Fast & Furious 6

 

Coole Sprüche, heiße Boliden, immense Action!

 

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Kaum eine andere Filmreihe verkörpert derart extrem das testosterongeladene Idealbild männlicher Träumerei, wie es die Fast & Furious Reihe tut. Seit Jahren begeistert uns Regisseur Justin Lin mit immer neuen Geschichten und Figuren rund um die heißesten Boliden der Filmgeschichte. Gerade der fünfte Teil begeisterte die Zuschauer mit neuen, stimmigen Charakteren und einem furiosen Katz- und Maus Spiel. Nun schickt sich Teil 6 an, es seinem Vorgänger gleich zu tun und schickt die identische Crew, mit allem was die Serie je ausgemacht hat, ins Rennen. An der Kinokasse kann der Film nicht viel falsch machen, er wird problemlos immense Zahlen einholen. Doch wie steht es um den Charme, der sich seit dem ersten Teil 2001 einem starken Wandel unterzogen hat? Und vor allem: Macht der Film noch genug Spaß oder ist die Thematik an ihrem Ende angekommen?

 

 

TeamDominic Toretto (Vin Diesel) ist entsetzt, als ihm der knallharte Cop Hobbs (Dwayne Johnson) ein aktuelles Bild seiner totgeglaubten Geliebten Letty (Michelle Rodriguez) vorhält. Er behauptet sie würde mit dem brutalen und hochintelligenten Verbrecher Owen Shaw (Luke Evans) zusammenarbeiten, dessen Crew auf der Jagd nach hochbrisantem Explosivmaterial zu sein scheint. Hobbs bittet Dom und seine Crew um Hilfe bei der Jagd, da die Polizei überfordert scheint. Das lässt sich dieser nicht zweimal sagen und trommelt mit Hilfe des frisch gebackenen Vaters Brian o’Connor (Paul Walker) sein Team zusammen. Wie immer bestehend aus Großmaul und Sympathieträger Roman (Tyrese Gibson), Technikgenie Tej (Ludacris), dem charmanten Japaner Han (Sung Kang) und dessen heißer Freundin Gisele (Gal Gardot) geht die Crew an die Arbeit, um die Familie wieder zu vereinen. Unterstützung erhalten sie dabei von Hobbs und seiner neuen Partnerin Riley (Gina Carano). Doch Shaw scheint ihnen stets einen Schritt voraus zu sein und besitzt Technologien und Einfluss, die ihn nahezu unangreifbar machen. Jetzt braucht es mehr als nur ein paar schnelle Wagen, um ihm das Handwerk zu legen.

 

 

Einen solchen Film objektiv zu beurteilen ist nahezu unmöglich, weil er zu viele Begeisterungs- aber auch gleichzeitig Ernüchterungsebenen aufmacht, die das Publikum spalten werden. Er richtet sich selbstverständlich in erster Linie an die männliche Zuschauerschaft und spielt mit den ureigenen Trieben der männlichen Phantasien: scharfe Autos, heiße Frauen, extreme Action und nicht zuletzt unendliche Coolness. Dieser Begriff ist von kaum einem Schauspieler so sehr geprägt worden, wie von Vin Diesel und das schafft er auch in diesem neuen Film mit gewohnter Stärke. Wem das alles reicht, um einen unterhaltsamen Kinoabend verbringen zu können, dem sei dieser Film bereits jetzt empfohlen. Kann man also vorbehaltlos behaupten, dass dieser Streifen sein Ziel erreicht hat und somit für jeden Actionfan ein Muss wird? Ja und Nein, denn im Gegensatz zum fünften Teil finden sich einige Makel, die schmerzhafter sind, als es sich selbst Actionfans wünschen mögen.

