Horror-Serien: Sleepy Hollow + Dracula

 

Es gibt sehr viele Horror- oder Gruselserien auf dem inzwischen endlos scheinenden Markt der Quality-TV Serien. Manche davon heben sich durch gute Qualität und echten Grusel ab, wie z.B. American Horror Story oder Penny Dreadful. Die beiden in diesem Artikel vorgestellten Serien sind auf ihre Weise ebenfalls speziell und für so manchen Serien-Fan einen Blick wert. Allerdings muss man beim Schauen einige Abstriche machen, die auch abschrecken können und den Seriengenuss betrüben. Lest also erst diese Empfehlung, bevor ihr euch kopflos ins Vampirabenteuer stürzt.

Sleepy-Hollow-Poster-FOX

 

Sleepy Hollow (Staffel 1)

Sleepy-HollowIchabod Crane (Tom Mison) kämpfte während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges gegen einen dämonenartigen britischen Soldaten und enthauptete diesen, wobei er selbst tödlich verwundet wird. Zu seiner eigenen Überraschung wacht er knapp 250 Jahre später in einer unterirdischen Höhle wieder auf, mitten im Städtchen Sleepy Hollow. Doch nicht nur er ist erwacht. Ein kopfloser Reiter reitet auf einem weißen Todesross durch die Stadt und schwingt seine Axt, um seine Kontrahenten zu eleminieren. Widerstrebend bezieht Polizeichef Frank Irving (Orlando Jones) Crane mit in die Ermittlungen ein und stellt ihm die Polizistin Abbie Mills (Nicole Beharie) zur Seite. Diese hat ihre eigene Vergangenheit mit dem Übernatürlichen, lässt sich aber vom charmanten Crane nur sehr langsam von der neuen Realität überzeugen. Gemeinsam versuchen sie den Aufstieg des Bösen zu verhindern. Denn der kopflose Reiter ist niemand anderes als Tod, der erste der apokalyptischen Reiter, der auf der Erde wandelt. 

 

Kopflos im 21. Jahrhundert

HorsemanFangen wir mit den guten Seiten dieser atmosphärischen Serie an. Das mystische und geheimnisvolle Setting greift von der ersten Minute an, man bemerkt den Aufwand an jeder Stelle. Das ist auch gut so, denn die Serie arbeitet mit sehr vielen Rückblenden und bemüht sich sehr, ein harmonischen Bild zu erzeugen. Das gelingt tatsächlich in den meisten Fällen. Vor allem die Darsteller machen einen überraschend guten Job und sind sehr glaubwürdig. Allen voran natürlich Tom Mison als Ichabod Crane, der ohne Probleme als Bürger des 18. Jahrhunderts durchgeht. Seine privaten Probleme mit den Neuheiten des 21. Jahrhunderts sind einfach zum schießen! Nebenbei kommt aber auch der Horror nicht zu kurz. Der Reiter ist angsteinflößend, die Dämonen bösartig und es wird bei Leibe nicht an Gewalt gespart. Es könnte allerdings etwas deutlicher zu Werke gegangen werden, mitunter fühlt es sich trashy an.

An so mancher Stelle möchte man den Entwicklern der Story eines auf den Kopf geben. Logiklücken, seltsame Wendungen und überdramatische Dialoge, die im Deutschen vermutlich noch schlimmer klingen. Dass trotdem alles rund wird, ist ein Verdienst des Settings und der großartigen Atmosphäre. Eigentlich schade, denn mit ein bisschen mehr Detailarbeit hätte man mehr rausholen können. Eine Staffel besteht nur aus einem Dutzend Folgen, so dass das Vergnügen schneller vorbei ist, als man hofft. Allerdings ist das auch ein Vorteil, denn dadurch verfängt sich die Serie nicht in sinnloser Generik, in dem die beiden Helden nur Fälle lösen. Stattdessen streben sie durch die Haupthandlung, verbinden die Knoten und durchleben ein spannendes Staffelfinale. 

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

 

 

 

Dracula (Staffel 1)

johnGegen Ende des 19. Jahrhunderts gilt der Herr der Vampire, Dracula (Jonathan Rhys-Meyers), als verschollen. Doch wurde er vom rachsüchtigen Abraham van Helsing (Thomas Kretschmann) wiedererweckt. Gemeinsam planen sie ihre Rache am Orden des Drachen, der ihre Leben zerstört hat. Getarnt als amerikanischer Industrieller Alexander Grayson schleicht sich Dracula in Londons Upper Class ein und beginnt seine Plotte zu schmieden. Doch dann trifft er die hübsche Mina (Jessica de Gouw), die seiner früheren Liebe Ilona komplett gleicht. Auch die junge Frau fühlt sich von ihm angezogen, ist aber dem Journalisten Jonathan Harker (Oliver Jackson-Cohen) versprochen. Während Dracula seine Intrigen und Zerstörungen plant, bleibt der Orden nicht untätig. Schnell wird klar, dass ein mächtiger Vampir in der Stadt ist und die Jägerin Lady Jayne Wetherby (Victoria Smurfit) wird beauftragt. Doch Dracula ist ihnen fast immer einen Schritt voraus und ein gefährliches Spiel beginnt.

 

So gerade eben den Biss gefunden

van helsingEs braucht eine Weile, bis man mit Dracula warm wird. Außer natürlich für Fans von Jonathan Rhys-Meyers! Denn dieser Dracula versucht sich zu kontrollieren, lässt Intrigen statt Gewalt sprechen und ist von einer Frau besessen (statt andersherum). Das heußt natürlich nicht, dass es hier ohne Gewalt zugeht, im Gegenteil! Wenn ausgeteilt wird, dann gnadenlos und heftig brutal. Man schwebt in jeder Folge mit der stetigen Gefahr, dass Dracula die Kontrolle verliert und um sich schlägt. Irgendwann wünscht man es sich, denn die Gegner sind keinen Deut besser als er selbst. Ich nehme es vorweg: man wird dabei nicht enttäuscht. Das Besondere an Dracula ist aber, neben seinem charismatischen Hauptdarsteller und eine eng gewobenen Geschichte, vor allem das aufwendig gestaltete Setting und die daraus entstehende Atmosphäre. Ich kann mich nicht erinnern, dass es schon einmal eine Serie so exakt verstanden hat, die Atmosphäre des 19. Jahrhunderts einzufangen. Dies mag leider auch einer der Gründe sein, weswegen die Serie nach einer Staffel (10 Folgen) eingestellt wurde. Sie sieht sehr teuer aus! 

Leider finden sich auch einige blutleere Stellen, die den Spaß trüben. Das Drehbuch setzt zuweilen extrem stark auf die Drama Drüse, die Zusammenhänge holpern und bei allem Charisma, ist auch der besessene Vampir mit dem Kontrolltick irgendwann abgenutzt. Bedauerlich, denn das klappt lange Zeit sehr gut. Bemerkenswert ist sicherlich noch der Spannungsaufbau zu nennen. Je näher wir uns dem Staffelfinale nähern, desto enger wird die Schlinge um Dracula, die Gewalt steigt, die Kontrolle sinkt. Es ist fast spürbar! Das Finale selbst enttäuscht ebenfalls nicht. 

Rating: ★★★★★★★½☆☆ 

 

 

Quellen: Internet Movie Database, asset1.net 

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