Die Oscar Verleihung 2015 – Die Entdeckung der Uneinigkeit

 

Ich nehme eines direkt mal vorweg: Die Verleihung der 87. Academy Awards übertrumpften die des letzten Jahres problemlos. Natürlich gibt es immer noch einiges zu kritisieren. Es stellten sich beispielsweise einige Fragen, ob Neil Patrick Harris (NPH) der richtige Host war oder ob nicht irgendwas bei dieser Verleihung fehlte. In diesem Jahr scheiden sich nämlich die Geister. Die einen fanden sie sehr unterhaltsam und witzig, andere wiederum sprechen von gähnender Langeweile und nicht zündenden Witzen. Ich habe wie immer meine eigene Sichtweise auf die Geschehnisse und rolle einige der Highlights auf.

Gewinner

 

Kann man es als Host überhaupt richtig machen?

NPH_AnnaFangen wir doch einfach vorne an, denn NPH war der Erste auf der Bühne und hat in meinen Augen einen guten Job erledigt. Dass er eine Musical Nummer zum Besten geben würde, dürfte vorher schon klar gewesen sein. Dabei hielt er sich erstaunlich zurück und besang in erster Linie ein Loblied auf Filme an sich. Unterstützung erhielt er dabei von Anna Kendrick, Jack Black und einer großen Menge Referenzen auf Filme der Vergangenheit. Harris wirkte dabei locker und gut aufgelegt. Dies zog sich auch durch den Rest der Verleihung, bei der er als Zwischenglied zwischen den einzelnen Parts sehr gut rüberkam. So mancher Witz war dabei leider nicht niveauvoll, aber auch das ließ sich verschmerzen. Dafür arbeitete er sehr viel mit Insidern, die beim richtigen Publikum zündeten. Das Highlight war seine Birdman Referenz, als er nur in einer weißen Unterhose hinter der Bühne erwischt wird und zu Miles Tellers Drums ganz im Stil von Birdman auf die Bühne stieg. Als er beim nächsten Mal wieder auftrat, sagte er locker "I'm a changed man now." Sehr witzig! 

 

Gewinner bleiben Gewinner (Gewinnerliste)

birdman_best_picture_h_2015Die Gewinner waren nicht die größten Überraschungen. Eddie Redmayne, Julianne Moore, J.K. Simmons und Patricia Arquette konnten sich bei den Darstellern durchsetzen. Ebenso wenig überraschend kamen die Gewinne für Birdman in den große Kategorien Drehbuch, Kamera, Regie und Bester Film. Das witzige Drama mit Michael Keaton überzeugte die Academy mit seiner einmaligen Inszenierung und gab ihm damit den Vorzug vor Richard Linklaters Boyhood. Das geht durchaus in Ordnung, beide Filme dominierten die Award Season und punkten mit herausragender Qualität. Sämtliche Dankesreden bewegten sich im ordentlichen Rahmen, wobei auffällig war, wie wenige Standard-Reden gehalten wurden. Beinahe jede Rede hatte irgendeinen weiteren Sinn, sei es politischer, persönlicher oder gesellschaftlicher Natur. Das kam sehr erfrischend rüber, selbst wenn die Themen teilweise sehr hart waren.

 

Von allen Kontroversen etwas

john_legend_common_oscars_h_2015

Trotz der Kontroversen im Vorfeld bezüglich fehlender Diversität in der Hautfarbe der Nominierten verlief die Verleihung friedlich. Harris wagte es gar, darüber einen Witz zu machen. Die afro-amerikanische Gesellschaft konnte sich über viel Aufmerksamkeit zwischen den einzelnen Vergaben freuen, Selma stand vielfach im Mittelpunkt. Das Highlight war sicherlich der Auftritt von John Legend und Common mit ihrem Oscar-Song Glory. Einigen Anwesenden liefen gar die Tränen bei der Performance. Als der Song später auch gewann, hielten die Künstler eine bewegende Rede zum Thema Rassengleichheit und Martin Luther Kings Vermächtnis. Doch das war nicht das einzige zentrale Thema, das uns immer wieder verfolgte. Auch die Krankheiten ALS und Alzheimer standen durch die Filme The Theory of Everything und Still Alice im Vordergrund. Drehbuch Gewinner Graham Moore sprach über Selbstmord und die Akzeptanz von andersartigen Menschen, J.K. Simmons setzte sich für die Liebe und den Zusammenhalt von Familie ein und Patricia Arquette flammte für den Feminismus auf. So ziemlich jedes schwere und komplizierte Thema wurde angesprochen, was fast schon wieder zu viel des Guten war. Dennoch hielt es sich noch im Rahmen.

 

Unspektakulär und angenehm

Alles in allem kann man der diesjährigen Verleihung nur einen einzigen Vorwurf machen: Sie war nicht sonderlich herausstechend. Es wurde sich mit Kontroversen zurückgehalten, ebenso mit starken Statements in unpopuläre Richtungen. Nicht mal ein verrückter Darsteller war da, der die Asche von Kim Jong-Il über einen Reporter schüttet. In meinen Augen war es aber bitter nötig, dass mal wieder eine gesetzte Veranstaltung Einzug hielt. Im letzten Jahr fiel so viel aus dem Rahmen und die Veranstaltung wandelte sich zur Farce. Dann lieber so wie in diesem Jahr, selbst wenn nichts Interessantes geschieht. Es muss nicht immer das große Drama sein. Das beste Zeichen für mich: ich hab die ganze Nacht durchgehalten ohne auch nur ein einziges Mal der Müdigkeit nachgeben zu müssen. Im Gegenteil, ich war besonders fit und habe sehr interessiert zugeschaut. Selbst die Gesangseinlagen waren gut, Glory und eine sehr bunte und verrückte Performance von Everything is Awesome aus dem Lego-Movie stachen heraus. Besonders großartig: Das Verteilen von Lego-Oscars während des Songs als kleine Rache für das Nichtnominieren des Films. Solche Augenzwinkerer gab es öfter und ich habe sie genossen.  

 

Quellen: Internet Movie Database, The Hollywood Reporter, My Daily

GD Star Rating
loading...


Hinterlasse einen Kommentar, oder nutze den trackback auf deiner Homepage.

Hinterlasse einen Kommentar

Du musst dich einloggen, um einen Kommentar hinterlassen zu können.