Three to see: Episode 2 – Michael Mann

 

Three to see ist eine Kategorie außerhalb unseres normalen Standards. Dabei stelle ich drei Filme unter einem bestimmten Oberthema vor, die sehenswert sind und besonders aus der weiten Breite der Filmwelt hervorstechen. Sowohl Filme unserer Zeit als auch ferne Klassiker werden ihren Weg in die Kategorie finden. Viel Spaß!

 

Episode 2: Michael Mann (Regisseur)

 

originalRegisseur Michael Mann gehört zu den Filmemachern, mit denen jeder Schauspieler gerne arbeiten möchte…und doch keiner. Seine Filme schwanken zwischen absoluter Genialität und unzusammenhängendem Schwachsinn (beispielsweise sein neuestes Werk Blackhat). Gerüchten zufolge ist es zudem enorm schwierig mit ihm zu arbeiten, da er ein pedantischer Perfektionist sei, der eine Szene unendlich oft wiederholt, bis sie ihm zusagt. Entsprechend genial sind seine guten Filme, die in der Regel eine gewisse Härte und einen hohen Grad an Realismus anstreben. Nach vier Oscar-Nominierungen konnte er bisher leider keine Trophäe gewinnen. Drei seiner wichtigsten und erfolgreichsten Werke stelle ich in Kurzform vor.

 

 

1. The Last of the Mohicans (1992)

MohicansposterInmitten des Englisch-Französichen Kolonialkrieges (1756-63) streifen drei indianische Trapper durch die Wildnis auf dem Weg nach Westen. Chingachgook (Russell Means), das letzte Oberhaupt des Mohikaner Stammes, sein Sohn Uncas (Eric Schweig) und sein Adoptivsohn Nathaniel/Hawkeye (Daniel Day-Lewis). Unfreiwillig werden sie in den Konflikt hineingezogen, als sie eine britische Eskorte retten, die von Huronen Indianern überfallen werden, Verbündete der Franzosen. Magua (Wes Studi), Kriegsherr der Huronen, hatte die Reisenden in eine Falle geführt, um die Töchter Cora (Madeleine Stowe) und Alice (Jodhi May) des englischen Colonel Munro (Maurice Roeves) zu ermorden. Gemeinsam mit dem englischen Major Heyward (Steven Waddington) schlagen sich die Mohikaner mit ihren Schützlingen durch die gegnerische Front zum Fort des Colonels. Nicht ahnend, welche Schrecken sie dort noch erwarten würden. Inmitten des Krieges schließlich entbrennt noch mehr als die Feuer der französischen Kanonen, als Nathaniel und Cora sich näher kommen. 

 

Darum sehenswert

Diese Liste ist sehr lang. Die schiere Perfektion, mit der der Klassiker von James Fenimore Cooper umgesetzt wurde, ist schlichtweg atemberaubend. Jedes Detail stimmt, jede Szene bringt atemberaubende Atmosphäre mit sich und die Zusammensetzung von Charakteren und Welt passt perfekt. Gleich von der ersten Szene an steigt man in diese Welt ein und verlässt sie zu keiner Sekunde. Mann zeigt uns keinen flashigen Hollywood Streifen mit furios schneller Action, sondern ein realistisches Szenario, dem man seine Akkuranz selbst ohne historische Kenntnisse anmerkt. Getrieben wird der Streifen von einer realistischen Radikalität, die seinesgleichen sucht. Der Film ist definitiv nichts für zartbesaitete Naturen. Doch das alleine reicht nicht aus, um ihn aus der Masse herausstechen zu lassen. The Last of the Mohicans lebt von seinen Gefühlen! Damit meine ich nicht nur die Sympathien des Zuschauers zu den schnell b7e9db60fba3f188e8b70b3084263150ans Herz wachsenden, tiefen Charakteren sondern auch die Gefühle innerhalb des Films selbst. Jeder einzelne Charakter wird mit Gefühlswelten ausgestattet, die selten in Sprache, sondern vor allem in Handlungen und Gesten ausgedrückt. Besonders in der Liebesbeziehung zwischen Nathaniel und Cora kommt dies deutlich zum Vorschein. Zu keiner Sekunde spricht einer von beiden klar und deutlich aus, was sie empfinden und doch ist selbst dem Zuschauer in der letzten Reihe klar, wie heftig die Gefühle sind. Die für mich schönste und wichtigste Szene innerhalb des Forts, als es zum ersten Kuss kommt, zeigt dies mehr als deutlich. Es braucht keine Worte, um die Gefühle und den heftigen Drang auszudrücken, den beide Figuren empfinden. Der Zuschauer ist hin und hergerissen zwischen den Schrecken des Krieges und diesen unglaublich gefühlvollen Momenten, die überwältigen können.

