Gravity

 

Überleben in der Stille des Alls!

 

Gravity

 

Der Weltraum ist eines der größten Mysterien, denen der Mensch in seiner Existenz entgegen tritt. Genau wie in den Tiefen des Meeres fühlen wir uns unwissend und schutzlos und doch mit einem enormen Entdeckungsdrang ausgestattet, der so manchen Menschen das Leben gekostet hat. Alfonso Cuarón ist ein visionärer Regisseur, der mit Children of Men und Y tu mamá también bereits bewiesen hat, welches Potential er ausschöpfen kann. Mit Gravity geht er sogar noch einen Schritt weiter und verbindet nicht nur emotionale Tiefe mit präziser Inszenierung, sondern verwöhnt den Zuschauer zusätzlich mit einer unglaublichen Bildgewalt. Doch es stellt sich eine entscheidende Frage, die so manch Interessierter nach dem Trailer haben könnte: Wie kann man die Geschichte um den Überlebenskampf zweier Astronauten im Weltall auch über eine komplette Filmlänge interessant gestalten? Um eines vorwegzunehmen: Dieser Film schafft dies absolut meisterhaft und wird nicht umsonst bereits jetzt als einer der heißesten Oscar-Favoriten gehandelt!

 

 

 

Stone and KowalskiDr. Ryan Stone (Sandra Bullock) ist Wissenschaftlerin, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Matt Kowalski (George Clooney) Reparaturen am Hubble-Teleskop im All durchführt. Als ein russischer Satellit in ihrer Umlaufbahn abgeschossen wird, driften die Trümmerteile mit höchster Geschwindigkeit auf die Astronauten zu und zerstören ihr Shuttle. Alleine im Weltall versuchen sie die Internationale Raumstation ISS zu erreichen, die ebenso von schweren Verwüstungen gezeichnet ist. Fortan beginnt für Stone ein Kampf ums Überleben, immer an der Grenze zum Unschaffbaren.

 
Wie man unschwer erkennen kann, ist die Inhaltsangabe des Films äußerst kurz geraten, was zum einen daran liegt, dass die Hauptstory einem klar erkennbaren Pfad folgt. Zum anderen soll auch nicht zu viel gespoilert werden, denn genau diese Spannung macht einen der Hauptpunkte des Films aus. Doch beginnen wir zunächst bei den visuellen Effekten, da diese einfach atemberaubend sind und den Zuschauer mehr als einmal mit offenem Mund dastehen lassen. Das liegt aber nicht daran, weil der Film komplett computergeneriert erscheint, sondern weil er genau das vermeidet. Selten kann man an einem Film Dr. Stoneeinen solchen Realismus erkennen, ohne dabei aufwendige Effekte oder bombastische Explosionen herausfiltern zu müssen. Die Situation im Weltall wird durch verschiedene technische Effekte so dramatisch unterstrichen, dass der Zuschauer zwischen klaustrophobischen Atemproblemen und schierem Staunen hin und herwechselt. Besonders eingängig erscheint neben den optischen Effekten vor allem der Bereich des Sounds. Die fast schon beängstigende Stille untermalt sich mit hektischen Atemgeräuschen der Astronauten und ihren verzweifelten Handgriffen, die selten zu hören sind. Es dauert eine Weile, bis man sich daran gewöhnt hat, dass keine wirklich sonstigen Soundeffekte stattfinden, außer einigen wenigen Situationen innerhalb von Shuttle/Raumstation, in denen Knöpfe gedrückt werden müssen oder Alarmsirenen erschallen. Der ganze restliche Film besteht ausschließlich aus Stille, Atemgeräuschen, der wenigen Kommunikation der Astronauten und gelegentlichen, aber sehr wenigen sonstigen Geräuschen, die sich fast schon störend in die Stille des Weltalls eingraben.

 

 

