The Revenant

 

The Revenant ist ein seltener Film. Er ist enorm schwer zu beschreiben und lebt von Stille, beeindruckenden Bildern, beängstigender Atmosphäre, genialen Schauspielern und einem Grad an Realismus, der selbst mich das Fürchten lehrte. Doch langsam und der Reihe nach. Alejandro G. Inarritu heißt der Regisseur dieses Rache-Abenteuers und das heißt bekanntlich etwas. Inarritu hat im vergangenen Jahr den Oscar für sein Comedy-Drama Birdman eingeheimst und gilt als mutiger und visionärer Filmemacher. Seine Techniken sind mitunter sehr speziell und er scheut sich nicht davor, mitten drauf zu halten und seinen Schauspielern viel Raum zur Entfaltung zu geben. So auch dieses Mal, denn Leonardo DiCaprio und Tom Hardy spielen ihre Rollen beängstigend gut. Sollte es etwas dieses Mal wirklich für den Oscar reichen? Schauen wir uns gemeinsam die Details zu diesem ungewöhnlichen Film an.

Money Shot

 

Mit eisiger Kälte überzogen

kampfNordamerika in den 1820er Jahren. Die Rocky Mountains und ihre Umgebung sind noch nahezu unberührtes Gebiet in ihren nördlichen Ausläufen. Von Indianern und der Natur beherrscht, versuchen die weißen Trapper und Soldaten dort Felle zu erbeuten, die sie später Zuhause verkaufen können. Angeführt von dem blauäugigen Captain Andrew Henry (Domhnall Gleeson) verfolgt eine fünfzig Mann starke Trappergruppe genau dieses Ziel. Unter ihnen auch der dominante und hinterhältige Schläger John Fitzgerald (Tom Hardy) und der Pfadfinder der Truppe Hugh Glass (Leonardo DiCaprio), der seinen indianischen Sohn Hawk (Forrest Goodluck) an seiner Seite führt. Glass macht sich nicht viel aus der Beute, hält seinen Kopf tief und führt die Männer. Nach einem Indianerhinterhalt müssen die Überlebenden durch die Wildnis flüchten. Ahnungslos tappt Glass in die Tatzen eine Grizzlybärs, der ihm extremste Verletzungen zufügt. Nahezu alleine zurückgelassen und ohne sich bewegen zu können, muss er mitansehen, wie Fitzgerald seinen Sohn tötet und ihn selbst in ein eisiges Grab wirft. Doch Glass' Kampfgeist ist ungebrochen. Mit äußerster Anstrengung kämpft er sich wieder zur Kräften und schwört ewige Rache. Bald schon kämpft er nicht nur gegen Indianer, Franzosen und die Natur, sondern auch gegen lähmenden Hunger und seinen nachlassenden Körper. Sein Ziel: Fitzgerald. 

 

Härte und Brutalität im Westen

weites EisThe Revenant ist ein Erlebnis. Punkt. Man muss diesen Film gesehen haben, um zu verstehen, was ich meine, da es nahezu unmöglich zu beschreiben ist. Der Film kommt mit einem absoluten Minimum an Worten aus, denn in erster Linie sprechen die grandiosen Bilder und exzellenten Schauspieler in ihrem schweigsamen Kampf. Ich war immer wieder überrascht, wenn doch mal jemand was gesagt hat, da ich mich vollkommen von der Stille und der Atmosphäre habe einnehmen lassen. Wie plötzlich diese Stille kippen und in etwas dramatisches umschlagen kann, hat mich mehr als einmal umgehauen. Die epische Kameraführung hat dabei einen enormen Anteil. Inarritu kommt mit unheimlich wenigen Schnitten aus und zieht die Atmosphäre und Dramatik mithilfe von Kamera und Darstellern nahtlos ineinander über. Ein überwältigendes Konzept, das mich schon an Birdman fasziniert hat und hier noch besser zum Ausdruck kommt. Ich hätte den Film auch nur wegen der Aufnahmen anschauen können, mehr hätte es kaum gebraucht. Man kann die wahnsinnige Kälte dieser magischen Landschaft und ihre Gnadenlosigkeit in jeder Sekunden einatmen. The Revenant ist eine Hommage an die Unberührbarkeit und Reinheit der Natur und ihre gnadenlose Realität. Gleichsam erinnert er an die Vertreibung und Verzweiflung der indianischen Ureinwohner und macht damit auf die Rechte von Urvölkern aufmerksam, die überall auf der Welt mit Füßen getreten wurden.

