Man of Steel

 

Mann aus Stahl oder der ewige Strampelanzug?

 

 

Superman ist einer der legendärsten Superhelden, der uns jemals in Comics oder Verfilmungen begegnet ist. Ende der 70er und während der 80er Jahre hat uns der inzwischen verstorbene Christopher Reeve als Clark Kent begeistert und sich endlose Duelle mit Lex Luthor alias Gene Hackman geliefert. Im Jahr 2006 versuchte sich erneut ein riesiges Projekt an der Wiederbelebung des einzigartigen, ursprünglichen Helden und scheiterte gnadenlos. Der viel zu teure Film war schlecht geleitet und produziert worden, mit einem milchbubigen Sonderling in der Hauptrolle, dem man die Figur niemals abnehmen konnte. DC Comics hatte damit ein Problem, da Marvel mit den hauseigenen Helden einen gigantischen Erfolg erzielte, der letztlich in den Avengers 2012 mündete. Die Kultfirma musste nachlegen und hatte lediglich mit Christopher Nolans Batman Reihe den gewünschten Erfolg. Und genau darauf möchten die Produzenten nun aufbauen, denn Nolan schrieb und produzierte diesen neuen Anlauf, Superman eine echte neue Stellung in der Filmwelt zu verleihen. Regie führte Zack Snyder, den man bereits von Kultfilmen wie 300 oder Watchmen kannte. Ein einzigartiges Gespann, das mit einem Film dieser Größenordnung niemals überfordert sein konnte, oder?

 

 

Clark Kent (Henry Cavill) ist ein junger Mann, der auf der Suche nach seiner wahren Herkunft durch die Welt reist und Menschen in Not beisteht. Vor vielen Jahren zerbarst sein Heimatplant Krypton durch die Ausbeutung des Planetenkerns und vernichtete beinahe gänzlich sein Volk. Sein Vater Jor-El (Russell Crowe) und seine Mutter Lara Superman(Ayelet Zurer) konnten den Neugeborenen retten, bevor er in die Hände des bösen General Zod (Michael Shannon) fallen konnte. Sie schickten ihn in einem Raumschiff zur Erde, wo er auf der Farm von Jonathan Kent (Kevin Costner) und seiner Frau Martha (Diane Lane) bruchlandete. Sie nahmen das Baby bei sich auf und erzogen ihn zu einem Mann, der die Welt mit Verantwortung und Selbstkontrolle trotz seiner immensen Kräfte behandelte. Schließlich findet Clark seine Antworten in einem abgestürzten Raumschiff im ewigen Eis, wo er von der Reporterin Lois Lane (Amy Adams) überrascht wird. Sie setzt alles daran, den mysteriösen Fremden zu finden und seine Geschichte zu erzählen, was ihr Boss Perry White (Laurence Fishburne) wenig amüsant findet. Doch die Ereignisse setzen sich schneller in Gang als allen Beteiligten lieb gewesen ist, da Zod und seine Crew überlebt haben und nun auf der Suche nach Kal-El/Clark Kent die Erde heimsuchen. Clark muss sich entscheiden, sein Schicksal anzunehmen und für die Menschen zu kämpfen oder im Verborgenen zu bleiben. Die scheinbar unaufhaltbaren Krieger Kryptons können nur von einer Figur in Schach gehalten werden und schon bald macht sich eine Welle der Zerstörung über Metropolis breit.

 

 