 

Dies ist natürlich nicht nur dem exzellenten Drehbuch geschuldet, sondern auch der besondere Leistung der Cast. Allen voran selbstverständlich Daniel Day-Lewis, dessen Arbeitsmoral der von Michael Mann in Nichts nachsteht. Wochenlang lebte er in der Vorbereitung für den Film in der Wildnis und ernährte und lebte nur von dem, was er selbst fand und jagte. Er wollte das Gefühl für dieses Leben entdecken, sich komplett in den Charakter hineinversetzen. Am Set selbst gab es schließlich keinen Daniel Day-Lewis mehr. Der Schauspieler versetzt sich so tief in seine Rollen, dass selbst die Crew in so ansprechen muss. Er spielt Nathaniel nicht, er IST Nathaniel. Diese männlich-dominante Figur in diesem selbstverständlichen Leben gefüllt mit Ehre, Treue, Überzegung und dem Gefühl der eigenen Ruhe in sich selbst. Nathaniel ist in seiner Art eine Vorbildfigur und Daniel Day-Lewis personifiziert ihn bis zur Perfektion. Für mich persönlich wichtig zu erwähnen: The Last of the Mohicans bietet uns eine starke Frauenfigur. Ich empfinde so etwas als sehr wichtig, gibt es solche Charaktere leider viel zu selten. Cora Munro besitzt einen starken, unbändigen Willen und ein Herz, das um Freiheit und Unabhängikeit kämpft. Sie wird nicht von den Männern kontrolliert, sondern trifft ihre eigenen Entscheidungen zu kämpfen, zu beschützen und zu lieben. Ganz stark!

Getrieben wird der Film von einem exzellenten Soundtrack komponiert von Randy Edelman und Trevor Jones, der selbst über zwei Dekaden nach Veröffentlichung zu Herzen geht. 

 

Regie: Michael Mann

Darsteller: Daniel Day-Lewis, Madeleine Stowe, Wes Studi, Jodhi May, Russell Means

IMDB Link: The Last of the Mohicans

 

 

 

2. Heat (1995)

Eine Serie von Überfällen erschüttert die Stadt von Lt. Vincent Hanna (Al Pacino). Die Räuber, eine kriminelle Crew aus Spezialisten, lassen keine Hinweise zurück und arbeiten mit schierer Perfektion. Als Hanna dennoch einen unabsichtlichen Hinweis erhält, kommt er auf die Spur von Gangster Neil McCauley (Robert de Niro). Als wenn er in einen Spiegel blickt, sieht er sich selbst auf der anderen Seite des Gesetzes. Leidenschaftlich, getrieben, ehrgeizig, problembehaftet und Gift für die eigene soziale Umgebung. Die beiden Männer fühlen sich in ihren antagonistischen Rollen verbunden. Eine gnadenlose Jagd beginnt, in der McCauley versucht, seinem Jäger immer einen Schritt voraus zu bleiben. Als es zum Showdown kommt, entscheidet sich, wer das Katz und Maus Spiel besser beherrscht. 

 

Darum sehenswert

heat_1995Wenn man heutzutage jemanden nach den größten Gangster Filmen fragt, kommt neben Der Pate und Goodfellas sehr schnell Heat über die Lippen. Pacino und de Niro haben sehr lange und erfolgreiche Karrieren hingelegt, die mit diesem Film einen gewaltigen Höhepunkt erreichte. Es baut sich eine langsame Spannung, die so unterschwellig ist, dass der Zuschauer erst bei den Explosionen merkt, wie ergriffen er wirklich war. Jederzeit ist man sich bewusst, dass man auf ein unweigerlich schlechtes Ende hinausläuft. Der Film baut auf dem Spiel zwischen den Kontrahenten auf, bis man nicht mehr weiß, welchen von beiden man sympathischer oder unsympathischer finden soll. Gerade dieses Hin und Her zwischen den Hauptfiguren macht den Kern des Films und gleichzeitig das Dilemma des Zuschauers aus. Der Konflikt brodelt über 170min, bis sich die Spannung zwangsläufig lösen muss, ob man will oder nicht. 