 

 

Aber zunächst einmal zum Positiven. Dass das Team das Rad nicht neu würde erfinden, war von vorneherein klar und ist auch völlig in Ordnung so. Die alten Stärken werden hervorgeholt und zur weiteren Veredelung bearbeitet, bevor die eine oder andere minimale Neuerung das Parkett betritt. Die größte Neuerung ist sicherlich, dass die Crew dieses Mal auf der Seite des Gesetzes steht, was aber trotzdem nicht allzu viele Veränderungen in ihrer Arbeitsweise hervorruft. Die Action sitzt absolut makellos im Sattel, teilweise hat man gar das Gefühl, dass Justin Lin am liebsten ganze Städte dem Erdboden gleichgemacht hätte. Ob die Crew nun einen Panzer oder ein Frachtflugzeug mit ihren Autos jagt, die Szenen sind erstklassig eingesetzt und bieten dem Actionfan alles was er braucht. Ein wenig mehr Fokus auf die Autos wäre allerdings wünschenswert gewesen, da man die meiste Zeit das Gefühl hat, die Fahrer säßen in irgendwelchen identitätslosen und austauschbaren Boliden. Prinzipiell hat der Zuschauer aber auch so genug zu tun, wenn er die Übersicht behalten möchte. Die meisten Charaktere schleppen ihre persönlichen Problempäckchen mit sich herum, die zusätzlich zur Hauptstory und der Action auch noch durchgearbeitet werden müssen. Immerhin hält Lin diesen Teil absolut banal und nichtssagend, so dass man sich problemlos weiter auf die Explosionen vorbereiten kann.

 

 

RockDiese Action, so genial sie letztlich auch sein mag, wirkt leider häufig erzwungen und extrem konstruiert. Eines war schließlich von vorneherein klar: Das Drehbuch würde selbst bei einem Grundschüler zu keiner Klassenversetzung führen. So ist es dann leider auch, teilweise sogar noch schlimmer, da sowohl die Dummheit der Dialoge als auch die unfassbar offensichtlichen Logiklücken fast schon beleidigend für jeden normaldenkenden Menschen wirken. Natürlich ist es nicht das Ziel des Films mit Tiefgründigkeit zu punkten, aber es wäre trotzdem schön gewesen, wenn man als Zuschauer das Gefühl bekäme, die Macher hätten sich wenigstens die Mühe gemacht, die gröbsten Schnitzer zu flicken. Teilweise beschleicht den Zuschauer die Ahnung, in einem Cartoon zu hängen, der endlos dumme Dialoge ausspuckt und nur gelegentlich mit coolen Sprüchen (vor allem Roman!) und großen Explosionen punkten kann. Bei so mancher Handlungswendung kann man sich als Zuschauer einfach nur an den Kopf fassen und sich fragen, ob wirklich ein intelligentes Wesen am Schreibwerk beteiligt gewesen ist. Bei aller Freude über gelöste persönliche Probleme, wie z.B. bei Brians kleinem  Trip nach L.A., so wirken diese Teile so unnötig und so dumm, dass man es auch gleich lassen kann und stattdessen die Stärken des Films wieder in den Vordergrund rücken sollte. Gleiches gilt für die Actionszenen, es gibt keine einzige, die nicht künstlich und konstruiert herbeigeführt wird, anstatt sich harmonisch ins Bild einzuführen.

 

 