Werfen wir zunächst einen Blick auf die guten Seiten dieser Verfilmung, bevor auch Kritik geäußert werden muss. Wie es bereits bei Batman Tradition gewesen ist, haben sich David S. Goyer und Christopher Nolan darauf konzentriert, eine sehr bodenständige Geschichte zu erzählen. Superman musste als Clark Kent in die Welt eingeführt werden, um seine Entwicklung zu beleuchten und ihm Tiefe zu verleihen, wenn er sich in die Welt der Menschen integrieren möchte. Also verliehen sie  Kal-El eine äußerst menschliche Seite, die zu betonen der Film auch nicht müde wird. Dies ist eines der gelungensten Elemente, da Zack Snyder es versteht, die Geschichte des Jungen, der zum verantwortungsbewussten Mann heranwächst, in Rückblenden plausibel zu gestalten und als wichtig für die Entwicklung herauszuarbeiten. Clark muss seinen Weg in der Welt der Menschen finden und um Akzeptanz kämpfen. Dies währt allerdings nur eine gewisse Zeit, denn irgendwann orchestriert Snyder eine Zerstörungsgewalt der Superlative. Die Spezialeffekte sind spektakulär und verleihen dem Film eine visuelle Basis, die man einfach nur „extrem“ nennen kann.  Kaum ein Stein bleibt auf dem anderen, wenn sich Superman und Zod durch komplett Metropolis werfen und prügeln und reihenweise Hochhäuser zum Einsturz bringen. Allgemein sind die bösen Soldaten Zods extrem gut gemacht und wirken übermächtig stark und absolut cool. Insgesamt ist die Atmosphäre wirklich gut gelungen, was bei einer solchen Verfilmung immer ein starker Pluspunkt ist.

 

 

MAN OF STEELAber diese visuelle Bildgewalt hat auch ihre Schattenseiten, denn nach einer Weile wird man als Zuschauer davon erschlagen. Es gibt kaum einen Moment der Ruhe, in der man ein Resümee ziehen kann oder mal die Figurenbeziehungen zu ordnen in der Lage ist. Stattdessen folgen auf endlos lange Explosionswellen gleich die nächsten, bis man das Gefühl hat, jeden Moment muss auch die 3D Brille mitfliegen. Spezialeffekte in allen Ehren, aber wenn es die Struktur des Films und die Überreizung des Zuschauers derart beeinflusst, dann haben es die Macher übertrieben. So schön die ausführliche Exposition auch gelungen ist, sie wird durch diese Bildmacht simplifiziert und beinahe schon negiert, weil es letzten Endes auf einen einzigen Punkt herausläuft, für den es nicht viel Mühe braucht: Superman rettet die Welt ohne Fragen zu stellen. Der Charakter wird leider in der zweiten Hälfte des Films marginalisiert und eindimensional, was er definitiv nicht verdient hat. Das gilt auch für den gesamten Rest des Films, der in den letzten 90 Minuten aus einem stakkatohaften Dauerfeuer besteht und nichts sonst. Für Fans von extremer überdimensionierter Action ist das natürlich absolut genial, aber von einem Nolan/Snyder Film erwartet man einfach mehr. 

 

 

Snyder fährt eine umfangreiche Besetzungsliste auf, die mit einer langen Reihe bekannter Namen glänzen kann. Kevin Costner und Diane Lane gefallen gut als Eltern des neuen Helden, während Laurence Fishburne leider nicht viel zu tun bekommt, was sich im Sequel sicher ändern wird. Amy Adams wirkt überzeugend als engagierte und ehrgeizige Reporterin, die sich nichts gefallen lässt. Natürlich muss sie eine Menge „Fall“-Momente über sich ergehen lassen, in denen Superman sie rettet, aber das hatte MAN OF STEELman auch nicht anders erwartet. Unverständlich ist zwar, weshalb das Militär ihr so viel Verantwortung überlässt, das sei aber für den Moment dahingestellt. Äußerst überzeugend sind sowohl Michael Shannon als Zod, als auch Russell Crowe als Jor-El. Es war nicht zu erwarten, dass gerade Crowes Rolle so umfangreich ausfällt, doch besitzt er viel Screentime und nutzt diese auch gut aus. Die ersten 20 Minuten sind sehr atmosphärisch und äußerst gut gelungen und er personifiziert einen Großteil dieser Zeit. General Zod reiht sich überraschend gut in die Science-Fiction Tradition von fremden Welten und Kulturen ein, die vor allem in Büchern unserer Zeit zelebriert wird. Einer fremde Zivilisation, die ihr eigenes Wohl im Auge hat und entsprechende Maßnahmen ergreift, kann man aus rein analytischen Gründen nur schwer ein Unrecht nachweisen, selbst wenn wir das auf der Erde als solches erkennen. Zod verkörpert diesen Geist von Krypton, so dass er beinahe eine Form von Sympathie für sich gewinnen kann. Aber letzten Endes hängt alles vom Hauptdarsteller ab und da wurde mit Henry Cavill eine ordentliche Wahl getroffen. Er strahlt diese überirdische Integrität und Ehrlichkeit aus, diesen Stolz und Gerechtigkeitssinn, den Jonathan Kent seinem Sohn beigebracht hat. Und ihm steht das Kostüm hervorragend, was im Falle Superman schon immer für Diskussionen gesorgt hat. Alles in allem verkörpert Cavill seine Rolle sehr gut und dürfte auch für das Sequel und eine eventuelle Justice League von  DC gebucht sein.