 

Die Genialität in der Abstinenz

Leo vor FeuerInarritu bleibt den ganzen Film über kompromisslos. Bei dieser Härte der Natur und dem verzweifelten Kampf ums Überleben darf auch reale Brutalität nicht fehlen. Am Ende ist es ein Racheepos und das wird als Thema durchweg zelebriert. Die schiere Brutalität der Actionszenen hat sogar mich vor Schreck aufstöhnen lassen. Ich bin weiß Gott kein Mauerblümchen und habe in meinem Leben so manch brutalen Film gesehen ohne zu zucken. Aber der Grad an Realismus, den The Revenant auffährt, hat mich die Hand vor den Mund schlagen lassen. Das fängt bei einem Indianermassaker an, geht über die Attacke des Grizzlybären, in der Glass knapp sieben Minuten lang zerfleischt wird (!!), bis hin zu diversen Mensch gegen Mensch Kämpfen. Besonders die Attacke des Grizzly hat mich schier entsetzt wie real dies aussah. Nichts für zartbesaitete Gemüter!! In so mancher Szene wurde mir erst wieder bewusst, wie schnell alles gehen kann. In einem Moment schreit ein Mann, im nächsten sticht ein anderer auf ihn ein. Vollkommen harmlos dargestellt, ohne Dramatik, aber durch die plötzliche Änderung und das gnadenlose Draufhalten der wackeligen Kamera entsetzlich real. Es straft die theatralischen Tode mancher Hollywoodproduktion zur Lächerlichkeit ab. 

FitzgeraldAllen voran gehen natürlich Tom Hardy und Leonardo DiCaprio. Besonders Letzterer ist sehr dominant im Film zu sehen, denn sein Kampf steht im Vordergrund. Jede Qual, jede Emotion und die immer lauernde Wut lassen sich in jeder Sekunde ablesen. Wenn er für diese Rolle keinen Oscar bekommt, verkaufe ich meine Wohnung und ziehe nach Sri Lanka. Aber auch Tom Hardy war für mich eine Offenbarung, nachdem ich ihn in Mad Max vollkommen überflüssig fand. Die Intensität seines Spiels ist so enorm, dass ich Fitzgerald niemals im Dunkeln begegnen möchte. Leider hat er einen so heftigen Akzent eingenuschelt, dass man nur die Hälfte verstand.

 

Fazit:

Finger weg, wenn ihr keine Gewalt sehen könnt, euch gewaltige Naturaufnahmen langweilen und ihr ganz sicher Dialoge braucht, um einen Film genießen zu können. Wenn das alles auf euch nicht zutrifft, dann nur auf ins Kino oder die Blu-Ray später erwerben, denn The Revenant ist geniale Filmkunst.  Was uns hier gezeigt wird, ist an Intensität kaum zu überbieten. Vielleicht gerade weil der Film mit so wenig anderen Dingen außer der Visualität und der nicht vorhandenen Soundkulisse auskommt. Die genialen Schauspieler und die eindrucksvolle Kamerakunst stehen im Vordergrund dieses Epos und zeigen uns, dass ein Film nicht viel Tamtam braucht, um Genialität zu beweisen. Die exzellente Regiearbeit von Alejandro G. Inarritu ist natürlich außerhalb jeden Zweifels. Der finale Shot bleibt mir wohl ewig im Gedächtinis, in dem die Intensität des ganzen Films einen simplen, aber einfachen Höhepunkt erreicht. Was bleibt mir noch anderes zu sagen außer: The Oscar goes to…hoffentlich ganz vielen Kategorien, in denen The Revenant nominiert ist. Jede einzelne Trophäe wäre verdient. 

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

 

Fakten:

Regie: Alejandro G Inarritu

Darsteller: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnell Gleeson, der Grizzly

Oscarnominierungen: 12

 

 

Quellen: Internet Movie Database, Box Office Mojo, Fox, hdwallpapers.in

 

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