Der Marsianer

 

Die Ironie des Schicksals schlägt zu

 

Wir träumen schon sehr lange davon, eine bemannte Mission auf den Mars zu schicken. Leider sind wir viel zu sehr damit beschäftigt, das nötige Kleingeld dafür auszugeben, uns gegenseitig platt zu machen. Doch dafür wurde das Kino erfunden, hier ist alles möglich! Der Marsianer basiert auf einer Buchvorlage, die mit dem abstrusen Gedanken spielt, wie ein Mensch alleine auf dem Mars überleben könnte. Ridley Scott (Alien, Gladiator) nahm sich des Themas an und versammelt eine Horde Stars um sich, um die staubige Einöde zum Leben zu erwecken. Mit dabei: grandiose Bilder, starke Darsteller und wissenschaftliche Lücken. Der Film öffnet viele Ebenen und begibt sich auf so mancher auf dünnes Eis. Kann Scott sein Baby trotzdem zusammen halten und zu einem vernünftigen Film schnüren?

THE MARTIAN

 

 

Mars, Tag 122, die Frisur hält

Der Mars, Sol 19 (Tag 19). Die bemannte Marsmission rund um Commander Melissa Lewis (Jessica Chastain) gerät in einen heftigen Sturm und muss eine Not-Evakuierung durchführen. Während der Aktion wird der Botaniker Mark Watney (Matt Damon) von einem Trümmerteil getroffen und von der Gruppe getrennt. Er wird für tot erklärt und die Crew (u.a. Kate Mara und Michael Pena) entschließt sich für den Start. Doch Mark Watney hat überlebt. Verletzt life on marsschleppt er sich in die nahe Operationsbasis und flickt sich notdürftig zusammen. Doch was nun? Seine Vorräte reichen maximal für wenige Monate, von Wasser ganz zu schweigen. Die rudimentäre Basis inkl. Sauerstoffversorgung um ihn herum könnte zu jedem Zeitpunkt ausfallen oder von den Bedindungen zerstört werden. Watney ist sich im Klaren, dass eine Rettungsmission ca. 4 Jahre dauern würde. Das hält ihn aber nicht davon ab, alles daran zu setzen, diesen Zeitraum zu überbrücken! Er beginnt, seine Fähigkeiten zu nutzen und alles um sich herum seinem Überleben anzupassen, bis hin zu eigener Kartoffelernte. Unterdessen herrscht auf der Erde helle Panik. Die Satelliten registrieren Aktivität auf dem Mars und NASA Direktor Teddy Sanders (Jeff Daniels) muss mitansehen, wie Watney dort sein Lager aufschlägt, während er selbst gerade von dessen Beerdigungsrede kommt. Gemeinsam mit PR Chefin Annie (Kristen Wiig) und den Operatoren Vincent (Chiwetel Ejiofor) und Mitch (Sean Bean) klügelt er einen Plan aus, um den Astronauten nach Hause zu holen.

 

Einsamer Galgenhumor

Es ist nicht einfach, den Marsianer in Worte zu fassen, da er umständlich zu beschreiben ist. Fangen wir mal mit etwas sehr Gutem und Unerwartetem an: der Film ist wahnsinnig witzig! Watney ist ein Clown, der mit seiner Situation ironisch und mit sehr viel Sarkasmus umgeht. Direkt mal zwei Beispiele von vielen:

 

Watney: "Technically, Mars is international waters, meaning Maritime Law applies. And since I am illegally commandeering a vessel in international water under maritime law, that makes me a pirate. Mark Watney : Space Pirate."

Watney: "They say once you grow crops somewhere, you have officially colonized it. So, technically, I colonized Mars. In your face, Neil Armstrong!"

 

cropsIch hab mich teilweise köstlich amüsiert vor lauter Lachen. Irgendwann kam ich sogar an den Punkt, an dem ich sehr viel mehr von Mark Watney auf dem Mars sehen wollte und weniger von dem organisatorischen Kram auf der Erde. Einer der Kritikpunkte des Films, aber dazu später. Sehr hilfreich, um Matt Damon als Watney in den Vordergrund zu stellen, sind die Vlogs des "Kolonisten". Da er niemanden zur Unterhaltung bei sich hat, spricht er alle seine Gedanken auf Band. Diese Kamera nimmt er überall hin mit, so dass wir ein großartiges Bild von seinen kolonistischen Aktivitäten erhalten. Besonders in der ersten Stunde kommt er uns sehr nahe, was auch an Matt Damons sehr guter Schauspielkunst liegt. Das Bild, das uns während des Films vom Mars geliefert wird, ist wie erwartet: braune Sandwüste, Stürme und Leere. Diese wird sehr gut in Szene gesetzt und gefällt. Allerdings ist sie nicht so spektakulär, wie ich es mir gewünscht hätte. Es sieht für meinen Geschmack zu sehr nach Arizona aus und es fehlte mir der klare Unterschied. Den hätte die Musik bringen können, aber das Mars-Thema, das ab und an leicht anklingt, wird so gut wie gar nicht verwendet. Wieso auch immer.

