Deadpool

 

Wer glaubt, dass das hier ein normaler Superheldenfilm ist, dem empfehle ich den Ausgang. Ja ich weiß, das ist das Internet, also ist der Ausgang das X da rechts oben. Deadpool ist nichts für Weicheier, die nicht mit perversem, über alle Grenzen hinausgehendem, beißend sarkastischem Humor und brutaler Action umgehen können. Deadpool ist kompromisslos. Deadpool ist der frische Wind, den dieses Genre dringend gebraucht hat. Schluss mit irgendwelchem superernstem Avenger Blödsinn, der nicht mal mehr irgendeinen Sinn ergibt. Stattdessen nimmt sich Deadpool einfach das gesamte Genre zur Brust, dreht es einmal durch den Fleischwolf und spuckt es wohlverdaut wieder aus. Übrig bleibt ein unfassbar witziger und unterhaltsamer Film, den wir uns jetzt im Detail vornehmen werden.

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Wade Wilson (perfekt (!!): Ryan Reynolds) ist nicht viel als ein brutaler "Problemlöser", der mit beißendem Humor und dummen Sprüchen sein einfallsloses Leben lebt. Doch dann trifft er Vanessa (Morena Baccarin), die mit seiner Schlagfertigkeit und seinem Humor nicht nur mithalten kann, sondern ihn auch aus dem Latschen haut. Doch das Glück sollte nicht lange halten, denn Wade wird mit Krebs im Endstadiumm diagnostiziert. In seiner Verzweiflung nimmt er HimKontakt zu einer zwielichtigen Organisation unter der Leitung von Ajax (Ed Skrein) auf. Sie versprechen, ihn zu heilen und ihn zu einem Superhelden zu machen. Dieses Versprechen wird natürlich nicht eingehalten, stattdessen wird Wade bis an den Rand des Todes gefoltert, um seine Mutation erwecken zu lassen. Als ihm schließlich die Flucht gelingt, ist sein Körper entstellt, doch gleichzeitig unzerstörbar. Mit dem Ziel Rache zu nehmen und eine Heilung für seinen Körper zu finden, macht er sich auf die Suche nach seinem neuen Erzfeind. Doch dieser ist auch schon auf seinen Fersen und auf der Jagd nach Vanessa. Um der Situation Herr zu werden, wird Wade zu Deadpool und räumt unter den Bösewichten auf. Allerdings auf eine Weise, die die Aufmerksamkeit der rechtschaffenen X-Men Colossus (Stefan Kapicic) und Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand) erweckt.

 

Wade Wilson: [to Vanessa] Your right leg is Thanksgiving and your left leg is Christmas. Can I come and visit you between the holidays?

 

Kompromisslos böse mit Herz

themDas klang jetzt irgendwie nicht nach viel und vor allem nach einheitlichem Brei. Fehlanzeige!! Es ist nicht die Story, die das Ganze ausmacht, sondern der Film selbst. Man braucht ihn keine Minute gesehen zu haben, um zu verstehen, worauf man sich eingelassen hat. Deadpool bricht mit jeder Regel, die irgendein Superheldenfilm jemals aufgestellt haben mag. Das fängt beim Intro an, geht über diverse Easter Eggs, den sarkastischen Humor, über die Kampfszenen bis hin zum obligatorischen Teaser nach dem Abspann. Es gibt keine Sekunde Pause! Und wenn man denkt, dass jetzt doch ein paar eingefahrene Wege gegangen werden, dreht der rote Anti-Held wieder alles auf den Kopf. Der Humor ist dabei so genial eingespielt, dass man aus dem Lachen kaum noch rauskommt. Auf wie viele abgedrehte Ideen die Autoren gekommen sind, ist schlichtweg beeindruckend. Dabei scheut sich Regisseur Tim Miller auch nicht, diverse perverse Direktheiten in die Kamera zu halten oder keinerlei Zurückhaltung in irgendeiner Form an den Tag zu legen. Warum auch, schließlich ist Deadpool der kompromissloseste Held, den Marvel uns je gezeigt hat. Aber jetzt kommt der Clou an der ganzen Sache. Deadpool mag purer Sarkasmus sein, vor Gewalt und Perversion nur so strotzen und uns mehr als einmal vom Hocker reißen. Aber: der Film hat wahnsinnig viel Herz! 

