Jurassic World

 

Egal wen ich gefragt habe, die Antwort war immer dieselbe: Ich freue mich auf Jurassic World. Aus einem unerfindlichen Grund hat dieser Film einen Hype ausgelöst, der nicht zu stoppen ist. Die Vorgänger kann man, abgesehen vom ersten Teil, bestenfalls als Durchschnitt bezeichnen. Der Trailer wirkte klischeebeladen und ganz nah an der Trash-Definition. Und trotzdem setzt Jurassic World einen unfassbaren Rekord nach dem anderen aufs Parkett! Die Zuschauer sind verrückt nach den Dinosauriern und feiern diese von Steven Spielberg produzierte Fortsetzung. Ein weiterer Nachfolger ist eigentlich eine sichere Sache. Es bleibt lediglich eine Frage zu beantworten: ist Jurassic World ein guter Film und ein würdiger Nachfolger zu seinem genredefinierenden Vorgänger von 1994? Ich war vor meinem Kinogang voreingenommen und habe wirklich Furchtbares erwartet. Zu meinem Erstaunen und großen Glück wurden meine Erwartungen nicht erfüllt.

Jagd

 

Liebe Besucher, wir haben ein Problem

John Hammond hatte vor zwanzig Jahren die Visionen eines gigantischen Freizeitparks mit echten Dinosauriern. Mit Schrecken erinnern sich die Menschen an die tödlichen Folgen dieser Idee. Doch heute, lange Zeit danach und viele Milliarden Dollar später, wird dieser Traum zur Realität. Jurassic World wurde auf der Isla Nublar eröffnet und bietet dem Besucher mit zahllosen Arten und Attraktionen einen unglaubliche Show. Bis hin zum Kinderreiten auf böser Dinokleinen Triceratops reichen die Möglichkeiten. Geleitet wird der Park von Claire (Bryce Dallas-Howard), die mit kühler Effizienz und harten Zahlen das Ruder in der Hand hält. Die Besucherzahlen sinken und das Management verlangt nach einer neuen Entwicklung, die die Menschen anlocken soll. Entsprechend wenig Zeit hat sie, sich um ihre beiden Neffen Zach (Nick Robinson) und Gray (Ty Simpkins) zu kümmern, die zu Besuch auf der Insel sind. Diese neue Entwicklung markiert ein nie dagewesener, fleischfressender Dinosaurier, der aus verschiedenen Spezies gekreuzt und im Labor gezüchtet wurde. Intelligent, gewaltig und absolut tödlich. Als die Kreatur ausbricht und über 20.000 Menschen in Gefahr geraten, inkl. im Dschungel verloren gegangener Neffen, braucht es ein Wunder, um die Katastrophe zu verhindern. Claire wendet sich an den einzigen Menschen, dem sie dies zutraut: Raptorbändiger Owen (Chris Pratt). Doch wie soll ein solches Monster aufgehalten werden? 

 

Nostalgie schlägt Stereotypen

Jurassic WorldIch gebe zu, die Inhaltsbeschreibung könnte nicht kitschiger klingen. Jurassic World scheut sich nicht, schier endlos viele Stereotypen anzuwenden, um den Inhalt vorwärts zu bringen. Ja, wir haben den genmanipulierten Saurier, die zugeknöpfte Zahlenwälzerin mit der komischen Frisur, die bösen Wissenschaftler, die noch bösere Firma dahinter und nicht zu vergessen den Superheld und Sunnyboy mit dem lockeren Spruch auf den Lippen. Ist das hier Star Wars?? Es ist ganz entscheidend, über diese Stereotypen hinweg zu sehen und den Spaß dahinter einfach so anzunehmen, wie er präsentiert wird. Die gute Nachricht: der Film hilft dabei und das auf sehr geschickte Weise. Zu Beginn sind die Charaktere erst einmal völlig nebensächlich. Man kriegt zwar einen groben Eindruck wer nun wer ist, aber das Hauptaugenmerk wird auf den Park gelegt. Der WOW-Faktor wird ganz groß geschrieben und es wird mächtig auf die Nostalie-Drüse gedrückt. Besonders clever und episch inszeniert ist die erste Ankunft im Park. Als John Williams weltberühmter Soundtrack aus den Boxen schallt und die ersten Dinosaurier ihren Auftritt haben, lief mir ein mächtiger Schauer über den Rücken. Ich war mitten drin in dieser Welt und dieses abenteuerliche Gefühl, das auch die 1994er Version herbeizauberte, war da. An diesem Punkt hatte der Film schon gewonnen, völlig egal wie er weitergehen würde.