ShawVin Diesel ist wie immer die coolste Sau auf Gottes Erde, anders kann man ihn einfach nicht beschreiben. Auch die anderen Crewmitglieder spielen ihre Rolle solide runter, groß punkten kann man in einem solchen Film schauspielerisch ohnehin nicht. Fast & Furious 6 ist erstaunlich witzig, was man bisher selten in dem Genre erlebte, da zumeist die Coolness sehr viel wichtiger interpretiert wird. Besonders Roman Pierce bringt einige unendlich witzige Szenen, an denen selbst der größte Kritiker seinen Spaß haben wird. Unfreiwillig und manchmal sogar gewollt lustig ist auch Dwayne Johnson, der seine Rolle mit viel Selbstironie und offensichtlichem Spaß genossen hat. Es macht viel Freude den 300 Pfund reiner Muskelmasse bei der „Arbeit“ zuzusehen! Besonders hervorzuheben ist auch Luke Evans als Bösewicht Owen Shaw. Seine stete Unberechenbarkeit ist, gepaart mit den eiskalten Augen und der offensichtlichen Brutalität, eines Gegenspielers würdig. Natürlich ist es schade, dass die meisten Wendungen sehr vorhersehbar sind, gerade was das Schicksal der einzelnen Figuren angeht. Trotzdem erwartet den Zuschauer kurz nach Beginn des Abspanns noch eine große Überraschung, die sehr viel Lust auf einen siebten Teil macht, der bereits für das kommende Jahr geplant ist.

 

 

Fazit:

Das Fazit all dieser Kritik ist simpel: sie ist uninteressant! Denn der Film bringt dem Fast & Furious Fan genau das, was er erwartet und erfüllt einfach jeden Wunsch, den ein Actionfan haben könnte. Ja, er ist dumm, vorhersehbar, fast schon beleidigend unlogisch und entbehrt nicht einer gewissen unfreiwilligen Komik. Aber das interessiert doch niemanden, solange der Film unglaublichen Spaß macht! Und damit kann er definitiv punkten. Man sieht ihn sich gerne an, eben weil er das Fast & Furious Bild so hervorragend einfängt und die geliebten Figuren harmonisch zusammenbettet, selbst wenn sie nicht viel Gehalt besitzen. Einziger echter Kritikpunkt ist die immer weiter geführte Abkehr von den illegalen Straßenrennen. Dies war einmal das Herz der Serie und es ist bedauerlich, dass dieses Milieu beinahe gänzlich aus dem Fokus des Films gefallen ist und stattdessen der Wert von Waffen steigt. Im nächsten Teil erwarten wir dann aber endlich wieder neue Figuren, die sich dauerhaft in die Familie eingliedern, es ist mal wieder an der Zeit.

 

 

Persönliche Meinung:

Es gab Szenenapplaus im Kino! Muss ich mehr sagen, um dem eingefleischten Fan der Serie ein gutes Gefühl zu geben? Zugegeben klatschte und jubelte die eine Hälfte aufgrund der hammerharten Actionsequenz, während die andere das Ganze mit einem lautstarken „JA KLAAAAAAAAR!“ begleite. Ich sage nur folgende Stichworte: Highway, Panzer, zwei fliegende Menschen. Ihr werdet wissen, was gemeint ist, wenn ihr euch zu einem Kinobesuch entscheiden sollte. Aber diese Reaktion soll in erster Linie verdeutlichen, dass der Film sein Geld wert ist, solange man gewisse Grundbedingungen erfüllt. Man darf sich nicht von unrealistischer Action oder unendlicher Dummheit abschrecken lassen, muss auf markante Sprüche, starke Kerle und geile Autos stehen und man muss die Fähigkeit besitzen, sich einfach nur mal im Kinosessel zurücklehnen zu können und eine solche Actionschlacht genießen zu können. DANN seid ihr richtig, ansonsten braucht ihr nicht einmal ansatzweise Kinokarten bestellen. Ergo: ein klarer Männerfilm!

Rating: ★★★★★★★☆☆☆ 

 

Fakten:

Regie:  Justin Lin

Darsteller:  Vin Diesel, Paul Walker, Michelle Rodriguez, Dwayne Johnson, Tyrese Gibson, Ludacris, Gal Gardot, Jordana Brewster, Gina Carano, Luke Evans, Elsa Pataky

Budget:  $160Mio.

Deutscher Kinostart:  23. Mai 2013

 

Quellen:  Internet Movie Database, Box Office Mojo, reihesieben.de

 

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Fast & Furious 6, 7.0 out of 10 based on 1 rating


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