Filme des Frühlings: Teil 1 (American Hustle und Grand Budapest Hotel)

 

Filme des Frühlings: Teil 1

Der Kinofrühling war nicht so schlecht, wie er vielen vermutlich vorgekommen ist. Viele gute Filme sind untergegangen im Strom von so manchem Blockbuster oder wurden gar gnadenlos unterschätzt. In diesem und zwei folgenden Artikeln werden wir einige gute und starke Filme besprechen, die uns der Frühling gebracht hat. Falls sie noch in euren Kinos laufen sollten, sind sie in jedem Fall einen näheren Blick wert. Falls jedoch nicht, so bereichern sie jede sortierte DVD/Blu-Ray Sammlung in wenigen Wochen. Den Anfang machen zwei tiefergehendere Filme, darunter der Oscar-Verlierer American Hustle.

 

 

American Hustle

 

Der charmante Irvin Rosenfeld (Christian Bale) und die betörende Sydney Prosser (Amy Adams) sind professionelle Betrüger in den USA der 70er Jahre. Wie magisch fühlen sich die beiden zueinander hingezogen und bilden ein unschlagbares Team, wenn es darum geht, armen Leuten auch noch ihr letztes Erspartes aus den Taschen zu ziehen. Als ihnen das FBI auf die Schliche kommt, haben sie bald den ehrgeizigen Agenten Richie DiMaso (Bradley Cooper) am Hals, der sie mit seinem Wissen erpresst. American HustleInteressiert an einem sehr viel größeren Fisch, zwingt er die beiden Betrüger, ihre Talente bei Bürgermeister Carmine Polito (Jeremy Renner) anzuwenden, was sie wiederum immer tiefer in den politischen Sumpf zieht, bis sie schließlich sogar die Mafia und ihre Killer in den Betrug mit einbinden. Ohne Ausweg bleibt Irvin und Sydney nicht viel anderes übrig, als alle erlernten Tricks anzuwenden, inklusive der Einbindung von Irvins psychotischer Ehefrau Rosalyn (Jennifer Lawrence), um zu überleben. Ein fesselndes Verwirrspiel beginnt, bei dem keiner wirklich weiß, wer wem auf den Leim geht und welcher Betrug die letztendliche Wahrheit darstellt.

 

 

American HustleAmerican Hustle ist wahnsinnig spannend inszeniert und Regisseur David O. Russell kann auf eine phänomenale Cast zurückgreifen, die den Film selbst ohne das exzellente Drehbuch locker getragen hätte. Alleine die viele Verzwickungen und Verzweigungen des Films harmonisch ineinander zu integrieren und dabei die Charakterentwicklung nicht außer Acht zu lassen, erfordert meisterliche Regiearbeit. Der Film springt pausenlos zwischen einer beinahe greifbaren Spannung und einem locker witzigen Unterton, der so manches Mal so schräg gerät, dass einem im nächsten Moment das Lachen schon wieder im Hals stecken bleibt. Jeder einzelne Darsteller spielt minutiös perfekt, so dass der Zuschauer, eigentlich am Rande der Überlastung, alleine dadurch den Faden halten kann und somit das Geschehen nicht zur vollkommenen Verwirrung gerät. Herauszuheben ist vor allem Amy Adams, die den Oscar mit dieser bewegenden Leistung mehr als verdient gehabt hätte.

 

 

Persönliche Meinung:

Eigentlich ist American Hustle kein Film für mich. So dachte ich jedenfalls, bevor ich das Kino betrat, was auch nur geschah, weil ich viel Gutes gehört habe. Am Ende war ich ebenso überzeugt wie die meisten Kritiker, dieser Film ist ein Meisterwerk. Selten habe ich eine so präzise Inszenierung erlebt, die so punktgenau mit den Gefühlen und der Wahrnehmung des Zuschauers spielt. Die Charaktere fesseln regelrecht an die Leinwand, man kann einfach nicht wegschauen, selbst wenn die unerträgliche Spannung über den Ausgang des Verwirrspiels einen nahezu auffrisst. Die geschickte Inszenierung schafft es selbst den ausgefuchstesten Filmkenner vom Weg abzukommen und die viele Kleinigkeiten zu übersehen, die letztlich zur Auflösung führen. Wie diese aussehen mag, sei natürlich nicht verraten. Es sei jedoch noch einmal betont: habt keine Angst vor diesem Film! Die meiste Zeit des Films sitzt man mit einem unsicheren Lächeln in seinem Sessel, da man nicht genau weiß, wodran man eigentlich ist. Gleichzeitig ist die Handlung und Verwirrung aber unheimlich fesselnd und tiefgründig. Genau das ist die Quintessenz von American Hustle für jeden normalen Zuschauer.