 

Claire: "You can track them by smell or footprints?"

Owen: "I was with the Navy! Not the Navajo!"

 

Raptorenalarm!

RaptorbändigerZum Glück enttäuschte er auch die nächsten 105 Minuten nicht. Denn als die erste Nostalgie-Welle einmal verebbte, griffen plötzlich neue Faktoren und trugen den Film weiter. Owen und Claire sind zwei davon, die sich ihren stereotypischen Rollen anpassen und sie mit Humor tragen. Die Dynamik der beiden Darsteller überzeugte trotz allem und sie gaben dem Film eine weitere Ebene auf der er funktionierte. Zudem wirken sie sehr sympathisch und man verbringt einfach gerne Zeit mit ihnen. Der Rest der Darsteller ist dann lediglich Beiwerk, auch wenn die beiden Jungs die Begeisterung für den Park sicherlich am besten zeigen. Das entscheidende Element sind natürlich die tierischen Darsteller, die die Atmosphäre pushen und dem Film den entscheidenden Zauber verleihen. Seien es der riesenhafte Dino-Fisch (entschuldigt wenn ich den Namen nicht hinkriege), Triceratops, Brontosaurier oder wie sie alle heißen: durch sie lebt dieser Park. Der Auftritt des T-Rex ist selbstverständlich eines der großen Highlights, selbst wenn sie nur eine Nebenrolle spielt. Im Zentrum stehen die Raptoren, die von Tiertrainer Owen so gut es geht kontrolliert werden. Man merkt zu jeder Sekunde wozu diese tödlichen Tiere fähig sind. Doch die eigentliche Gefahr, und somit auch der Hauptgrund für die schauerlichen, spannenden, lebensbedrohlichen Momente, ist ganz klar der Indominus Rex, die genmanipulierte Züchtung. Die von diesem Saurier ausgehende Gefahr und die passend dazu von Owen gelieferte Analyse schweben immer im Hintergrund oder dominieren das Geschehen. Wie in allen Jurassic Teilen geht es ums nackte Überleben, denn der Indominus ist die deutlich überlegene Spezies. Äußerst spannend inszeniert!

 

Fazit

Jurassic WorldGott sei Dank ist dieser Film kein Schrott!! Ich hatte schlimmstes befürchtet und wurde positiv überrascht. Die vielen Erinnerungen an den ersten Teil, die Spannung bei der verzweifelten Jagd, der Kampf ums Überleben und vor allem der WOW-Faktor der Dinosaurier haben mich überzeugt. Sicherlich ist Jurassic World kein Meilenstein wie damals sein Vorgänger. Die Stereotypen und Klischees hätte man sich auch verkneifen können finde ich. Erstaunlicherweise scheint das aber auch so gewollt zu sein, denn uns begegnet so manch ironischer Moment, in dem der Film sich selbst auf den Arm nimmt. Von daher ist alles in Ordnung und ich konnte mich wunderbar auf dieses Erlebnis ein- und mitreißen lassen. Ganz besonders erstaunlich: man kann problemlos die Analogie zwischen dem Film und unserer Lebenswelt ziehen und das wirkt auch noch so gewollt. Wenn Claire darüber spricht, dass die Menschen es größer, gefährlicher und tödlicher brauchen, um unterhalten zu werden, dann kommt mir das irgendwie bekannt vor. Jurassic World ist ein ironisches Abbild von uns selbst, nur dass wir keinen riesigen Saurier haben, der alles zusammenfallen lässt. Die Tatsache, dass dies ein gewolltes Bild ist, wertet den Film noch einmal auf.

Zwei Fragen habe ich allerdings dennoch, vielleicht könnt ihr das bei eurem Kinogang nachvollziehen: War es nicht ein bisschen spät, um loszulaufen? Ihr werdet verstehen was ich meine. Und: warum sind alle Killersaurier in dieser Serie immer weiblich? Und kommt mir jetzt nicht mit dem Argument aus Teil eins bezüglich Reproduktion.

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

 

Fakten:

Regie: Coilin Treverrow

Darsteller: Chris Pratt, Bryce Dallas-Howard, Omar Sy, Vincent d'Onofrio, Ty Simpkins, Nick Robinson, Judy Greer

Budget: $150Mio.

Einspielergebnis nach 11 Tagen: >$1Mrd.

 

 

Quellen: Internet Movie Database, Box Office Mojo, Forbes.com, Washingtonpost.com

 

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