Spectre

 

Daniel Craig ist sicherlich nicht der beliebteste Darsteller, den James Bond je gesehen hat. In meinen Augen völlig unverständlich, da man die Serie einmal um 180° gedreht hat und neu auflegte. Wer einen zweiten Sean Connery mit seinem Charme oder einen zu alten Pierce Brosnan im Dauerfeuer erwartet hat, der kommt auch mit dem Satz "früher war alles besser" super zurecht. Dieser James Bond ist anders, brutaler, härter, persönlicher, wie wir schon seit Casino Royale wissen. Die Distanz zu leichter Unterhaltung bei oberflächlichem Geplänkel wurde durchbrochen. Skyfall hat dem ganzen eine große Krone aufgesetzt und wird nicht umsonst als einer der besten Bonds aller Zeiten angesehen. Es hat bis hin zum Titelsong alles gestimmt. Einmal wollte Daniel Craig noch in den Ring steigen und den Menschen James Bond auf die Leinwand tragen. Mit Spectre so persönlich wie nie zuvor. Ob das gelungen ist, ist wahrlich sehr schwer zu entscheiden!

im artikel

 

 

Eine Fehde, sie alle zu binden

BondJames Bond (Daniel Craig) ist einer geheimen Terrororganisation auf der Spur. Sie hat keinen Namen, kein Gesicht und doch sterben Menschen. Sein Weg führt ihn zu einem mexikanischen Gangster und dessen Frau Lucia (Monica Bellucci). Mit kleinen Hinweisen im Gepäck und ohne die Erlaubnis von MI:6 Boss M (Ralph Fiennes) macht er sich auf den Weg, das Geheimnis zu entschlüsseln. Dabei trifft er auf die Tochter von Spion Mr.White (Jesper Christensen) Madeleine (Lea Seydoux), die sich vor der Organisation versteckt hält. Diese bringt Licht ins Dunkel und enthüllt die Organisation Spectre mit ihrem namenlosen Anführer. Doch erst als James direkt vor ihm (Christoph Waltz) steht, bemerkt er, wie tief seine eigene Geschichte mit allem verbunden ist. Währenddessen bricht der MI:6 in London unter Verschwörungen und Politik zusammen, während der undurchsichtige C (Andrew Scott) in England die Fäden zieht. Bond muss sich nun auf seine wenigen Verbündeten, darunter Q (Ben Wishaw) und Moneypenny (Naomie Harris), verlassen, um das Ruder noch zu wenden.  

 

A Quantum of Casino Skyfalls

Bond und LeaIhr wollt sicher direkt eine Einschätzung? Ist es mehr das stylische Casino Royale oder das furchtbare Quantum of Solace oder gar das geniale Skyfall? Es ist alles gleichzeitig. Man merkt deutlich, dass Regisseur Sam Mendes aus allen diesen Filmen kleine Dinge gepickt hat und in Spectre zusammenbringen wollte. Sei es die Zugszene, das geheime Labor in der Wüste oder die abgelegene Hütte. Immer wieder trifft man auf solche Momente und wird noch einmal durch die Gedanken der letzten Filme gespült. Leider bleibt dabei Quantum of Solace am ehesten hängen. Das ist sehr, sehr schade, wenn das Szenario hätte deutlich mehr hergegeben. Man kann noch so viele gute Schauspieler engagieren, Schauplätze inszenieren oder Action reinbringen, am Ende muss auch das Drehbuch stimmen. Und das ist in Spectre leider überhaupt nicht der Fall. Die Dialoge sind einfältig und dumm und man hat das Gefühl, die Figuren reden eigentlich nur, damit die Luft zwischendurch mal scheppert. Die Geschichte ist so banal geschrieben und strukturiert, dass jeder noch so einfältige Holzkopf nach kurzer Zeit auf die richtige Spur kommt. Es wird ein riesengroßes Geheimnis um alles gemacht und am Ende erfüllt es JEDES noch so dumme Klischee der Spionagegeschichte. Absolut unnötig! 

 

Inhaltsfreier Ballast

WaltzDabei sind die Charaktere eigentlich sinnvoll platziert. Daniel Craig ist wie immer etwas einfältiger, Lea Seydoux macht sich als primäres Bond Girl ziemlich gut und James' Entourage passt auch. Christoph Waltz ist leider ein kleines Hindernis. Aber nicht, weil er einen schlechten Job macht, im Gegenteil ist er sehr präsent wenn er da ist. Die Betonung liegt hier bei WENN. Denn seine Leinwandzeit ist durch das ganze Mysterium so begrenzt, dass man das Gefühl hat, es passiert eigentlich alles nur drumherum. Die Organisation ist so geheim, dass sie im Film KEINE Rolle spielt. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Da ist eine Terrororganisation, die nur durch eine Sache wirklich aktiv in Erscheinung tritt: durch einen Fernsehbericht. Alles andere ist entweder Politik oder Planung oder persönliche Vendetta. Damit treffen wir auch schon das Hauptproblem des Films: es passiert eigentlich nichts. Man kann auch gerne eine Stunde überspringen und kommt zum gleichen Ergebnis ohne was verpasst zu haben. Symbolisch dafür steht die wohl schlechteste Autoverfolgung aller Zeiten. Da ist ja auf der A9 um 7Uhr morgens mehr Action!! Ganz schwach inszeniert! 

LeaGibt es auch Gutes zu berichten? Ein wenig…ja. Die Eröffnungsszene rockt, die endgültige Lösung um Christoph Waltz' Charakter ist gut und ich mag den verwundbaren James Bond. Eine meiner Mitgängerinnen meinte, sie wäre enttäuscht, da James den ganzen Film über nur aufs Maul bekommt. Es ist nichts Heldenhaftes dabei. Da hat sie leider recht, allerdings empfinde ich das als in Ordnung. Er ist ein Mensch und weiß Gott nicht der klügste unter den seinen. Auch die Action kam sehr kurz bei all den sinnlosen und einfältigen Dialogen. Ah verdammt, ich wollte doch was Gutes sagen. Öhm…also, die Musik ist gut und er sieht teuer aus. Reicht das?

 

Fazit

Ich bin einfach nur enttäuscht. Keine Ahnung, was sich die Autoren beim Schreiben dieses überlang gezogenen Streifens voller Dummheit gedacht haben. War das so ein typisches "die Action wird schon davon ablenken" Ding? Und dann kommt Sam Mendes und baut kaum Action ein! Auf irgendwas muss man seinen Fokus setzen, wenn das Drehbuch schlecht ist. Action, Inszenierung, Struktur…irgendwas! Aber den Film einfach so vor sich hinplätschern zu lassen, war einfach nur dämlich. Spectre ist besser als Quantum of Solace, aber das war nicht schwer. Er rangiert jedoch sehr weit unter Casino Royale und Skyfall. Die wenigen guten Momente gehen im Ballast der restlichen Sinnlosigkeit und offensichtlichen Wendungen einfach nur unter. Irgendwann sitzt man nur noch da und denkt sich: "Steig endlich mit ihr ins Bett und puste den Bösewicht weg, dann haben wir es hinter uns". Traurig, aber wahr. 

Rating: ★★★★★★☆☆☆☆ 

 

Fakten:

Regie: Sam Mendes

Darsteller: Daniel Craig, Christoph Waltz, Lea Seydoux, Ralph Fiennes, Ben Wishaw, Andrew Scott, Naomie Harris, Monica Bellucci

Budget: $245Mio. 

 

 

Quellen: Internet Movie Database, Box Office Mojo, cinemaniacs.com 

 

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