 

Fazit:

Man of SteelMan of Steel macht vieles richtig, von der gelungenen Charakterentwicklung, über starke atmosphärische Pluspunkte, bis hin zu spektakulären Spezialeffekten. Aber es liegt auch einiges im Argen, denn die Effekte sind extrem überladen und blenden den Inhalt in der zweiten Hälfte nahezu komplett aus. Zudem kommt eine etwas unsichere Struktur, wie man am Verhältnis von Lois und Clark gut erkennen kann. Die Hälfte der Zeit stehen sie sich wortlos gegenüber und starren sich in die Augen, was vermutlich Tiefgründigkeit bedeuten soll. Im Falle der überladenen Effekte ist es lediglich verschenkter Raum, in der man die Beziehung der beiden expliziter hätte entwickeln müssen. Man of Steel muss sich entsprechend derselben Kritik stellen, wie es auch der letzte Star Trek tun musste: Er wirkt mechanisch inszeniert und dadurch etwas inkonsistent und seelenlos. Das ist sehr schade, denn das Potential war definitiv vorhanden und hätte mit ein wenig mehr Feingefühl zu eine noch gigantischeren Film werden können. Für Freunde von Action und Superhelden trotz alledem ein klares Muss!

 

Persönliche Meinung:

Der Film macht Spaß, er besitzt eine Menge WOW-Momente und die Charaktere sind äußerst sympathisch. Alleine die ersten 20 Minuten haben mich vollkommen vereinnahmt, ich war hellauf begeistert. Leider flacht das Ganze immer weiter ab, je größer und gigantischer versucht wird, die Spezialeffekte zu gestalten. Weniger wäre hier deutlich mehr gewesen, denn bei einer so gelungenen Einführung war das Potential zur klaren Entwicklung der Charaktere mehr als vorhanden. Trotzdem hat der Film eine Wertung jenseits der 7 verdient, da der Coolnessfaktor und die Inszenierung überzeugen und die Harmonie des Films einfach stimmt. Man nimmt leider nicht viele Bilder mit aus dem Kino, ähnlich wie bei Star Trek into Darkness, trotz der Übergewalt der Bildflut. Ein seltsames Phänomen, was nicht für den Film spricht und ihn zu einer Einmaligkeit werden lässt ohne Bestand. Wirklich schade, denn der Rest ist rund und ansehnlich und bekommt mehr als einmal epische Dimensionen. Vor allem der grandiose Soundtrack von Hans Zimmer ist mal wieder ein Erlebnis und erinnert teilweise an die Dark Knight Trilogie.

Rating: ★★★★★★★½☆☆ 

 

Fakten:

Regie:  Zack Snyder

Drehbuch:  David S. Goyer und Christopher Nolan

Darsteller:  Henry Cavill, Amy Adams, Russell Crowe, Michael Shannon, Diane Lane, Kevin Costner, Laurence Fishburne, Ayelet Zurer, Antje Traue

Budget (ohne Marketing):  $225. Mio

Musik:  Hans Zimmer

 

Quellen:  Internet Movie Database, Box Office Mojo, digitalafro.com

 

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