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

 

Fakten:

Regie:  David O. Russell

Darsteller:  Christian Bale, Amy Adams, Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Jeremy Renner

Oscar Nominierungen:  10

 

 

 

 

The Grand Budapest Hotel

 

Grand BudapestGustave H. (Ralph Fiennes) ist der beliebte Concierge des legendären Grand Budapest Hotel inmitten im Herzen Europas zu Beginn der Invasion des Nationalsozialistischen Regimes. Sein Lobby Boy Zero (Tony Revolori) versucht alles von ihm zu lernen und der perfekte Assistent zu sein, was zu einer erstaunlichen Freundschaft führt. Als jedoch plötzlich eine von Gustaves Kunden und Gespielinnen, die fast 90jährige Madame D. (Tilda Swinton) unverhofft stirbt, geraten Geschehnisse ins Rollen, die die beiden kaum in den Griff bekommen. Gustave gerät unter Mordverdacht, als die Lady ihm ein wertvolles Gemälde hinterlässt und ihr zwielichtiger Enkel Dimitri (Adrien Brody) eine Verschwörung wittert. Fortan haben Gustave und Zero nicht nur die Polizei am Hals, sondern auch einen Killer (Willem Dafoe), Dimitris perfektionistischen Anwalt (Jeff Goldblum) und das NS Regime. Doch der gewiefte Gustave H. hat noch so manchen Trick in seinem Ärmel, mit denen er die Gegner in Schach hält, während um ihn herum der Kampf um das wertvolle Gemälde und um Europa tobt.

 

 

Grand BudapestThe Grand Budapest Hotel ist vollkommen verrückt!!! Regisseur Wes Anderson ist bekannt für seinen einzigartigen Humor, der schon so manchen Film durchzog (zuletzt Moonrise Kingdom). Mit diesem schrägen Film rund um einen eingebildeten und doch so liebenswerten Concierge gelingt ihm eines seiner größten Werke. Der Zuschauer wird von einer abgedrehten Szene in die nächste gejagt, bekommt kaum Raum zu atmen und die Geschehnisse zu sammeln, bevor die nächste Idee wartet. Anderson schafft es dabei immer einen hohen filmischen und literarischen Standard zu halten, der problemlos in der obersten Liga seinen Platz findet. Die vollkommen überzogene Geschichte spielt vor einem sehr ernsten Hintergrund, der die Komik gleichzeitig noch einmal verstärkt und auf der anderen Seite ins Lächerliche zieht. Die Dialoge verfehlen niemals ihr Ziel, selbst wenn es so erscheint, sie passen immer exakt ins Bild und verfeinern es in seiner Dramatik und Komik. Ebenso glänzend stellt sich die schauspielerische Elite ins Bild. Wie in einem Anderson Film üblich trifft sich eine enorm teure Crew, die für einen Bruchteil ihres regulären Gehalts für ihn arbeiten möchte. Mehr muss man zu diesem Film fast schon nicht mehr sagen.

 

 

Persönliche Meinung:

Ich hatte nur wenig Ahnung, was mich im Kino erwarten würde, sondern bin eher mit neutraler Haltung losgezogen. Die enorme Vielfalt und der Tiefgang dieses Films haben mich aber schnell in den Bann gezogen und begeistert. Fast den ganzen Film über habe ich gelacht aufgrund der skurrilen Szenen und den vollkommen verrückten Ideen, die diesen Film nicht nur zusammen hielen sondern gleichzeitig so speziell machten. Immer wieder wird man trotz des humorvollen Tons daran erinnert, wie schnell dies umschlagen kann und in einer Katastrophe endet. Die ernsten Hintergründe und die geringe Scheu, dem Hollywood Ideal zu widersprechen, runden das Gesamtbild ab. Selbst nach dem Abspann wusste ich immer noch nicht recht, was ich nun denken sollte, so sehr fühlte ich mich gefangen und gleichzeitig frei in meinen Überlegungen. Am Ende jedoch unterhält dieser Film grandios, wenn man in der Lage ist flexibel zu denken und sich nicht nur von Oberflächlichkeit blenden lässt. Es steckt so viel Wichtiges und Interessantes in The Grand Budapest Hotel, dass es unmöglich ist, sich ein komplexes Urteil nach einem einzigen Anschauen zu bilden. Mir persönlich hat er zudem den größten Lachanfall seit sehr sehr langer Zeit in einem Kinofilm beschert. Die arme Katze!

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

 

Fakten:

Regie:  Wes Anderson

Darsteller:  Ralph Fiennes, F. Murray Abraham, Bill Murray, Jude Law, Jeff Goldblum, Harvey Keitel, Tilda Swinton, Edward Norton, Adrien Brody, Willem Dafoe, Tony Revolori uvm.

IMDB Rangliste der besten Filme aller Zeiten:  Platz 123 bei einer Wertung von 8,4  (Stand: 16.5. 2014)

 

 

 

Quellen:  Internet Movie Database, Box Office Mojo

 

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