 

Watney: "It's a strange feeling. Everywhere I go, I'm the first. Step outside the rover? First guy ever to be there! Climb a hill? First guy to climb that hill! Kick a rock? That rock hadn't moved in a million years! I'm the first guy to drive long-distance on Mars. The first guy to spend more than thirty-one sols on Mars. The first guy to grow crops on Mars. First, first, first!"

 

Mars an Erde, ihr stört mich!

mission controlÜberhaupt steht der Mars zu wenig im Vordergrund, er ist wie ein stiller Teilhaber am Geschehen. In der zweiten Hälfte des Films schiftet der Fokus zudem zu sehr auf die Erde und zur Crew der Hermes, so dass selbst Mark Watney irgendwie…abgestoßen wird. Er überspringt von jetzt auf gleich mehrere Monate, in denen man sein Leid oder seine Probleme sehr viel deutlicher hätte zeigen können! Im einen Moment ist er noch in seinem Hub, im nächsten geht es schon los zur Rettungsmission mit unsicherem Ausgang? Fünf Minuten später baut er das Shuttle um. Ach komm, da wäre so viel mehr möglich gewesen ohne Zeitraffer. Der Film verkommt in der zweiten Hälfte bedauerlicherweise zur Hurrah-Mentalität. Sobald etwas gut ausgeht, fallen sich die Leute in die Arme und im Hintergrund läuft schnulzige Musik. Das kennen wir schon!! Danke!! Etwas mehr Bodenständigkeit und Realismus hätte der Sache gut getan. Wieso fokussiert man sich nicht mehr auf Watney und seine Reise, anstatt dem Extrem Hollywoods nachzugeben? Die "Alles-ist-super-wenn-man-nur-dran-glaubt-Mentalität" ging mir gehörig auf den Keks. Menschlichkeit irgendjemand? Das hat den Film für mich von einem hervorragenden zu einem normalen Streifen degradiert. 

Nicht zuletzt tragen dazu auch die abstrusen "Wissenschaften" bei. Der Umbau der Ares 4 Missionsrakete? Als Watney die 400kg (160kg auf dem Mars) Spitze der Startrakete herunterhob und sie durch einen Fallschirm ersetzte, um dann einen 12G Start hinzulegen, war bei mir alles vorbei. Von seinem Iron Man Moment will ich gar nicht erst anfangen. Ich hab ja nichts gegen ein bisschen wissenschaftlichen Freiraum, aber das geht selbst mir zu weit. 

 

Fazit

markDer Film hätte fantastisch sein können. Er ist witzig, smart und atmosphärisch!! Aber er tötet sich an vielen Fronten selbst. Nachdem Watney einmal auf dem Planeten einen Punkt erreicht hat, an dem er scheinbar überleben kann, werden so viele Charaktere aufgebaut, dass es unmöglich ist, diese Atmosphäre zu halten. Man fühlt sich wie in der Rush Hour! Kein Gefühl von Nähe kann nun mehr aufkommen und man verliert den Kontakt zum Kern des Films. Denn das ist Mark Watney! Ohne Matt Damon wäre der Film nutzlos und es würde keinen Moment Spaß machen. Denn alles andere hat Gravity vor wenigen Jahren um ein Vielfaches besser, realistischer, atmosphärischer und einfach genialer gemacht! An dieses Maß kann Der Marsianer in keinem Fall heranreichen. Dennoch unterhält er sehr gut, das muss man ihm einfach zugestehen. Er bringt nicht die erwartete Ganzheit mit oder gar eine unumstößliche Logik, aber er ist unterhaltsam und an mancher Stelle sogar sehr spannend. Ich frage mich allerdings ernsthaft, wieso er in den Oscar-Reigen hineingedacht wird. Da hat er in meinen Augen nichts verloren.

Rating: ★★★★★★★☆☆☆ 

 

Fakten:

Regie: Ridley Scott

Darsteller: Matt Damon, Jeff Daniels, Kristen Wiig, Jessica Chastain, Kate Mara, Michael Pena, Sean Bean, Chiwetel Ejiofor

Budget: $108Mio.

 

 

Quellen: Internet Movie Database, foxmovies.com, huffingtonpost.com

 

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