerner Miene: „Wer hat dir das angetan?“. DAS ist Trash auf allerhöchstem Niveau! Ironischerweise sind es genau diese Szenen, die den Film retten und doch noch einmal aufwerten. Denn selbst wenn man ganz objektiv alles runterziehen müsste, so hält der Film immer sein Tempo, seine Abgedrehtheit und diesen Splatter-Charme, was ihn rund und konsistent wirken lässt. Dadurch hat man das Gefühl, dass sich eine gewisse Struktur hinter allem verbirgt und lässt sich gerne auf das niedrige Niveau herab.

 

 

Fazit:

Man kann gegen Hänsel und Gretel: Hexenjäger wettern und schimpfen wie man will, am Ende macht er trotzdem Spaß. Er ist bei Leibe kein guter Film, den man gesehen haben muss, aber für Freunde von Action und Splatter genau das richtige. Die Darsteller passen gerade wegen ihrer durchschnittlichen Darbietung exzellent in das Konzept, er wirkt nie billig inszeniert und besitzt weder Längen noch Abweichungen. Nach dem Debakel mit dem doppelt so teuren fünften Stirb Langsam ist dieser Film eine willkommen Abwechslung, die man sich gerne ansieht. Man sollte jedoch wie gesagt nicht zu viel erwarten, da man andernfalls nur enttäuscht werden kann. Wer sich dieses Machwerk im Kino doch noch anschauen möchte, sollte sich eine große Tüte Popcorn mitnehmen und zurücklehnen, nachdem das Gehirn erfolgreich abgeschaltet wurde. Wobei man in so einem Film eigentlich eine Strichliste für Dummheiten führen müsste, um die erschreckende Wahrheit zu erkennen. Hoffen wir mal, dass die Gebrüder Grimm das hier nicht mitkriegen, sonst entsteigen sie freiwillig ihrem Grab, um Tommy Wirkola zu steinigen.

 

 

Persönliche Meinung:

Ich war mehr als skeptisch und musste gezwungen werden, diesen Film überhaupt anzuschauen. Letzten Endes war das schon in Ordnung, es hat sich auf gewisse Weise gelohnt Hänsel und Gretel bei ihrer Jagd zu begleiten. Manchmal wollte ich meinen Kopf allerdings ganz fest gegen irgendetwas Hartes klopfen, weil mir die Dialoge und Logikprobleme fast zu viel wurden. Doch ich habe durchgehalten, indem ich meine Ansprüche nach und nach noch weiter gesenkt hatte, bis ich feststellen musste, dass der Film auf diesem unteren Niveau tatsächlich Spaß macht. Selbst im Nachhinein würde ich nochmal schauen, wenn auch nicht im Kino, da es leichte Kost ist und einfach Spaß bereitet. Er unterscheidet sich in dieser Hinsicht stark vom fünften Stirb Langsam, der in allen (!) Belangen einfach nur unterirdisch wirkte. So manchen Handlungsverlauf hätte ich mir anders gewünscht, so manche Wendung wirkte einfach nur deplatziert und dämlich, aber letzten Endes kommt es darauf an, ob ich Spaß im Kino hatte oder nicht. Mir hat er Spaß gemacht, aber er ist sicher nicht jedermanns Sache! Und nein, das ist mir nicht peinlich! Schließlich bin ich nicht der einzige, das Kino war selbst in der dritten Spielwoche bis an den Rand gefüllt.

Rating: ★★★★★★☆☆☆☆ 

 

Fakten:

Regie:  Tommy Wirkola

Darsteller:  Jeremy Renner, Gemma Arterton, Famke Janssen, Peter Stormare, Pihla Viitala

Budget:  $50Mio. 

Deutscher Kinostart:  28. Februar 2013

 

 

Quellen:  Internet Movie Database, Box Office Mojo, HDwallpapers.in

 

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