Mit tiefen Charakteren ausgestattet, die ihren Prinzipien und Wegen folgen oder damit brechen, taucht uns Heat in ein einzigartiges Szenario. Einzig und allein Michael Manns unnachahmliche Präzision konnte dem Film den Feinschliff geben, der ihn von einem normalen Gangster-Film zum Kultfilm anhebt. Allerdings braucht man auch etwas Geduld, um den Film nicht nur zu verstehen, sondern auch durchzustehen. Trotz aller Spannung fühlte ich mich persönlich manchmal der Langatmigkeit ausgesetzt. Nichtsdestotrotz liegt hier ein Meisterwerk vor.

 

Regie: Michael Mann

Darsteller: Al Pacino, Robert de Niro, Val Kilmer, Ashley Judd

IMDB Link: Heat

 

 

 

3. Collateral (2004)

Max (Jamie Foxx) ist ein einfacher Taxifahrer in Los Angeles. Gerade hat er die hübsche Annie (Jada Pinkett Smith) transportiert und sogar ihre Nummer bekommen, als ein neuer Fahrgast einsteigt. Vincent (Tom Cruise) ist charmant, gut aussehend und sieht in seinem grauen Anzug wie jeder andere Fahrgast aus. Er bietet Max fünfhundert Dollar an, wenn dieser ihn zu fünf Orten in dieser Nacht bringt. An der ersten Location angekommen, muss Max feststellen, dass Vincent ein Auftragskiller ist und ihn nun mit einer 9mm bedroht. Der Mörder zieht den Taxifahrer immer tiefer hinein in seine Machenschaften als die beiden durch L.A. von Tatort zu Tatort fahren. Womit Vincent nicht gerechnet hat, sind Max' Kämpferherz und seine Moral. Während sich die Nacht hinzieht, muss der Killer feststellen, dass seine größte Bedrohung nicht von der Polizei (u.a. Mark Ruffalo) ausgeht, sondern von dem Mann am Steuer des Taxis. 

 

Darum sehenswert

collateralSelten habe ich einen Film mit einer so dichten Atmosphäre erlebt. Ich schreibe absichtlich "erlebt", denn anders kann man es einfach nicht beschreiben. Collateral zieht den Zuschauern wie in einem Sog in sich hinein und lässt ihn nicht mehr los, bis auch der letzte Funke Spannung nach der Spielzeit aufgebraucht ist. Man fürchtet sich vor Vincent, man kämpft mit Max um einen Ausweg und man sitzt am Rand seines Stuhles, um auch ja keine Sekunde der nervenaufreibenden Spannung zu verpassen. Die mentalen Spielchen zwischen Vincent und Max treffen sich auf einer Ebene, in der beide Charaktere am Rande ihrer Fähigkeiten stehen. Der Profikiller und der Taxifahrer in verbundenen Schicksalen, inszeniert in akkurat perfektionierten Szenen, wie sie schon in Heat exzellent trafen. Wie typisch in Michael Mann Filmen bekommt der Zuschauer das Gefühl, im Geschehen zu sein und nicht nur zu beobachten. Dadurch verstärkt sich das nervliche Spiel noch einmal drastisch. Daran tragen nicht zuletzt auch die großartigen Schauspieler ihren Teil bei. Jamie Foxx erlangte mit seiner Rolle seine erste Oscar-Nominierung, wohingegen Tom Cruise leider leer ausging. Seine Personifikation des Vincent schreit allerdings nach jedem zu kriegenden Award. Selten hat sich der Schauspieler so stark aus seinen normalen Rollen hinausbewegt. 

Ein letzter Rat bevor ihr euch den Film anseht: durchatmen. Einmal tief durchatmen vorher und dann geradeaus hinein. 

 

Regie: Michael Mann

Darsteller: Tom Cruise, Jamiee Foxx, Jada Pinkett Smith, Mark Ruffalo

IMDB Link: Collateral

 

 

Quellen: Internet Movie Database, posterpress.us, videobuster.de, wallpaperup.com

 

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