 

Weasel: [to Deadpool before he heads out on a suicide mission to save Venessa] I'd go with you, but… I don't want to.

 

Talk to me, boy
Besonderen Anteil an diesem Part haben natürlich die Darsteller. Ryan Reynolds wurde für diese Rolle geboren, ohne Diskussion oder sonstwas. Er lebt, atmet und IST einfach Deadpool. Selten wurde ein Part so gut besetzt wie dieser. Reynolds hat zudem großen Anteil daran, dass der Film genauso geworden ist, denn Deadpool war seit jeher sein Herzensprojekt und das musste der Rolle einfach gerecht werden. Auch das Zusammenspiel mit Morena Baccarin läuft einfach super. Die Beiden sind ein tolles Paar auf der Leinwand und geben dem Film eine große Sehnsucht nach perfekter Liebe mit. Man könnte jetzt noch weitergehen und noch mehr interpretieren über die Akzeptanz eines entstellten Menschen durch eine blinde (und sehr direkte) Frau usw, aber das muss gar nicht sein. Zu keiner Sekunde verliert der Film den Faden oder vermisst auch nur einen einzigen Beat. Ich hatte erwartet, dass er lustig und unterhaltsam wird. Jedoch war ich nicht darauf vorbereitet, dass er so lustig, so unterhaltsam, so anders und so kompromisslos daherkommt. Und als wenn das nicht genug wäre, setzt Deadpool auch noch auf eine Taktik, die jeden Kinofan überzeugen muss: er spricht mit dem Publikum und kommentiert seinen eigenen Film WÄHREND der Szenen. Pure Genialität ohne Anspruch.

 

Deadpool: "Wow, this is such a big house, but I only ever see the two of you here. It's like the studio didn't have enough money for any more X-Men…"

 

Colossus: "You will come talk with professor Xavier."

Deadpool: "McAvoy or Stewart? These timelines can get so confusing."

 

Fazit

Allzuviel gibt es nicht mehr zu sagen. Ihr seid 16 oder älter und habt nichts vor? Dann auf ins Kino! Deadpool vereint alles, was ich mir von einem Superheldenfilm mit schwärzestem Humor wünschen konnte. Ich habe so laut und ausdauernd gelacht, dass mir der Kiefer irgendwann wehtat. Die vielen Anspielungen, die man vermutlich nur Insider verstehen, sind Gold wert! Deadpool scheint wohl nicht ganz so gut auf Wolverine zu sprechen zu sein und dieser andere Typ in dem animierten grünen Kostüm, der auch von diesem Reynolds gespielt wird, steht auch auf seiner Flame-Liste. Danke, danke, danke für diesen Film! Das war so bitter nötig, um die Stagnation des Genre mal auf die Schippe zu nehmen und den Menschen zu zeigen, was sie da eigentlich schauen. Er hält ihnen einen Spiegel vor und deutet mit großen, roten Pfeilen auf ihr eigenes Erlebnis während eines normalen Superheldenfilmes. Ich glaube, ich werden die Avengers niemals wieder normal anschauen können. Wenn ich Age of Ultron mit Deadpool vergleiche, dann ist trotz seiner Ernsthaftigkeit ganz klar der zweite Avenger Film die Lachnummer. Ich bin sehr begeistert und möchte am liebsten sofort wieder ins Kino laufen. Ich würde allerdings zu gerne wissen, was mit Dopinder passiert ist, diese kleine Nebengeschichte war soooo witzig!!     

Rating: ★★★★★★★★½☆ 

 

Fakten:

Regie: Tim Miller

Darsteller: Ryan Reynolds, Morena Baccarin, Ed Skrein Gina Carano, T.J. Miller, Brianna Hildebrand

Budget: $58Mio.

 

 

Quellen: Internet Movie Database, Box Office Mojo, Foxmovies

 

 

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