Der WegDie Darstellung der Schwerelosigkeit und der Realismus der Weltallsituation sind beängstigend präzise inszeniert. Jedes Detail scheint perfekt aufeinander abgestimmt zu sein, seien es Soundeffekte, der wunderschöne Soundtrack, der die Stille gelegentlich unterbricht oder der mit Spannung angezogene Handlungsstrang. Besonders hervorzuheben sind die Kameraführung und die Perspektiven, die diese eröffnet. Wie man im beigefügten Trailer erkennen kann, benutzt Cuarón kaum Schnitte, egal in welcher Situation. Selbst die unglaublichsten Weltallstunts meistert er mit einem einzigen Schnitt und einer stets am Geschehen bleibenden Kamera. Gelegentlich Shots aus dem Inneren des Helms von Dr. Stone vervollständigen die packende Atmosphäre, die das ganze Kino in reines Schweigen versetzen wird. Hinzu kommt natürlich die Orbitperspektive, die wunderschöne blicke auf die Oberfläche der Erde freigibt. Man kann die Sehnsucht der Astronauten zu überleben und die Erde wieder betreten zu können beinahe mit Händen greifen, wenn diese Bilder auf einen einströmen. Nie zuvor hat es solch eine Atmosphäre in einem Film gegeben, der mit kaum etwas anderes auskommen muss als Stille, dem Überlebenskampf im Nichts und dem Blick auf die Oberfläche der Erde. Atemberaubend!

 

 

Dr. Stone 2Ein Minimum an Personal war vonnöten, um diesen Film auf die Leinwand zu bringen. Gerade einmal zwei Schauspieler sind es, die den ganzen Film über zu sehen sind, gelegentlich unterbrochen von Stimmen des Kontrollcenters in Houston. George Clooney spielt den abgebrühten Astronauten Matt sehr souverän und meistert seine Parts ohne jegliche Schwierigkeit. Sein primärer Zweck besteht darin die Dramatik zu erhöhen, wenn er aus seiner Coolness herausfällt und plötzlich ernsthaft wird. Sandra Bullock ist als Dr. Stone kaum mehr zu überbieten, wenn es darum geht die Angst vor dem Tod mit der Entwicklung von Kampfgeist und Überlebenswillen zu verbinden. Jede Regung scheint sich in ihrem Gesicht ablesen zu lassen, von Panik bis Hoffnungslosigkeit deckt sie das gesamte Spektrum ab und fügt sich nahtlos in die brillante Inszenierung ein. Ihr ist es zu verdanken, dass der Film nicht nur sehr gut, sondern mit einem Wort gigantisch geworden ist. Eine weitere Oscar-Performance der Schauspielerin, die zu jeder Sekunde die Dramatik des Films wiederspiegelt und sie definiert.

 

 

GravityFazit:

Gravity ist ein Meilenstein der Kinogeschichte, den man auf keinen Fall verpassen sollte. Natürlich gibt es auch kleinere Schwächen, wie z.B. gelegentliche Momente der Überdramatisierung, aber das spielt überhaupt keine Rolle. Denn Alfonso Cuarón liefert der Kinowelt ein Meisterwerk, das seinesgleichen sucht. Niemals zuvor konnte ein Film mit derart präziser Inszenierung im Weltall punkten und ist gleichzeitig derart packend und spannend geführt, dass dem Zuschauer der Atem stocken muss. Ein große Errungenschaft, bedenkt man das simple Szenario und den leeren Handlungsort. Gravity schafft diesen Sprung und katapultiert sich zu einem der größten Oscar-Favoriten fast ein halbes Jahr vor der Verleihung. Falls jemand noch nicht weiß, was er/sie in diesem Monat im Kino anschauen möchte: Seht euch diesen Film an, besser kann man seine Kinogeld nicht anlegen!

 

 

Persönliche Meinung:

Der gesamte Kinosaal spiegelte die Situation auf der Leinwand wieder: Es herrschte absolute Stille, kein Gerede, kein Popcorn-Geraschel, nichts. Es gibt kein besseres Zeichen für einen Film, der über große Teile aus absoluter Stille besteht und mit Inszenierung, schauspielerischem Glanz und überragender Technik in den Bann zieht. Kaum jemand, der den Saal verließ, redete über den Alltag, stattdessen wurde nach anfänglicher Überwindung des Schocks über das Weltall gesprochen, die Gefahren, die Angst und was dort oben wirklich vor sich gehen mag von dem wir nichts wissen. Gravity bewegt ungemein von der erst bis zur letzten Sekunde, man befindet sich in einem Bann, dem man sich die gesamte Laufzeit einfach nicht mehr entziehen kann. Ich bin auf das höchste Maß beeindruckt und kann jedem nur empfehlen, den Kinosaal so schnell wie möglich aufzusuchen. Gravity darf man nicht verpassen!

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

 

Fakten:

Regie:  Alfonso Cuarón

Darsteller:  Sandra Bullock, George Clooney

Drehbuch:  Alfonso Cuarón, Jonás Cuarón

Budget:  $100. Mio

Deutscher Kinostart:  3. Oktober 2013

 

 

 

Quellen:  Internet Movie Database, Box Office Mojo, hdwallpapers.in

 

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